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Psychologie Grenzen, Großzügigkeit und Co.: Das sind laut Expertin die 7 Elemente des Vertrauens

Psychologie: Ein Paar auf einem Fahrrad
© simona pilolla 2 / Shutterstock
Einem anderen Menschen voll und ganz vertrauen zu können, ist etwas Wunderschönes – aber für viele wahnsinnig schwer. Emotionsforscherin Brené Brown unterscheidet sieben Ebenen des Vertrauens. Sie zu kennen, kann vielleicht einigen dabei helfen, Vertrauensängste zu überwinden.

Einen Menschen zu finden, dem wir bedingungslos vertrauen können, ist ein großes Geschenk. Denn sobald wir jemandem vertrauen, verlieren wir zum Beispiel unsere Bedenken, etwas falsch zu machen. Wir müssen nicht grübeln oder nachdenken, wie wir uns zu verhalten haben, sondern können wir selbst sein, sowohl an guten wie auch an schlechten Tagen. Einem anderen Menschen zu vertrauen, bedeutet, nie wieder einsam zu sein.

Allerdings ist es für viele Menschen nicht einfach, diese Person zu finden und ihr Vertrauen zu verschenken. Einige hindert ihre Angst, verletzt oder enttäuscht zu werden, andere ihre Vergangenheit und wieder andere ihre Ansprüche. Doch worauf kommt es bei Vertrauen eigentlich genau an? Was muss ein Mensch mitbringen, damit wir ihm vertrauen können? Und was müssen wir tun, damit jemand uns vertrauen kann? Die Emotionsforscherin und Autorin Brené Brown hat in ihrem Podcast über die sieben wichtigsten Aspekte von Vertrauen gesprochen, die sich mit der Abkürzung "BRAVING", einem Akronym aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe, überschreiben lassen. Bringt deine engste Vertrauensbeziehung all diese Aspekte mit? Oder besteht an der einen oder anderen Stelle noch Entwicklungspotenzial?

Die 7 Dimensionen des Vertrauens – nach Brené Brown

1. Grenzen (Boundaries)

Ein wichtiger Aspekt vollen Vertrauens sind laut Brené Brown klare Genzen. Damit ist einerseits gemeint, dass wir uns sicher genug fühlen, der anderen Person unsere eigenen Grenzen aufzuzeigen, also beispielsweise Nein zu sagen oder deutlich zu machen, wenn wir wütend oder verletzt sind. Andererseits bedeutet es, dass wir uns darauf verlassen können, dass die andere Person ihre Grenzen uns gegenüber vertritt und klar kommuniziert.

2. Zuverlässigkeit (Reliability)

Eine stabile, vollumfängliche Vertrauensbasis ist laut der Expertin nur dann zwischen zwei Menschen möglich, wenn sich beide in der Beziehung zuverlässig verhalten. Zuverlässigkeit bedeutet für Brené Brown vorrangig, zum eigenen Wort zu stehen und im Einklang mit den persönlichen Werten und Charakterzügen zu agieren. In vielen Beziehungen funktioniert Zuverlässigkeit wechselseitig: Wenn sich eine Person verlässlich und gewissenhaft verhält, zieht die andere meist nach und wenn der eine Part unzuverlässig ist, nimmt es der Zweite in der Regel auch bald nicht mehr so genau. Von daher gehört zu echtem Vertrauen sowohl, dass wir selbst zuverlässig sind, als auch, dass der Mensch es ist, dem wir vertrauen (wollen).

3. Verantwortlichkeit (Accountability)

Mit Verantwortlichkeit meint Brené Brown, dass ein Mensch die Verantwortung für sein Verhalten und seine Entscheidungen übernimmt. Dass er zum Beispiel Fehler eingesteht, sich entschuldigt, statt sich zu rechtfertigen, und mit den Konsequenzen seines Tuns umgeht. Einer Person, die sich der Verantwortung entzieht, wenn ihr danach ist, können wir in der Regel kaum vertrauen (ohne enttäuscht zu werden). Andersherum fällt es uns oft selbst leichter, Verantwortung zu übernehmen, wenn wir einem Menschen bereits vertrauen. Wenn wir wissen, dass er uns verzeiht und sich bemüht, uns zu verstehen. Insofern kann gerade der Aspekt der Verantwortlichkeit im Rahmen der Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses wachsen und sich mit der Zeit stärker ausprägen.

4. Verschwiegenheit (Vault)

Ein weiterer wichtiger Baustein von Vertrauen ist laut Brené Brown beidseitige Verschwiegenheit. Wir wollen uns sicher sein können, dass die andere Person unsere Geheimnisse für sich behält, dass sie bei ihr so gut aufgehoben sind wie in einem Safe. Die gleiche Sicherheit möchte die Person von uns bekommen. Auch diese Dimension des Vertrauens funktioniert also nur wechselseitig.

5. Integrität (Integrity)

Unter Integrität versteht Brené Brown, moralisch und mit ethischen Prinzipien zu handeln. Nicht das tun, was leicht und bequem ist, sondern was wir als richtig empfinden und vertreten können. Nicht dem Spaß folgen, sondern dem Gewissen. Nicht bloß predigen, sondern handeln. Nur wenn wir Integrität in einem Menschen erkennen, können wir ihm unser volles Vertrauen schenken – und damit rechnen, das seine zu bekommen. 

6. Unvoreingenommenheit (Nonjudgement)

Unvoreingenommenheit bedeutet für Brené Brown, möglichst urteilsfrei, offen und wertschätzend mit einem Menschen umzugehen. Insbesondere wenn es um die Gefühle und Bedürfnisse dieses Menschen geht, über die wir ohnehin nicht in der Lage sind zu urteilen. In der Regel können wir uns einer Person nur öffnen und anvertrauen, wenn sie uns unvoreingenommen begegnet. Außerdem können wir einen Menschen nur wirklich kennenlernen, indem wir ihm unvoreingenommen begegnen. Insofern spielt Unvoreingenommenheit in gewisser Weise eine Doppelrolle bei dem Aufbau von vollständigem Vertrauen. 

7. Großzügigkeit (Generosity)

Unter Großzügigkeit versteht die Emotionsforscherin in erster Linie Nachsicht und Verständnis. Mit einem Menschen, dem wir wirklich vertrauen, können wir nachsichtig sein, weil wir wissen, dass er uns nicht wehtun möchte. Dass er es wieder gut macht, wenn er uns enttäuscht, und dass er eben auch nur ein Mensch ist. Andersherum können wir uns in einer Beziehung nur fallen lassen und entfalten, wenn wir Nachsicht und Großzügigkeit von einem Menschen erfahren. 

Verwendete Quellen: mindbodygreen.com, brenebrown.com

sus Brigitte

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