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Psychologie 6 Gewohnheiten, mit denen du unbewusst deine Beziehung sabotierst

Psychologie: Ein unglückliches Paar auf der Schaukel
© Fabrizio Misson / Shutterstock
Selbst wenn wir alles richtig machen wollen: Manchmal stehen uns unsere Gewohnheiten und Verhaltensmuster im Weg und bringen uns dazu, unsere Beziehungen zu sabotieren. Findest du dich in den folgenden Beispielen wieder?

Als Menschen können wir mit Fug und Recht von uns behaupten, dass wir Beziehungsprofis sind. Unsere sozialen Strukturen bilden die Grundlage zahlreicher Entwicklungsschritte und sind letztlich die Voraussetzung für viele unserer Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten. Doch das heißt nicht, dass es uns grundsätzlich leicht fällt, gesunde Beziehungen zu führen – egal ob es sich um Freundschaften handelt, um Partnerschaften oder um Beziehungen zu unseren Eltern, Geschwistern oder sonstigen Verwandten. Und das liegt unter anderem daran, dass uns nicht immer ganz klar ist, was wir eigentlich tun und warum. 

Durch unsere Erfahrungen und Empfindungen entwickeln wir Verhaltensmuster und Gewohnheiten, die unter veränderten Umständen unangemessen sein können, die wir aber, sind sie einmal da, nur schwer wieder loswerden. Doch unmöglich ist es nicht.

Mit der bewussten Entscheidung, etwas anders zu machen und uns neuen Erfahrungen zu öffnen (die idealerweise positiv sind und dieses andere Verhalten belohnen), können wir unsere Verhaltensmuster und Gewohnheiten ändern, wenn wir möchten und/ oder müssen. Die Voraussetzung dazu ist jedoch, sie erst einmal zu kennen und im Alltag wahrzunehmen. Aber wonach sollten wir überhaupt Ausschau halten?

Laut einer Studie mit knapp 700 Testpersonen von Raquel Peel und Nerina Caltabiano unter dem Titel Why Do we Sabotage Love? A Thematic Analysis of Lived Experiences of Relationship Breakdown and Maintenance treten folgende Selbstsabotage-Muster in romantischen Partnerschaften besonders häufig auf – und in anderen Beziehungen könnten sie ebenfalls hinderlich sein. 

6 Gewohnheiten, mit denen viele Menschen ihre Beziehungen sabotieren

1. Rückzug

Wenn eine Beziehung Gefühle in uns auslöst, die wir schwer einordnen können – zum Beispiel (Verlust-)Ängste, Eifersucht, Liebe –, kann das dazu führen, dass wir unwillkürlich den Rückzug antreten, auf Abstand gehen und eine unsichtbare Mauern zwischen uns und der anderen Person errichten (Stonewalling). Die Intention dahinter ist meist, uns selbst zu schützen und uns ein Gefühl von Kontrolle zu bewahren. Dieser Rückzug kann entweder physisch sein, das heißt, wir verbringen weniger Zeit mit der Person oder lassen weniger Nähe zu, emotional – wir unterdrücken unsere Gefühle –, oder er wirkt sich auf unser Engagement in der Beziehung aus: Wir hören auf, uns um die andere Person zu bemühen und Energie in die Beziehung zu investieren. 

2. Abwehr

Eine Abwehrhaltung entwickelt und manifestiert sich oft auf Grundlage eines instabilen Selbstwertgefühls, das aus früheren Erfahrungen von Geringschätzung, Ausgrenzung und Herabsetzung resultieren kann. Er äußert sich darin, dass wir jegliche Kritik als Angriff auffassen, uns als Opfer fühlen und sofort beleidigt sind oder uns rechtfertigen. Wie wir uns vorstellen können, hat das meist zur Folge, dass die andere Person in der Beziehung Angst und Hemmungen aufbaut, ehrlich mit uns zu sein und Probleme anzusprechen.

3. Vortäuschung

Eine Gewohnheit, die wahrscheinlich sehr viele Menschen von sich oder anderen kennen: Nicht ehrlich dazu stehen, was wir fühlen, und stattdessen uns und/ oder der anderen Person etwas vorspielen. Klassisches Beispiel: Jemand tut etwas, das uns verletzt, und wir sagen, es sei alles okay. Mögliche Gründe für dieses Verhalten sind, dass wir stark wirken möchten, Angst davor haben, unbequem zu sein, die Schuld an unseren Gefühlen immer bei uns selbst suchen und viele weitere – deshalb ist diese Sabotage-Gewohnheit auch so verbreitet. Das Problem, zu dem sie unweigerlich führt: Wenn wir anderen etwas vorspielen, wissen sie nicht, wie wir uns wirklich fühlen und können nicht angemessen darauf reagieren. Wir nehmen ihnen die Chance und die Möglichkeit, uns zu verstehen und auf uns einzugehen.

4. Selbstaufgabe

Auch nicht ganz selten entsteht diese schädigende Gewohnheit in einer Beziehung: Wir tun alles, was wir können, um die Person zu sein, von der wir glauben, dass der:die andere sie gut findet und liebt – und stellen dafür unsere eigenen Bedürfnisse sowie unser wahres Ich zurück. Dieses Verhalten hängt oft ebenfalls mit einem mangelhaften Selbstbewusstsein zusammen und mit einer übersteigerten Angst vor Ablehnung. Da wir uns selbst nicht für liebenswert halten, nehmen wir an, dass wir uns Liebe und Treue verdienen müssen, indem wir zum Beispiel anderen alles recht machen. Problem daran: Die andere Person kann uns dadurch gar nicht zeigen, dass sie uns liebt und uns mit unseren Bedürfnissen und allem Drum und Dran akzeptiert. Doch genau um diese Erfahrung geht es in intimen Beziehungen – zu erleben, dass wir nichts leisten müssen, um etwas wert zu sein. Dadurch geben sie uns Halt im Leben und helfen uns, mit Herausforderungen und Krisen klarzukommen. Es sei denn, wir verhindern es, indem wir sie sabotieren.

5. Angriff

Die Angriffshaltung ist in gewisser Weise das Gegenstück zur Abwehrhaltung und entsteht meist aus Unsicherheit und einem übersteigerten Bedürfnis nach Kontrolle. Indem wir der anderen Person in unserer Beziehung immer wieder Vorwürfe machen, sie angreifen und beschuldigen, sich falsch zu verhalten, nehmen wir die Dinge für unser Gefühl in die Hand, während wir gleichzeitig die Verantwortung von uns weisen, sodass wir nicht an uns zu zweifeln brauchen. Wahrscheinlich wird das viele Menschen eher von uns wegtreiben – was wir dann jedoch nicht mit uns in Verbindung bringen, sondern allein ihnen in die Schuhe schieben.

6. Push-and-Pull-Kompensation

Ein weiteres typisches toxisches Verhaltensmuster in Beziehungen: Wenn die andere Person uns braucht und unsere Nähe sucht, ziehen wir uns zurück, wenn sie sich distanziert, klammern wir. Warum genau ein solches Muster entsteht, ist schwer zu sagen. Sind wir mit einem eingebauten Mechanismus ausgestattet, der uns vorgibt, immer das haben zu wollen, was gerade nicht verfügbar ist? Sind es Ängste, die uns treiben? Oder ist es ein Kontrollzwang? Auf jeden Fall verhindert diese Gewohnheit, dass wir uns in einer Beziehung fallenlassen und mit der anderen Person an einem Strang ziehen und in einen Flow finden können.

Verwendete Quellen: Why Do we Sabotage Love? A Thematic Analysis of Lived Experiences of Relationship Breakdown and Maintenance (tandfonline.com), psychologytoday.com

sus Brigitte

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