Respekt in der Beziehung: So kannst du ihn laut Paartherapeut wiederherstellen

Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle.

Respekt verschaffen wir uns. Aber wenn wir damit scheitern, dann geht es um mehr als Respekt.

Kerstin geht der Respekt verloren. Wenn Joachim auf dem Sofa rumlümmelt, dann liegt für sie dort kein Mann mehr, der sich von der Arbeit erholt, sondern ein verwöhnter Bubi, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt. Mittlerweile könnte sie schon schreien, wenn sie im Flur über seine ausgelatschten Sneaker stolpert. Kerstin möchte Joachim nicht so verachten. Aber wenn sie überlegt, wieso sie es trotzdem tut, dann merkt sie: Sie fühlt sich auch selbst von ihm nicht respektiert. Seine Unzuverlässigkeit. Die Versprechungen, die er nicht einhält. Ihre Wünsche nach mehr gemeinsamer Zeit, die er nur mit noch mehr Arbeit und Tennisturnieren beantwortet.

Nähe statt Distanz 

In (Liebes-)Beziehungen ist Respekt eine Wechselwirkung. Das Gefühl, nicht respektiert zu werden, killt auf Dauer den eigenen Respekt für den Partner. Respekt bedeutet "Ehrerbietung, Achtung, Ehrfurcht, Scheu, Bewunderung". Also eine rücksichtsvolle, wertschätzende Haltung, der eine "respektvolle" Distanz zugrunde liegt. Doch genau die geht in einer Liebesbeziehung leicht verloren, denn schließlich wollen wir ja Nähe und keine Distanz. Und so geraten wir manchmal ganz banal in eine Dynamik der Respektlosigkeit: Er möchte unser Handy benutzen, weil seines nicht aufgeladen ist. Selbstverständlich, gerne! Doch dann fragt er wieder. Und wieder. Irgendwann greift er ganz selbstverständlich zu unserem Smartphone. Und irgendwann nervt es uns. Nicht nur, weil er offenbar zu blöd ist, sein Handy rechtzeitig aufladen. Sondern weil er so selbstverständlich über uns verfügt. Und ignoriert er nicht auch immer wieder unsere Bitte, seine verschwitzten Jogging-Klamotten nicht im Wohnzimmer auslüften zu lassen? Irgendwie fühlen wir uns nicht mehr gesehen, nicht mehr ernst genommen, nicht beachtet. Nicht mehr respektiert. 

Oskar Holzberg, 66, berät seit mehr als 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und bekommt immer wieder Beziehungsfragen gestellt. Sein aktuelles Buch heißt: "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (242 S., 20 Euro, Dumont).

Wenn es so weit ist, dann ist es Zeit, dass wir uns wieder "Respekt verschaffen". Das gelingt aber nicht, indem ich wütend fordere, sondern indem ich zeige, wie sehr mich die erlebte Respektlosigkeit trifft – und der Partner dies wirklich an sich heranlässt. Wenn wir uns dagegen im Streit weiter verletzen und beleidigen, droht der gegenseitige Respekt immer weiter verloren zu gehen. Genauso wie durch die großen Respektkiller Lügen, Affären oder gebrochene Versprechen, wo nicht nur die alltäglichen Grenzen des Miteinanders verletzt werden, sondern die der Beziehung.

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Mitgefühl und Empathie 

Oft nehmen wir nicht ernst, dass wir uns nicht respektiert fühlen. Wir glauben, wir seien zu empfindlich, oder wären selbst daran schuld, so behandelt zu werden. Doch Respekt beruht auf Mitgefühl und Empathie. Wann immer wir uns nicht respektiert fühlen, dann fehlt uns, dass sich unser Partner in uns einfühlt. Wir können nicht erwarten, immer respektiert zu werden. Aber wir sollten uns wieder respektiert fühlen können, weil unser Schmerz über die erlittene Respektlosigkeit verstanden wird. Und wenn das nicht geschieht oder unser Partner sein Verhalten nicht ändert – dann ist mehr als nur der Respekt in unserer Liebesbeziehung verloren gegangen.

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BRIGITTE 26/2019

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