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Psychologie 5 typisch menschliche Gründe, warum wir an unglücklichen Freundschaften festhalten

Psychologie: Zwei unglückliche Freundinnen
© stockphoto mania / Shutterstock
Unsere Zeit ist begrenzt, dennoch verbringen wir sie oft mit Menschen, die uns nicht gut tun. Warum ist das so? Diese Gründe spielen typischerweise eine Rolle.

Beziehungen, die uns nicht gut tun, beenden, um mehr Raum, Zeit und Energie in solche stecken zu können, die uns bereichern. Klingt doch eigentlich ganz einfach. Ist es aber nicht. Denn wir sind Menschen. Was ist für uns schon einfach?

Wenn wir an einer ungesunden, einseitigen Freundschaft festhalten, haben wir dafür üblicherweise gute Gründe. Sonst würden wir es nicht tun. Manchmal kennen wir diese Gründe, oft kennen wir sie nicht. Und oft wäre sie zu kennen, ein erster und notwendiger Schritt, um uns von der Beziehung zu lösen und uns von einem Menschen zu distanzieren.

Die Paar- und Familientherapeutin Sarah Epstein hat für das Psychologiemagazin Psychology today die ihrer Meinung nach häufigsten Gründe zusammengetragen, aus denen wir mit Personen befreundet bleiben, die uns Energie rauben und unserer mentalen Gesundheit schaden. Vielleicht geht der einen oder dem anderen von uns bei dem einen oder anderen ja ein Licht auf.

5 typisch menschliche Gründe, warum wir an unglücklichen Freundschaften festhalten

1. Die:der Freund:in hat uns durch eine schwere Zeit geholfen.

Wenn ein Mensch in einer Lebenskrise oder schwierigen Phase zu uns gestanden hat, stärkt das in der Regel unser Vertrauen in diese Person und festigt unsere Bindung – und meistens fühlen wir uns der:dem Freund:in zudem verpflichtet. Das ist nur natürlich, jemanden hängenzulassen, der:die für uns da war, empfinden wir als schäbig und falsch (und dann ist es das wahrscheinlich auch). Doch wenn ein Mensch einmal zu uns gehalten hat, bedeutet das nicht, dass wir für immer zu ihm halten müssen. Fühlt sich die Freundschaft nicht mehr gut und ausgeglichen für uns an, kann es an der Zeit sein, sich aus der Beziehung zurückzuziehen. Sich jemandem verpflichtet zu fühlen, ist allein keine tragende Säule für eine gesunde Freundschaft. 

2. Wir sind schon sehr lange befreundet.

Eine Freundschaft, die schon seit Jahren, vielleicht sogar seit der Kindheit besteht, aufzugeben, nur weil sie gerade einmal mehr Kraft kostet als spendet, erscheint uns falsch. Und manchmal ist es das auch, manchmal ist es nur eine Phase und unsere Beziehung berappelt sich wieder. Tut sie das aber nicht, ist Nostalgie allein kein überzeugendes Argument, um daran festzuhalten. Menschen entwickeln und verändern sich nun einmal mit den Jahren und da ist es völlig natürlich, dass Personen auseinander driften und sich auf unterschiedlichen Wellenlängen einpendeln. Eine Beziehung, und das gilt für Freundschaften wie für Partnerschaften, war nicht falsch, schlecht, verschwendete Zeit oder ist gescheitert, nur weil sie nicht für immer hält. Jede unserer Beziehungen hat ihren Sinn und Wert, selbst wenn sie uns nur einen einzigen schönen Sommer geschenkt hat. 

3. Wir haben andere gemeinsame Freund:innen.

Oft sind unsere Freund:innen auch untereinander vernetzt und befreundet. Sich dann nur von einer Person zu distanzieren, ohne die anderen Beziehungen zu beeinträchtigen, kann wahnsinnig schwer sein. Manchmal hilft es in so einem Fall, uns bewusst dafür zu entscheiden, die ungesunde Freundschaft konsequent herunter zu priorisieren und mehr in andere Beziehungen zu investieren. Denn einen Menschen komplett meiden zu wollen, der mit Leuten in Verbindung steht, die uns wichtig sind, ist unter Umständen illusorisch.

4. Es ist einfacher, die Dinge laufen zu lassen, als einen Schlussstrich zu ziehen.

Ob es Gewohnheiten sind, Beziehungen oder ein Job, es ist immer schwer, sich von etwas Vertrautem zu lösen und sich für eine Veränderung zu entscheiden. Was wir kennen, können wir einschätzen, Unbekanntes hingegen ist mit Unsicherheit und Unklarheit verbunden und das macht uns Angst. Außerdem involvieren Trennungen von Menschen in der Regel Auseinandersetzungen und Konflikte, Schmerz und Schuldgefühle, Trauer und Abschied. Lauter unschöne Aussichten, die verständlicherweise oft dazu führen, dass wir den vermeintlich einfacheren Weg wählen und die Freundschaft weiterführen, wie sie ist. Auch wenn sie uns aufzehrt und Chancen verbaut, glücklicher zu werden.

5. Wir wissen nicht, wie wir mit einer:m Freund:in Schluss machen.

Wie wir eine Partnerschaft beenden, davon haben wir üblicherweise mindestens eine vage Idee. Im Normalfall kommunizieren wir es der betreffenden Person klar und deutlich und haben dann keinen Kontakt mehr. Aber bei einer:m Freund:in? Sagen wir da auch ich kann nicht länger mit dir befreundet sein und gehen dann unseres Weges? Wirkt irgendwie sonderbar – weil wir nicht daran gewöhnt sind. Während das Ende einer romantischen Beziehung in Ratgebern, Romanen, Artikeln, Serien und Filmen thematisiert wird, setzen wir uns gesellschaftlich kaum damit auseinander, wie man sich von einer:m Freund:in trennt. Meist enden Freundschaften, wenn sie es tun, daher still und heimlich mit Ghosting. Denn die einzige Alternative scheint für viele, sie weiter zu führen.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

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