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Single-Mann klagt "Ich verliebe mich immer in die falsche Frau!"

Philipp Kohlhöfer: Einsamer Mann
© Skrynnik Mariia / Shutterstock
BRIGITTE-Autor Philipp Kohlhöfer möchte mal wieder eine Beziehung haben. Er verknallt sich ab und zu, aber irgendwie wird nie was draus. Und er fragt sich, woran das liegt.
von Philipp Kohlhöfer

Eigentlich bin ich ein zutiefst konservativer Typ. Zumindest, was meine Familienplanung betrifft. In meiner Idealwelt habe ich eine Tochter und eine Frau und lebe mit ihnen glücklich bis zu meinem Lebensende in einem Haus, über dem die Sonne scheint. Es ist mild, und Bienen summen fröhlich durch Blumenbeete. Alle sind immer gut gelaunt und lächeln viel. Das Dasein ist sozusagen ein ständiger Frühsommertag.

Es ist immer die falsche Frau

Ich habe wirklich eine Tochter. Die ist allerdings schwer in der Pubertät und kann sich nicht vorstellen, mit mir irgendwo zu wohnen (über den Alltag hinaus), weil ich so peinlich bin. Meine Versuche zu gärtnern enden regelmäßig damit, dass das Grünzeug stirbt, und weil ich nicht in Griechenland lebe, sondern in Hamburg, ist auch das mit der Sonne so eine Sache. Darüber hinaus ist auch meine Frauensituation nicht gerade ein ständiger Frühsommertag.

Es liegt nicht daran, dass ich mich nicht verlieben würde. Oder verknallen. Das passiert. Nicht wöchentlich, aber schon ab und an. Aber es wird nie zurückgeliebt. Ich mache dann tatsächlich so Teenagersachen: auf WhatsApp gucken, wann sie das letzte Mal online war, oder mich bei ihren Freundinnen anbiedern. Doch am Ende nutzt das alles nichts, denn ich treffe immer nur Frauen, die gerade aus Beziehungen kommen (wie kann ich das denn ändern? Ich habe ja kein Schild umhängen). Oder ein Problem mit Nähe haben oder mit sich selber.

Manchmal fällt ihnen nach Wochen und Monaten ein, dass sie lieber doch jemanden mit langen Haaren hätten (dass es das überhaupt noch gibt!). Und eine wohnte sogar noch mit ihrem Ex-Mann zusammen und wollte da nicht ausziehen, was die Sache sehr umständlich machte (er war irgendeine Kiezgröße, und am Ende war es eigentlich ganz gut, dass das nix wurde. Ich will ja nicht in einem Fass mit Säure aufgelöst werden). Es passt jedenfalls nie. Es ist sozusagen immer die falsche Frau.

Typ "Einsamer Cowboy" 

Die falsche Frau fühlt sich dann immer geschmeichelt von meiner Verliebtheit, sagt, dass sie mich ja nicht verletzten will, dass es wirklich sehr nett war bis hierhin, aber danke, nix für ungut, weitere Zukunft besser nicht. Und dann stehe ich da, gucke Löcher in die Luft und muss die Scherben meines gebrochenen Herzens wegkehren. Was weniger schlimm wird, wenn man es öfter macht, Routine stellt sich nämlich auch da ein. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir?

Neulich habe ich gelesen, dass es den Typ "Einsamer Cowboy" gibt. Der heißt offenbar wirklich so, ein bisschen affig. Dieser Typ wirkt angeblich auf Frauen attraktiv, strahlt aber gleichzeitig aus, dass er für eine stabile Beziehung nicht zu haben ist. Ich habe daraufhin meine Tochter nach meiner Ausstrahlung gefragt, und sie hat mich angesehen, als ob ich nicht bis drei zählen kann. Dann sagte sie, dass ich ja nicht alle Latten am Zaun habe, und ging weg. Der einsame Cowboy eignet sich, so las ich, hervorragend für eine Affäre (es gibt noch andere Typen, die in diese Richtung gehen, die haben allerdings noch weniger auf mich gepasst, weil die teilweise eine schlimme Kindheit hatten: hatte ich nicht. Alles war super). Die Frage ist also: Wie stelle ich das ab?

Ich neige sehr dazu, Dinge zu ironisieren. Ich bin auch kein romantischer Typ. Ich will kein Postkartenmotiv nachstellen. Und trotzdem habe ich am Anfang dieses Textes von summenden Bienen erzählt. Vielleicht bin ich innerlich zu zerrissen, wenn ich das schon innerhalb eines kurzen Textes nicht hinkriege?

Keine Beziehung aufgrund von Bindungsangst

Ich treffe jedenfalls ständig Frauen, die an der Elbe stehend, frühmorgens mit einem Kaffee (dampfend) aufs Wasser sehen wollen. Vermutlich seufzend. Ach, sage ich dann, super Idee, aber leider habe ich keine Zeit. Vielleicht sollte ich einfach woanders hinziehen, ins Hinterland, dann hat sich wenigstens die Elbe erledigt. Es ist zum Verrücktwerden, aber ich kann mich doch nicht verbiegen.

Offensichtlich bin ich nicht der Einzige. Noch nicht lange her, da habe ich an einer Online-Umfrage teilgenommen. Die Frage war: Verliebst du dich oft in die falschen Männer. Schon klar, ich war nicht Zielgruppe, aber es geht ja ums Gefühl. 79 Prozent antworteten: "Oft ist gut. Story of my life". Man sei daran aber keineswegs selber schuld, sagte der schlaue Text, der dieser Umfrage beigestellt war. Vielmehr würden wir die Misere unserem Gehirn verdanken. Denn alles, was man schon mal erlebt und halbwegs überstanden hat, speichert man als sicheres Terrain ab: Kenn ich, kann ich, mach ich wieder. Ob es uns nach vorn bringt, ist dem Gehirn ziemlich egal.

Ich kann also einen bestimmten Typ von Frauen kennenlernen und Absagen kassieren. Als ich vor Kurzem mit einer der falschen Frauen Bier trinken war (die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Ich: total verknallt. Sie: zum Knutschen gut der Typ, aber das war’s dann auch), sagte sie mir, dass es an mir liege. Dass ich mir unbewusst immer diejenigen aussuche, die auf gar keinen Fall mit mir eine Beziehung eingehen wollen. "Ach was", sagte ich. Sie nickte. Ich fand das unsinnig, ich bin ja auch nicht daran schuld, wenn ich bei Grün über die Ampel laufe und ein besoffener Autofahrer mich voll erwischt. Sie bestand darauf. Das liegt daran, sagte sie und machte uns ein Bier auf, dass du selber Bindungsangst hast. Sonst würdest du jemanden nehmen, der dich mag (was ja bedeutet: Ich bin es nicht. Danke dafür!).

Vielleicht warte ich auch nur auf was Besseres

Ich hatte keine Lust, das auszudiskutieren, und als ich hinterher gegoogelt habe, was das überhaupt ist, diese Bindungsangst, fand ich es etwas ärgerlich, und dann war ich nicht nur in Sekundenschnelle nicht mehr verliebt, sondern auch ganz froh, dass der Kelch an mir vorübergegangen ist. Möglicherweise war ich beim Bier auch gar nicht so verknallt gewesen ...

Und da fiel mir auf: Vielleicht warte ich auch nur auf was Besseres. Immer wieder. Und versuche nur, die Zeit dazwischen zu überbrücken, weil ich ja auch irgendwie Erfahrungswerte brauche. Könnte ja sein, schließlich lese ich in Magazinen auch immer den Text ganz am Schluss, der mich am allermeisten interessiert. Ich sehe mir die schlechtesten Fußballspiele an, weil ich an die eine hervorragende Spielszene glaube, die es wert ist, 90 Minuten Langweile ertragen zu haben. Und gehe ich essen (da sind auch oft Frauen dabei, aber das ist eine andere Geschichte), esse ich das zuletzt, was ich an der Mahlzeit am leckersten finde. Um mich auf was zu freuen. Doch kann man das einfach auf sein Beziehungsleben umlegen? Treffe ich dann die Frau meines Lebens, wenn ich 82 bin?

Aber ich gehe doch auch nicht in den Supermarkt und kaufe mir einen Joghurt, der mir nicht schmeckt, nur weil mir der Gedanke, dass es noch einen besseren gibt, ein gutes Gefühl gibt. Ich verliebe mich immer in die falsche Frau. Und ich habe keine Ahnung, wie ich das ändern soll.

Philipp Kohlhöfer, 46, ist eigentlich ein totaler Frauenversteher. Als allein erziehender Vater einer Tochter muss er dauernd zu Elternabenden (meistens sind nur die Mütter da), Sektfrühstücken und ähnlich frauenlastigen Veranstaltungen.

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