Pasta per due: Der Eidechsenitaliener

Am Strand in der Sonne liegen? Das war nichts für Simones Italiener - bis Otto in sein Leben trat. Teil 12 der Kochkolumne mit Herz.

Verliebt ineinander und ins Essen: der Italiener und Simone

Als der Italiener und ich zum ersten Mal gemeinsam am Meer waren, war das an der Nordsee. An einem Tag Mitte August, als Freunde von ihm heirateten und nach sechs Wochen Regen endlich mal wieder für ein paar Stunden die Sonne rauskam.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft knallte sich unter großem Hallo auf den Deich. Wie das halt so ist, wenn die Leute ausgehungert sind nach Sonne, wenn es so lange kalt und nass war, in Norddeutschland, und wenn dann dieser eine Nachmittag kommt, der (fast) alles vergessen macht. War das schön. So im Gras zu liegen, sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen, links rauschte das Meer, rechts quietschten die Lämmer, und meine Hand suchte die seine, äh, wo, Moment mal...? Ich setzte mich auf und sah mich um.

Der Italiener war verschwunden. Einfach nicht mehr zu sehen. Einer aus der Hochzeitsrunde, der ihn natürlich schon länger kannte als ich, deutete auf eine Wurst aus weißen Hemden neben mir. Ich tastete die Wurst ab. Tatsächlich. Der Italiener hatte sich die abgelegten Hemden der anderen Herren geklaut und seinen Körper vollständig damit abgedeckt. Ich stutzte und traute mich nicht, was zu sagen. War ich mit einem Verrückten zusammen?

"Schattenitaliener", sagte einer seiner alten Freunde, "der ist und bleibt ein Schattenitaliener." "Ein was?", fragte ich. "Monelli", sprach eine Stimme unter den Hemden, "das ist so: Es gibt die echsenartigen Italiener, die sich den ganzen Tag einölen und am Strand räkeln, und es gibt Typen wie mich. Ich lieg' lieber im Schatten."< Ich war verwirrt.

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Der Italiener blieb ein Schattenfreund, den ganzen Rest jenes Sommers, und auch den größten Teil des darauffolgenden. Im September fuhren wir zur Verwandtschaft nach Apulien, vorher machten wir noch einen Abstecher nach Calabrien. Der Italiener hatte da überhaupt keinen Bock drauf, aber ich wollte das mal sehen, und ich hatte so viel von den fantastischen Stränden und Steilküsten gehört. "Strand", sagte er, "bah."

Aber Fräulein Dickkopf setzte sich durch und wir mieteten uns für vier Tage in einem Badeort ein. Mit weißem Strand und lila Himmel nach Sonnenuntergang. Am ersten Tag klebte der Italiener ununterbrochen unter einer Mauer, die ungefähr zwanzig Zentimeter Schatten spendete und war schlecht gelaunt.

Am zweiten Tag ging er hin und wieder mal ins Wasser und ließ sich demonstrativ von den Wellen verprügeln. "Ich hätte tot sein können", sagte er. Am Abend des zweiten Tages lernten wir Otto kennen. Otto di Catania. Einen winzig kleinen, irre struppigen Köter aus Sizilien, der ein monumentales Selbstbewusstsein hatte und auf dem Handtuch neben uns wohnte. Otto und der Italiener freundeten sich sofort an, irgendwas verband sie, und schon am dritten Tag tat der Italiener das, was am Strand alle tun: ein bisschen Ball spielen, ein bisschen palavern, ein bisschen Eis essen, und viel in der Sonne liegen und schlafen. "Ich bin jetzt eine von den Eidechsen", sagte er und seine Nase leuchtete rötlich.

Leider hat Hamburg ja nicht so viele Strandtage, wie der Italiener neuerdings gerne hätte. Na ja. Packen wir die Sonne halt einfach wieder mal in den Topf.



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Simones Rezept: Pasta del Sole (per due)

Eine Hand voll Walnüsse leicht zerdrücken und in einer Pfanne (ohne Öl) ein paar Minuten rösten. (Vorsicht, die verbrennen schnell!) Rausnehmen und zur Seite legen. Zwei Knoblauchzehen halbieren und zusammen mit zwei scharfen roten Peperoncini und reichlich Olivenöl in die Pfanne geben und schmelzen lassen bis die Küche duftet. Dann eine gute Hand voll sonnengetrockneter und in Öl eingelegter Tomaten etwas abtropfen lassen, in feine Streifen schneiden und zwei Minuten mitbraten. Drei Hände voll b>Kirschtomaten waschen, in die Pfanne geben und alles auf niedriger Hitze köcheln lassen, bis die Tomaten aufgehen und ihr Saft in die Pfanne fließt. Vorsichtig salzen und pfeffern.

400 g Penne in sprudelndem Salzwasser bissfest kochen, am Ende einen guten Schwung von dem Nudelwasser in die Pfanne geben und die Sauce damit binden. Pasta mit der Sauce vermischen, mit sehr klein gewürfeltem Mozzarella, ein paar Blättern Basilikum und den gerösteten Walnüssen bestreuen. Gut eincremen.

Text: Simone Buchholz Foto: Simone Buchholz Illustration: Dorothea Huber
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