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Psychologie Diese eine Sache kann Beziehungen retten

junges Paar umarmt sich
© daviles / Adobe Stock
In zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es etwas, das so tiefgreifend und wichtig ist, dass es hoffnungslose und schwierige Situationen verändern kann. Was genau das ist, erfährst du hier.

Hingebungsvolle und aufrichtige Beziehungen zu führen, klingt manchmal leichter, als es ist. Oft haben wir romantische Vorstellungen von der Liebe. Wenn es einmal Klick gemacht hat, dann geht alles von allein. Und ja – vielleicht mag das in der Anfangsverliebtheit so sein. Doch wenn ein paar Monate ins Land gezogen sind, wendet sich das Blatt. Daher sollten wir schon am Anfang jeder Beziehung wissen: Partnerschaften sind Arbeit. Arbeit miteinander, aber auch Arbeit an uns selbst. Das bedeutet nicht, dass wir uns optimieren müssen, damit wir in eine bestimmte Rolle passen. Wir müssen jedoch unsere Wesenszüge erkennen, die durch unsere Kindheit geprägt sind, und durch die wir uns – ohne es zu bemerken – manchmal selbst im Weg stehen.

Egal wo und wie wir aufgewachsen sind, eine Sache haben wir fast alle gemeinsam: Es fällt uns schwer, uns verletzlich zu zeigen. Vielleicht, weil unsere Eltern uns beibrachten, dass wir nicht weinen sollen, wenn wir gefallen sind. Vielleicht, weil wir nicht gelernt haben, wie wir mit Gefühlen umgehen oder weil wir dafür verurteilt wurden, zu emotional zu sein. Dabei ist das Zeigen von Verletzlichkeit enorm wichtig, um gesunde Beziehungen zu führen oder gar Partnerschaften zu retten.

Wenn man verletzlich ist, bekommt man eine andere Perspektive

Einer anderen Person mit einer Mischung aus unverblümter Ehrlichkeit, radikaler Authentizität und Mitgefühl gegenüberzutreten, ist eine der größten Mutproben, die wir als Menschen vollbringen können. Gleichzeitig ist dieses Verhalten das Fundament starker, liebevoller und vor allem gesunder Beziehungen. Denn auch wenn die meisten sie für eine Schwäche halten, so ist Verletzlichkeit – und die Fähigkeit, sie zu zeigen – in Wahrheit die größte Stärke.

Oft wählen wir in Auseinandersetzungen zwischen Streit und Flucht. Dabei sind die Dinge, über die wir streiten, nur vorgeschobene Probleme, die mit unserem Schmerz eigentlich gar nicht viel zu tun haben. Sie sind quasi ein Schutzschild, das unsere wahren Ängste und Gefühle bedecken soll. Wenn zwei Menschen sich ständig verkriechen und ihre Positionen festigen, ist ein Kampf die einzig mögliche Folge. Lockern wir und unser Gegenüber hingegen unsere Deckung und weichen unsere gewählte Haltung auf, so ändert sich alles. Mit anderen Worten: Wir müssen aussprechen, was wir wirklich fühlen, anstatt unserem:r Partner:in Vorwürfe zu machen. 

So beginnen wir, einen Streit aus einer neuen Perspektive zu verstehen. Wir werden für die Auslöser sensibilisiert und können das Problem, das dem Streit zugrunde liegt, neu verstehen. Wir entwickeln Mitgefühl, Verbundenheit und Verständnis und sind bereit, uns ebenso verletzlich zu zeigen, wie unser Gegenüber, anstatt einander Vorwürfe zu machen, die die Situation bloß verschlimmern.  

Zur Lösung gehören zwei Personen

Das alles funktioniert selbstverständlich nur, wenn alle beteiligten Personen mitziehen. Es nützt wenig, sich als einzige Person verwundbar zu zeigen. Zwar ermutigt unsere eigene Verletzlichkeit unser Gegenüber häufig dazu, es uns gleichzutun – doch das lässt sich nicht pauschalisieren. Manche Menschen verfügen nicht über diese emotionale Intelligenz, weil sie sich selbst vielleicht noch nicht nahegekommen sind. Das ist völlig legitim. Unsere Aufgabe ist lediglich, dies zu bemerken und zu akzeptieren, dass es an dieser Stelle nicht weitergeht. Dass wir niemanden retten oder belehren können. Dass die Bereitschaft, uns zu öffnen aus uns selbst kommen muss. Wir können niemanden dazu zwingen. 

Wenn es uns aber gelingt, uns mit einer emotional erreichbaren Person einen sicheren Raum für beide Parteien zu schaffen, in welchem wir uns mit unserer vollkommenen Verwundbarkeit zeigen dürfen, dann können wir Beziehungsprobleme lösen, anstatt sie wieder aufzuwärmen.

Verwendete Quellen: The School of Life, Youtube; yourtango.com

joe Brigitte

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