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Psychologie Bist du die Schwachstelle in der Beziehung? So findest du es heraus

Psychologie: Ein trauriges Pärchen
© Teresa Yeh Photography / Shutterstock
Wenn es in einer Beziehung kriselt, sind beide Beteiligten gleichermaßen dafür verantwortlich? Nicht unbedingt, wie eine neuseeländische Studie nahelegt. Woran du erkennst, wer in deiner Beziehung die Schwachstelle ist, erfährst du hier.

Natürlich kann eine Beziehung nur funktionieren und langfristig bestehen, wenn alle Beteiligten dazu beitragen und wenn z. B. grundsätzlich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Geben und Nehmen herrscht. Ist es immer dieselbe Person, die für die Beziehung kämpft, ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt und auf die:den andere:n zugeht, entsteht ein Ungleichgewicht, das auf lange Sicht in der Regel niemanden glücklich macht. Und verantwortlich dafür sind dann beide Parts – sowohl der zu viel Gebende als auch der zu wenig Gebende.

Geht es allerdings um Emotionen und den Ausdruck von Gefühlen, sieht es ein kleines bisschen anders aus, wie eine neuseeländische Forschungsgruppe nun meint herausgefunden zu haben. Wenn eine Person Schwierigkeiten damit hat, ihre Empfindungen offen zu zeigen und zu kommunizieren, scheint das der Beziehung zu schaden, selbst wenn die andere der emotional intelligenteste Mensch der Welt ist.

"Expressive Suppression" und Beziehungszufriedenheit

Die Forscher:innen der wundervollen University of Auckland haben unter der Leitung von Eri Sasaki untersucht, wie sich der Faktor "Expressive Suppression" (ES), also die Zurückhaltung von Gefühlsausdrücken, auf Beziehungen auswirkt. Dazu haben sie Daten aus Befragungen von knapp 430 Paaren ausgewertet, die einerseits die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit ihrer Partnerschaft evaluierten, andererseits Aufschluss über den Grad der ES der einzelnen Testpersonen gaben. Dieser wiederum war ermittelt worden, indem die Befragten den folgenden vier Aussagen in Bezug auf sich selbst entweder voll zustimmen (7) oder überhaupt nicht zustimmen (1) sollten – oder eben etwas dazwischen.

  1. "Ich kontrolliere meine Gefühle, indem ich sie nicht nach außen lasse."
  2. "Wenn ich negative Emotionen empfinde, stelle ich sicher, dass ich sie nicht zeige."
  3. "Ich behalte meine Gefühle für mich."
  4. "Wenn ich etwas Positives fühle, bin ich vorsichtig damit, es zu zeigen."

Ein hoher Wert auf der ES-Skala bedeutet also, dass eine Person ihre Gefühle möglichst wenig nach außen zeigt, ein niedriger das Gegenteil.

Wie sich nun bei der Auswertung der Daten zeigte, korrelierte ein niedriger ES-Wert bei beiden Partner:innen mit der höchsten Beziehungszufriedenheit. Das bestätigt die Annahme, dass es gut für eine Partnerschaft ist, wenn wir offen mit unseren Gefühlen umgehen und sie klar und deutlich kommunizieren können.

Die geringste Beziehungszufriedenheit wiesen bei dieser Datenerhebung Paare auf, in denen ein Part einen hohen ES-Wert erzielte und der andere einen niedrigen. Darin sehen die Experti:nnen einen Beleg dafür, dass es einer Beziehung insgesamt schaden kann, wenn nur einer der darin involvierten Menschen eine emotionale Blockade hat – bzw. der "weak link", die Schwachstelle, in dieser Partnerschaft ist. 

Warum ist "Expressive Suppression" so schädlich für eine Beziehung?

Als mögliche Erklärung dafür, warum sich schon eine einseitige Zurückhaltung von Gefühlen in einer Beziehung so negativ auf die Zufriedenheit beider Beteiligten auswirken kann, führt Eri Sarasaki einerseits an, dass es mental anstrengend für uns ist, unsere Emotionen zu verstecken. Es bedeutet für uns, eine Rolle zu spielen, und das kostet kognitive Energie, die uns dann fehlt, um uns in der Beziehung zu engagieren und z. B. effizient Lösungen zu finden, wenn es Probleme gibt. Außerdem kann unser:e Partner:in oder Freund:in uns schwerer lesen und verstehen, wenn wir unsere Emotionen für uns behalten. Und es kommt leichter zu Unstimmigkeiten und Konflikten. 

Fazit

In erster Linie verdeutlichen die Ergebnisse dieser neuseeländischen Untersuchung, wie wichtig es ist, in einer engen, persönlichen Beziehung – egal ob Partnerschaft oder Freundschaft – einen offenen und authentischen Umgang mit Gefühlen zu pflegen. Wenn nur eine Person damit große Schwierigkeiten hat, kann sie aus rein datenbasierter Sicht als die Schwachstelle einer Beziehung angesehen werden. Allerdings lässt sich die Verantwortung trotzdem nicht allein auf eine Seite abwälzen. Schließlich kann das Verhalten von Person A mit einem niedrigen ES-Wert eine Rolle dabei spielen, dass Person B einen hohen ES-Wert hat, d. h. ihre Emotionen für sich behält. Vielleicht vermittelt Person A ihr nicht die Geborgenheit, den Respekt oder die Vertrauenswürdigkeit, die Person B braucht, um sich zu öffnen.

So oder so: Sollten wir den Eindruck haben, möglicherweise der "weak link" in einer Beziehung zu sein, die uns etwas bedeutet, ist es auf jeden Fall sinnvoll, zu hinterfragen, warum es uns schwerfällt, unsere Gefühle mit einem Menschen zu teilen, der uns eigentlich nahe steht. Und diesen Menschen dabei aktiv mit einzubeziehen und sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach Antworten zu begeben, kann unter Umständen schon der erste Schritt sein, an dem Problem zu arbeiten. Denn selbst wenn die Schwachstelle einer Beziehung mehr bei einer Seite verortet werden kann als bei der anderen – sie zu stärken, gelingt am besten im Team.

Verwendete Quelle: Psychologytoday.com

sus Brigitte

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