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Sohn bei Partnersuche unterstützen - ist das gut?

Sohn bei Partnersuche unterstützen: Mutter und Sohn
© Martin Novak / Shutterstock
BRIGITTE WIR-Autorin Stephanie Hild will nicht mehr warten, bis ihr erwachsener Sohn endlich eine Frau findet. Sie kümmert sich da jetzt selbst drum.

"Drei Tische weiter, guck bitte diskret", zische ich meinem Mann ins Ohr. Wir sitzen in unserem voll besetzten Lieblingsrestaurant. "Rechts oder links? Und ich gucke, wie ich will, das ist ja lächerlich", zischt mein Mann zurück, "da sitzt eine Rentnerrunde, wen meinst du?" Ich meine die Kellnerin. Sie ist jung, blond, sexy, und man sieht ihr an, dass ihr der Job Spaß macht. Jedenfalls lächelt sie die ganze Zeit. "Die wäre doch was für unseren Sohn, soll ich sie einfach mal nach ihrer Handynummer fragen?"

Meine zukünftige Schwiegertochter

Ich ignoriere den "Jetzt ist sie völlig durchgeknallt"-Gesichtsausdruck meines Mannes, wir bestellen, ich tue so, als lauschte ich seinen Betrachtungen über den desolaten Zustand der Weltpolitik und beobachte sie, meine vielleicht zukünftige Schwiegertochter. Ich bin begeistert. Wie geschickt sie sich zwischen den engen Tischen bewegt, volle Tellerstapel balanciert, Getränke einschenkt.

Diskret zücke ich mein Handy und mache ein Foto. Und schicke meinem Sohn eine "Sieh mal, wen deine Mutter für dich gefunden hat"-Nachricht. Sekunden später kommt die Antwort: "Spinnst du jetzt? Wehe, du gibst ihr meine Nummer!" "Leg bitte dein Handy weg", sagt mein Mann, "dein Verhalten ist grenzwertig. Gut, dass dich außer mir niemand gesehen hat."

Er hat recht. Mein Sohn ist Mitte 20, also eigentlich erwachsen. Er wohnt nicht mehr zu Hause, seine Wäsche bringt er nur noch gelegentlich mit, und es gibt auch Monate, in denen ich nicht sein Portemonnaie auf zwei Beinen bin.

Mein Sohn - erst mal Single

Er sieht gut aus, sein Bart auch, er ist witzig, schlau, ein interessanter Gesprächspartner. Aber mit Frauen hat er trotzdem, finde ich, kein glückliches Händchen. Er pflegt ein Faible für sehr hübsche, aber unausgereifte Mädchen, die ihn mit digitalen Herzchen zuschütten, um, wenn er nicht sofort antwortet, ihm eine Szene zu machen. Er schleppt eine komplizierte Zicke nach der anderen an, mal macht er Schluss, mal sie, es ist ein einziges Drama. Im Moment hat er "so was von die Schnauze voll", dass er erst mal Single bleiben will.

Das ist nicht in meinem Sinne. Er ist jung, sein Testosteron noch kein dünnes Rinnsal, deshalb merke ich sofort, wenn er eine Freundin hat. Er ist dann viel ausgeglichener, macht regelmäßig Sport, versackt nicht mehr mit seinen Kumpels, Beziehungen tun ihm einfach gut. Wenn sie entspannt sind.

Ich weiß genau, welche Frau ihn endlich glücklich machen würde, schließlich kenne ich ihn sein ganzes Leben lang. Er ist der beste Sohn der Welt, aber auch chaotisch, unpünktlich und manchmal etwas antriebsarm. Ich habe ihn durchs Abitur geschleift, ich sehne mich nach Rücktritt. Traumhaft wäre deshalb eine junge, bodenständige, praktische Frau, die ihm liebevoll Dampf macht, seine Launen mit Humor nimmt und natürlich kinderlieb ist. Ich werde schließlich nicht jünger und hätte gern Enkel. Davon bin ich leider weit entfernt. Von seiner letzten Freundin hat sich mein Sohn kürzlich getrennt, weil sie einen schnarchenden Dackel hatte, der in ihrem Bett schlief. Schade eigentlich, sie war alleinerziehend, patent und hatte eine sehr niedliche zweijährige Tochter.

Ehe wie in Indien

Um solche Pannen künftig zu vermeiden, bin ich für die arrangierte Ehe, wie sie in Indien üblich ist. Appetit kommt beim Essen, warum sollte die Zuneigung nach der Hochzeitsnacht denn nicht genauso möglich sein? Jede zweite sogenannte Liebesheirat scheitert in Deutschland, warum also können die Jüngeren nicht von der Weisheit der Älteren profitieren? Und mein Sohn von der reichhaltigen Beziehungserfahrung seiner Mutter? Dass ich selbst aus Liebe geheiratet habe und nicht von meinen Eltern verkuppelt wurde, lassen wir jetzt beiseite.

Mit direkten Ratschlägen zur Beziehungsanbahnung halte ich mich dennoch zurück. Mein Wirken ist subtiler. Der Sohn wohnt zum Glück in der Nähe und kommt oft vorbei. Wenn ich weiß, dass die reizende Tochter meiner Nachbarin Semesterferien hat und allein zu Hause ist, dann brauche ich ganz dringend eine Glühbirne, etwas Zucker, ein Pflaster, und bitte ihn, dort zu klingeln. Weil er ein Netter ist, klingelt er auch. Nur leider war beim letzten Mal der neue Freund der Nachbarstochter da.

Also fragte ich die junge Fitnesstrainerin, die mir die neuen Geräte im Klub erklärte: "Wohnst du hier in der Nähe?" Sie nickte, und ich bohrte weiter: "Allein – oder ...?" "Nein, mit meinem Freund", sagte sie. Mist.

Ich habe das Kuppel-Gen geerbt

Ich bin übrigens mit dem Sohn ein paar Tage später wieder in meinem Lieblingsrestaurant gewesen. Er hatte längst vergessen, dass ich ihm die Kellnerin vorgeschlagen hatte. Die dann auch zufällig für uns zuständig war. "Was kann ich für euch tun?", fragte sie lächelnd. Sie sah zum Anbeißen aus. Mein Sohn tippte auf seinem Handy herum und blickte nicht auf. "Weißt du, was du willst?", fragte ich und stieß ihn unter dem Tisch an, er murmelte: "Schnitzel." "Das große oder das kleine?", erkundigte sich die Kellnerin. "Leg mal dein Handy weg!", schnappte ich. Er runzelte die Stirn. "Das große", antwortete er. "Und? Wie findest du sie?", platzte ich heraus, als sie weg war. "Dein Verhalten als Mutter ist gerade allerunterste Schublade, gib es auf", sagte er und vertiefte sich wieder ins Handy.

Ein Rückschlag, aber ich bleibe aktiv. Ich habe das Kuppel-Gen geerbt und kann nicht anders. Wäre ich nicht Journalistin geworden, hätte ich ein Heiratsinstitut eröffnet. Nur wäre es vermutlich längst pleite, weil ich zwar mit Herzblut kupple, aber meist ohne Erfolg. Das Dinner, das ich seinerzeit für eine Freundin und einen verwitweten Kollegen, beide Leseratten und aktiv im Umweltschutz, arrangierte, endete mit zwei empörten Anrufen deckungsgleichen Inhalts: "Wie kommst du auf die Idee, mich mit diesem Langweiler/dieser Schreckschraube zu verkuppeln?" Mein bisher einziger Erfolg war eher Zufall: Ich hatte einer Freundin für eine Fettabsaugung einen Arzt empfohlen, den ich kurz zuvor interviewt hatte. Ohne kupplerische Absicht. Die beiden sind jetzt trotzdem ein glückliches Paar.

Mein Sohn hat sich inzwischen meine Versuche verbeten, ihn zu verkuppeln. Es sei denn, ich könne ihm die Fernsehmoderatorin vorstellen, die ein paar Straßen weiter wohne und seine Traumfrau sei. Ha, aber nicht meine! Zu unstetig in Beziehungen, ständig neue Männer! Außerdem hab ich sie im Supermarkt getroffen, morgens gegen 10 Uhr auf Highheels. Das ist mir suspekt!

Aber die Studentin, die neuerdings beim Drogeriemarkt um die Ecke als Kassiererin jobbt – braune Kulleraugen und so lustig, dass sich vor ihrer Kasse immer eine lange Schlange bildet, weil jeder bei ihr bezahlen will – die werde ich fragen, wo sie so wohnt, und ob allein. Es wäre doch gelacht!

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BRIGITTE WIR 01/2020

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