Simplify your love: "Liebe passiert nicht einfach"

Wie finde ich den Richtigen? Und wie werde ich glücklich mit ihm? Antworten auf diese Fragen gibt der neue Ratgeber "simplify your love" - ein Interview mit Co-Autorin Marion Küstenmacher.

Marion Küstenmacher mit Ehemann und Co-Autor Werner Tiki Küstenmacher

Brigitte.de: Der Titel Ihres Buchs lautet "simplify your love". Liebe vereinfachen - was meinen Sie denn damit?

Marion Küstenmacher: Damit ist gemeint, dass ich mich auf einen Partner konzentriere, mit dem ich gemeinsam das Lieben lernen möchte. Ich lasse andere Möglichkeiten los, schaue mich nicht mehr um, ob es vielleicht noch was Besseres gibt für mich. Wenn sich beide Partner darauf einigen, kann man in einen tollen gemeinsamen Wachstumsprozess kommen.

Brigitte.de: Woran erkenne ich, dass es sich ausgerechnet mit diesem Partner lohnt?

Marion Küstenmacher: Voraussetzung dafür ist, dass Sie innerlich ein klares Bild entwickelt haben, wonach Sie suchen. Liebe passiert nicht einfach, wie sich das viele vorstellen. Oder wenn etwas passiert, ist es leider oft unpassend. Singles raten wir, sich klar zu machen, wonach sie beim anderen suchen, was sie inspiriert. Das kann auch erstmal im Kollegenkreis oder bei Verwandten sein. Mir gefällt im Übrigen etwas an Ihrer Fragestellung nicht: "Sich lohnen", das klingt so nach Konsumhaltung. Die aber ist ein Killer in jeder Partnerschaft - wenn einer denkt "ich kriege was, du musst liefern!", kann die Beziehung nicht funktionieren.

Brigitte.de: Sie fordern Paare auf, wichtige Fragen zu klären, zum Beispiel die Heirats- und die Kinderfrage. Wann ist der Zeitpunkt dafür gekommen?

Marion Küstenmacher: In der Regel dann, wenn es einer der Partner will. Das Paar muss im Laufe der Beziehung die grundsätzliche Frage 'Wie weit wollen wir zusammen wachsen?' beantworten. Bleibt diese Frage offen, gerät die Beziehung in einen Stau. Im Buch machen wir zur Klärung konkrete Vorschläge, zum Beispiel, sich eine Frist für die Baby-Frage zu setzen, wenn einer der Partner sich noch nicht entscheiden kann.

Brigitte.de: Miteinander reden ist ja in vielen Liebesbereichen der Schlüssel zum Erfolg - zum Beispiel beim Sex. Was ist dabei am wichtigsten?

Marion Küstenmacher: Dass man Sex nicht als Turnfestival versteht. Wir haben eine Menge Erwartungslisten im Kopf, sind mit Bildern überfüllt. Wenn wir einen Partner haben, müssen wir lernen, diesen einen Menschen in seiner Einzigartigkeit zu entdecken, auch in erotischer Hinsicht. Wir haben während unserer Recherchen zu dem Buch erfahren, wie Menschen sich plagen, wie äußerlich sie Sexualität wahrnehmen - zum Beispiel, wenn sie in Internet-Foren fragen, wie oft sie Sex haben müssen, damit die Beziehung im grünen Bereich liegt. Das Thema ist für viele Paare schwierig, obwohl es kein Tabuthema mehr ist. Wirklich entscheidend sind weniger die Techniken als die innere Resonanz, die man beim Sex von seinem Partner empfängt. Ist er ganz gegenwärtig bei mir, dann ist der Sex schön.

Brigitte.de: In Ihrem Buch heißt es, Krisen seien eine notwendige Station in der Liebe. Sie nennen diese Krisen den "Finsterwald". Kann man dem Finsterwald wirklich nicht ausweichen?

Marion Küstenmacher: Nehmen Sie Ihre Kindheit. Beim Laufen lernen ist es notwendig, dass Sie hinfallen: Es bringt Sie weiter. Im Finsterwald, also in Krisensituationen, werden wir ein zweites Mal erwachsen, wir können als Mensch reifen. Es knackt im Gebälk unserer Persönlichkeit, wir reiben uns an unserem Partner. Wichtig ist in solchen Situationen, sich zu fragen, was dahinter steckt. Viele Partnerschaftskrisen entstehen, weil sie nicht als Identitätskrisen erkannt werden. Wenn man merkt "Ich habe etwas in mir, das ich ändern will", sollte man nicht den Partner beschuldigen, sondern ihn um Hilfe bitten. Krisen sind nötig, weil wir uns verändern, und sie müssen - auch wenn sie ernsthaft sind - nicht das Ende einer Beziehung sein.

Brigitte.de: Den Seitensprung nennen Sie eine tödliche Bedrohung für die Beziehung. Warum?

Marion Küstenmacher: Wir neigten, bevor wir mit den Recherchen zu dem Buch begannen, eher zu einem "laissez faire"-Ansatz ("das kann eben passieren"), weil wir niemanden verurteilen wollten. Aber die Forschung zu dem Thema hat uns sehr ernst werden lassen. Die Langzeitanalysen von Deutschlands führendem Experten zum Thema, Ragnar Beer, haben gezeigt, dass Seitensprünge eine enorm schwere Verletzung der Vertrauensebene darstellen. Es kostet unheimlich viel Kraft, aus so einer Situation wieder herauszukommen. Ragnar Beer stellte am Ende seiner Studien fest: Hätten die Betrüger vorher gewusst, welches Leid sie in die Partnerschaft tragen, hätten die meisten darauf verzichtet und ihre Energie lieber vorher in die Beziehung gesteckt. Das ist ein Stück Aufklärung in Sachen Paarbewusstsein, das wir unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten konnten.

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Interview: Wiebke Peters