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Psychologie: 6 Schritte, die wir nach einer toxischen Beziehung gehen müssen

Frau läuft einen Gehweg entlang
© cabecademarmore / Adobe Stock
Das Selbstbewusstsein ist angeschlagen, das Vertrauen in andere Menschen gemindert. Nach einer toxischen Beziehung braucht es bei den meisten etwas Zeit, um wieder zurück zu sich selbst zu finden. Eine Psychologin verrät, wie das gelingen kann und warum das Heilen so wichtig ist.

Toxische Partner:innen folgen oft bestimmten Mustern. So sorgen sie beispielsweise dafür, dass Betroffene sich selbst für Fehler in der Beziehung verantwortlich machen, stellen sich selbst als das Opfer dar und ignorieren, welche Kompromisse der:die Partner:in bereits eingegangen ist, um ihnen entgegenzukommen. Das sorgt bei betroffenen Personen meist dafür, dass sie Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl bekommen und sich außerdem fragen, ob sie selbst der:die Schuldige sind – und das für einige Monate, teilweise aber auch mehrere Jahre.

Die US-Psychologin Kaytee Gillis erklärt auf Psychology Today, dass es sechs Stufen bei jenen Betroffenen gebe, die eine toxische Beziehung hinter sich haben. Mithilfe der Phasen würden Betroffene heilen und aus dem Erfahrenen lernen, so die Therapeutin weiter. Wir haben diese für euch zusammengefasst.

1. Selbstzweifel

Diese Phase kann noch in der Beziehung oder kurz nach dessen Ende starten. Der:die Betroffene merkt, dass etwas nicht in Ordnung war oder ist, kann aber nicht richtig begreifen, weshalb. Für viele Menschen fühle sich das Ende einer toxischen Partnerschaft verwirrend an, aber gleichzeitig irgendwie befreiend, so US-Psychologin Kaytee Gillis. Doch zu Beginn würden sich viele oft fragen, ob die Trennung die richtige Entscheidung gewesen sei und ob sie die Umstände, die dazu geführt haben, nicht doch übertrieben darstellen. Eine häufig gestellte Frage sei: "War es mein Fehler?"

2. Studieren und recherchieren

Menschen seien oft auf der Suche nach Verständnis, damit sie mit einer Sache besser abschließen können, so Kaytee Gillis. In der nächsten Phase würden Personen deshalb damit anfangen, sich alles über das Verhalten ihres:ihrer Ex-Partner:in anzulesen. Das helfe ihnen, mehr über ihre Erfahrungen zu verstehen. Definitionen wie "narzisstischer" oder "psychologischer Missbrauch" oder "Persönlichkeitsstörung" seien da nicht selten – und sich über die Themen einzulesen, bringe den Betroffenen Klarheit, Verständnis und habe meist eine beruhigende Wirkung. Das Anlesen könne teilweise auch recht obsessiv ausfallen, so die Psychologin. Denn es sei eine Art, um über die Information zu heilen.

3. Klarheit

Wenn das Anlesen abnimmt, setzt langsam das Verständnis über die eigenen Erfahrungen ein. Unabhängig davon, ob das Erlebte noch mit Leid, Trauer oder Ärger behaftet ist. Die Erkenntnis sei befreiend und beruhigend, aber auch: bestärkend, so die US-Psychologin. Denn was vorher verwirrend und ohne Sinn erschien, hat nun plötzlich einen roten Faden. In dieser Phase bemerken Betroffene, dass sie in der Beziehung machtlos waren, das Geschehene nicht hätten verhindern oder ändern können und es nicht ihr Fehler gewesen ist.

4. Ausbrechen

Es wird eine Distanz von dem:der Ex-Partner:in geschaffen. Sowohl physisch als auch emotional. Für manche kommt dieser Schritt am Anfang, bevor sie merken, mit wem sie es eigentlich zu tun hatten, teilweise deshalb, weil die Person sich ihnen quasi entledigt hat. Für andere kommt er mit der Realisation, dass sie gehen müssen, um (mental oder körperlich) sicher und gesund zu bleiben. Kaytee Gillis rät zur N-E-B-Technik bei der Kommunikation auf folgende Punkte beschränkt wird: deren Notwendigkeit, eine emotionslose Gesprächsführung und möglichst kurze Interaktionen mit dem:der Ex-Partner:in ("Necessary, Emotionless and Brief").

5. Sich selbst heilen.

Nun entwickeln sich die Betroffenen weiter, verstehen sich besser und merken langsam, dass das der Weg ist, um richtig zu heilen. Sie denken wieder an sich: Der Kontakt zu Familienmitgliedern und Freund:innen, mit denen der:die Partner:in nicht wollte, dass man ihn hat, wird wieder aufgenommen. Die Dinge, die durch die Beziehung zerbrochen sind, langsam wieder zusammengefügt. In dieser Phase sei es besonders wichtig, dass Betroffene sich eingestehen, dass sie menschlich sind und in einer Beziehung nicht perfekt, so Kaytee Gillis. Jeder Mensch mache Fehler, aber er:sie müsse sich nicht verantwortlich für die Dinge machen, die passiert sind.

6. Akzeptanz und Sinn finden

Ein essenzieller Teil des Selbstheilungsprozesses sei es, den Erfahrungen einen Sinn zu geben, so Gillis. Das helfe Menschen dabei in der Zukunft nicht den gleichen Fehler zu begehen. Denn das sei gar nicht so selten. Es gebe Menschen, die immer wieder in das gleiche Muster verfallen und dem Missbrauch beispielsweise durch narzisstische Persönlichkeiten erneut ausgesetzt seien, so die Psychologin weiter. Das Problem sei es dann, dass Betroffene sich nicht genügend Zeit genommen hätten, um zu heilen, die Warnhinweise zu erkennen und sich mit den Menschen zu umgeben, die keine toxischen Verhaltensweisen an den Tag legen.

Verwendete Quelle: Psychology Today

lkl Brigitte

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