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Beziehung Du kannst einen Menschen nicht ändern? Wenn du diese zwei Regeln befolgst, doch

Beziehung: Ein Paar läuft über einen Platz
© Angyalosi Beata / Shutterstock
Für dich braucht sich niemand zu ändern? Voll gut. Aber falls es doch einmal wünschenswert sein sollte – zum Beispiel dein:e Partner:in, ein:e Freund:in oder Mitbewohner:in –, können einer Studie zufolge diese zwei Regeln nützlich für dich sein.

Wahre Liebe bedeutet, einen Menschen genau so zu schätzen und zu akzeptieren, wie er ist. Mit all seinen Makeln und Schwächen. Nichts an ihm ändern zu wollen. Immer wenn es regnet, tanzen wir mit diesem Menschen mit schwingenden, schwarzen Schirmen zwischen glitzernden Pfützen durch die Straßen der Nachbarschaft, teilen uns anschließend bei Mario, dem italienischen Lokal an der Ecke, einen Teller Spaghetti, und schieben am Ende das letzte Fleischklößchen dem anderen zu. So sieht Liebe aus. Wenn wir in einem Disney-Film leben. 

Sind wir allerdings einmal irgendwo falsch abgebogen und vom Regenbogen versehentlich in die echte Welt abgestürzt, verhält es sich meist anders. Dann ist bei Mario typischerweise kein Tisch frei, wenn wir völlig genervt und durchnässt dort ankommen, nachdem ein heftiger Windstoß unseren Schirm kaputt gemacht hat. Außerdem kann es dann durchaus sein, dass wir einen Menschen lieben, uns aber trotzdem wünschen, dass er sich ändert. Und je näher uns dieser Mensch steht, und je mehr Zeit wir mit ihm verbringen, umso wahrscheinlicher ist das sogar. Intime, enge Beziehungen zu führen, bedeutet nämlich in der Regel unter anderem, Kompromisse einzugehen und sich anzupassen. Dazu ist, sich zu ändern, meist unerlässlich. Aber wie schaffen wir es, dass ein Mensch sich für uns anpasst? Wo es doch schon schwer genug ist, uns selbst – für uns selbst – zu ändern. Kanadische Psycholog:innen der University of Toronto sind dieser Frage nachgegangen und haben möglicherweise eine Antwort gefunden.

Psycholog:innen vergleichen zwei Ansätze zur Veränderung

Die Wissenschaftler:innen konzentrierten sich in ihrer Untersuchung auf partnerschaftliche Beziehungen, die Ergebnisse dürften sich jedoch ebenso auf Freundschaften, platonische Lebensgemeinschaften und andere enge, soziale Verbindungen übertragen lassen. Die Forschenden verglichen zwei verbreitete Ansätze, die Menschen an den Tag legen, wenn es um Veränderungen (einer anderen Person zuliebe) geht: Unterdrückung und Neubewertung.

Unterdrückung meint in diesem Fall, dass beide Beteiligten negative Emotionen wie Ärger, Beleidigtsein, Angst oder verletzter Stolz, die den Wunsch der einen Person nach einer Anpassung des Verhaltens der anderen auslösen, ignorierten, abstritten oder verharmlosten. Neubewertung heißt hingegen, dass sie einen alternativen Blickwinkel auf die Situation einnahmen, zum Beispiel die Perspektive und Intention des jeweils anderen mit berücksichtigten, und dadurch eine Bedeutung und einen Sinn in der Veränderung sahen.

Wer hätte es nun nicht gedacht? Bei Paaren, die den Ansatz der Neubewertung wählten, gelang es der Person, die sich doch bitte anpassen mochte, sehr viel besser, sich tatsächlich zu ändern, als bei den anderen Paaren.

"Gebeten zu werden sich zu ändern, mag negative Gefühle bei Menschen auslösen, da es als Signal interpretiert werden kann, den Erwartungen des:r Partner:in nicht zu entsprechen, oder dass der:die Partner:in unzufrieden mit der Beziehung ist", erklärt die Psychologin und eine der Autorinnen der Studie Natalie Sisson, "wenn sie zudem anderer Meinung sind und nicht davon überzeugt, sich um die gewünschte Veränderung bemühen zu müssen, wird das den Konflikt und den Ärger auf die fordernde Person befeuern."

Heißt also: Sofern wir uns von einem Menschen wünschen, dass dieser sich für uns ändert, ist es strategisch unklug, unseren Wunsch vorzubringen und zu erwarten, dass die Person ihm entspricht, ohne verletzt oder beleidigt zu sein. Sinnvoller ist hingegen, dem Menschen etwas anzubieten, das ihm dabei hilft, uns zu verstehen: Was es mit uns macht, wenn er sich so verhält, wie er sich verhält. Was es uns bedeuten würde, wenn er versucht, sich zu verändern. Warum wir uns diese Veränderung überhaupt wünschen – weil wir ein ernstes Interesse daran haben, die Beziehung bis zum Ende des Regenbogens fortzuführen.  

Studienverantwortliche empfehlen zwei Regeln beim Anstoßen von Veränderung

Für ihr Fazit konnten die Studienverantwortlichen nach Auswertung der Ergebnisse zwei Regeln ableiten, die, wenn wir sie befolgen, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich ein Mensch für uns ändern möchte und dass es ihm gelingt:

  1. Unseren Wunsch möglichst konkret formulieren und seinen Hintergrund erklären. Anstatt also beispielsweise zu sagen, "du könntest wirklich mal ordentlicher werden", könnten wir die Bitte äußern, dass die Person ihr Geschirr am besten direkt nach dem Essen abwaschen oder in die Spülmaschine stellen möge. Weil uns herumstehendes Geschirr tierisch stresst. Und wir uns ärgern, wenn wir es am Ende selbst wegräumen (müssen). Wenn das Geschirr dann eines Tages nicht mehr stehen bleibt, können wir vielleicht allmählich den Kleiderschrank oder das Bad angehen. Lieber kleine, konkrete Veränderungen anregen, als auf einen Schlag das ganz große Umdenken verlangen.
  2. Die andere Person im Prozess der Veränderung unterstützen. Sobald wir sehen, dass sich der Mensch, von dem wir uns wünschen, dass er sich an unsere Bedürfnisse anpasst, bemüht, unserem Wunsch zu entsprechen und uns entgegenzukommen, ist es hilfreich, ihm gegenüber unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen oder zu äußern. Und geduldig zu sein. Denn sich zu verändern, erfordert nun einmal Zeit und Energie. Doch ein Mensch, dem etwas an uns liegt, ist in der Regel dazu bereit und in der Lage, beides aufzubringen.

Tatsächlich bietet sich die Liebe wahrscheinlich genau aus diesem Grund so dazu an, sie zu romantisieren und manchmal mit einem Disney-Film zu verwechseln. Mitunter lässt sie uns erstaunliche, wunderbare Dinge tun. Mitten in dieser unvollkommenen, stürmisch-verregneten Realität.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

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