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Psychologie Laut Expert:innen gibt es drei Bindungsstile – welchen hast du?

Psychologie: Ein Paar sitzt auf einer Bank und hält Händchen
© Smirnov_Productions / Shutterstock
Psycholog:innen unterscheiden in der Regel drei Bindungsstile, die meist nicht nur für unsere Partnerschaften von Bedeutung sind, sondern auch für unser gesamtes Fühlen und Verhalten. Mit welchem identifizierst du dich am ehesten?

Den meisten wird das sicherlich schon mal aufgefallen sein: Menschen verhalten sich zum Teil höchst unterschiedlich in Beziehungen – seien es Freundschaften, Partnerschaften, verwandtschaftliche oder kollegiale Verhältnisse. Wir alle haben verschiedene Erwartungen und Ansprüche an eine Beziehung, fühlen uns zum Teil in ganz anderen Rollen wohl als unsere Mitmenschen, setzen unterschiedliche Prioritäten und bewerten und empfinden anders. Natürlich kann das zu Konflikten führen, aber in erster Linie ist das gut so: Unsere Individualität und die daraus resultierende Vielfalt im Zusammenleben ist eine unserer ganz großen Stärken, der wir weitaus mehr zu verdanken haben, als sie uns Mühe macht. Und unser Beziehungsverhalten ist nun mal Teil dieser Individualität.

Was unseren Bindungsstil prägt und was er für unser Leben bedeutet

Ein Aspekt unseres Beziehungsverhaltens ist unser Bindungsstil ("Attachment Style"), der nach Ansicht von Psycholog:innen in hohem Maße davon abhängt, wie unsere frühesten sozialen Erfahrungen aussahen und uns geprägt haben: Das Verhältnis zu unseren Eltern oder Geschwistern zum Beispiel. Sicherlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle (Gene, Geburtsjahr/ geschichtlicher Kontext, in den wir hineingeboren wurden, Charakter, Sternzeichen, Aszendent, Wetterlage ...), doch unsere frühkindlichen Erfahrungen sind nach einhelliger Expertenmeinung für unseren Bindungsstil prägend.

Wie die Wissenschaftlerin Paula Durlofsky in "Psychology Today" schreibt, wirkt sich unser Bindungsstil nicht nur auf unsere Beziehungen aus, er ist so ein integraler Bestandteil unserer Persönlichkeit, dass er auch in anderen Lebensbereichen eine Rolle spielt, etwa in unserem Umgang mit sozialen Medien (bei denen es zugegebenermaßen ebenfalls um Beziehungen geht, aber wo geht es das nicht?). Was sie dabei aber betont: "Bindungsstile lassen sich verändern." Als Menschen entwickeln wir uns ein Leben lang weiter und können selbst festgefahrene Muster und Verhaltensweisen durchbrechen, wenn wir wollen. Dafür müssen wir sie allerdings erst einmal an uns wahrnehmen, sie verstehen und in unserem Handeln erkennen – was in der Regel besser klappt, wenn wir Begriffe dafür haben. 

Die drei Bindungsstile

Folgende drei wesentliche Bindungsstile unterscheiden Psycholog:innen gemeinhin.

Sicherer Bindungstyp

Menschen mit diesem Bindungsstil haben typischerweise ein stabiles Selbstwertgefühl, strahlen Selbstbewusstsein aus und pflegen einen gesunden Umgang mit den eigenen Emotionen und Bedürfnissen. Meist sind sie in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen, in dem ihnen ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt wurde. Personen mit einem sicheren Bindungsstil haben in der Regel kein Problem damit, anderen Menschen Freiraum zu lassen, ihnen zu vertrauen, zu verzeihen oder sich zu öffnen. Üblicherweise pflegen sie gesunde und ausgewogene Beziehungen, die ihnen im Leben Stabilität, Sinn und Freude geben.

Ängstlicher Bindungstyp

Ein ängstlicher Bindungsstil geht meist mit einem instabilen Selbstwertgefühl und Unsicherheit einher. Betroffene fürchten sich vor Ablehnung, legen viel Wert auf Anerkennung und Bestätigung und haben große Angst davor, sich anderen zu offenbaren – weil es sie zutiefst verletzen würde, nicht angenommen zu werden. Dahinter stecken typischerweise frühkindliche Erfahrungen wie ein Mangel an Struktur und Fürsorge oder ein sehr intransparenter und unberechenbarer Erziehungsstil. In sozialen Beziehungen neigen ängstliche Bindungstypen zum Klammern. Statt zu ihren Bedürfnissen zu stehen, versuchen sie stets, es anderen recht zu machen und sie zufrieden zu stellen, was meistens zu einem Ungleichgewicht und eher konfliktreichen und belasteten Verhältnissen führt, die mehr Kraft kosten, als sie geben.

Vermeidender Bindungstyp

Mit einem vermeidenden Bindungsstil sind oftmals Persönlichkeitsmerkmale wie Pessimismus und eine eher resignierte, schicksalsergebene Einstellung zum Leben verknüpft. Meist liegen ihm frühkindliche Erfahrungen wie häufiges Alleinsein zugrunde, Eltern, die wenig präsent und emotional nicht verfügbar waren. Typisch für vermeidendes Bindungsverhalten sind Distanziertheit und Misstrauen auch in engsten Beziehungen wie einer Partnerschaft. Betroffene weichen Intimität und Nähe aus und legen größeren Wert darauf, sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren, als sich auf das Miteinander einzulassen. Dadurch ist es ihnen nahezu unmöglich, eine Beziehung wirklich zu genießen und als Bereicherung zu empfinden. 

Natürlich können wir an dem, was wir als Kind erlebt haben, als Erwachsene nichts mehr ändern und müssen akzeptieren, was uns wie geprägt hat. Doch wie gesagt: Um aus unseren erlernten Mustern auszubrechen, ist es niemals zu spät. Und dabei helfen können neben Achtsamkeit und Motivation übrigens andere Menschen und unsere Beziehungen zu ihnen – besonders wenn es um den Bindungsstil geht. 

Verwendete Quelle: Psychologytoday.com

sus

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