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Stonewalling Ist deine Beziehung in Gefahr?

Stonewalling: Frau und Mann wenden sich voneinander ab.
© fizkes / Shutterstock
Das sogenannte Stonewalling gehört zu den vier frühen Anzeichen, die das Ende einer Beziehung voraussagen sollen. Was steckt dahinter? Hier erfährst du es.

Im Gottmann Institut untersucht man bereits seit 25 Jahren, was gesunde Partnerschaften eigentlich ausmachen. Warum sind mache Pärchen jahrelang glücklich, während andere die Liebe zueinander aus den Augen verlieren? Laut dem Wissenschaftler und Gründer John Gottmann lässt sich das Scheitern einer Partnerschaft bereits sehr früh voraussagen – und zwar durch vier Anzeichen, die schon früh in der Beziehung auftauchen. Eins davon: Stonewalling.

Stonewalling: Was ist das genau?

Beim Stonewalling geht es darum, dass einer oder beide Partner mauern. Den englischen Begriff können wir also fast wortwörtlich verstehen: Stonewalling, von "stonewall" abgeleitet, bedeutet auf Deutsch Steinmauer. Einer oder beide Partien in der Partnerschaft verschließen sich ganz bewusst und lassen kein Gespräch mehr zu.

Das kannst du dir so vorstellen: Dich nervt etwas, was du unbedingt ansprechen willst. Beginnst du die Konfrontation, werden die Vorwürfe sofort abgewehrt und das Thema wird unterbunden, in dem er oder sie den Raum verlässt. Hier wird die Tür quasi zugemacht und eine emotionale Mauer gebaut – es ist weder Klärung noch Auseinandersetzung möglich.

Stonewalling: Was sind die Konsequenzen?

Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag, an dem er keine Kritik vertragen kann und sich einfach aus der Situation herausziehen will. Aber stell dir vor, jede Art von kritischer Unterhaltung endet mit Stonewalling. Die Folgen wären:

  • Es kommt nie wirklich zu einer Klärung von dem, was dich belastet.
  • Du fühlst dich nicht ernstgenommen und dadurch nicht wertgeschätzt.
  • Die Beziehung kann sich nicht entwickeln, weil Probleme nicht gelöst werden.
  • Du musst deine Unzufriedenheit mit dir selbst ausmachen, weil dein Gegenüber nicht kooperieren will.
  • Du hörst auf, Probleme anzusprechen, weil du keine Hoffnung mehr auf eine Klärung hast, wodurch immer weniger Gespräche stattfinden.
  • Du fühlst dich nicht verstanden.

Läuft das eine Zeit lang ab, wird die Situation so unangenehm und belastend, dass es zur Trennung kommen kann.

Stonewalling: Was kann ich tun?

Erkennst du dieses Muster in deiner Partnerschaft wieder, erstmal keine Panik. Stonewalling wird meistens erst gefährlich, wenn noch drei weitere problematische Verhaltensmuster in der Partnerschaft auftauchen – zumindest, wenn es nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Gottmann Institutes geht. Und das sind:

  1. Konstante Kritik. Hier ist keine aufbauende, konstruktive Kritik gemeint, sondern eher konstante kritische Vorwürfe. ("Nie bringst du den Müll runter, du denkst nur an dich!")
  2. Geringschätzung. Der Partner wird in seiner Person abgewertet. ("Du bist müde? Was soll ich sagen, ich habe noch viel mehr zu tun gehabt, als du, du solltest dich nicht beschweren.")
  3. Defensivität. Eine Abwehr- und Verteidigungshaltung, die besonders bei Forderungen oder Kritik deutlich wird. ("Ich entschuldige mich bestimmt nicht, ich habe nichts falsch gemacht.")
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Stonewalling: Wie sollte ich mich verhalten?

Auch wenn Stonewalling gerade ein Thema in deiner Beziehung ist – das muss nicht so bleiben. Es gibt ein paar Tipps, mit denen du in diesen Situationen positiv einlenken kannst.

Du hast Stonewalling bei deinem Partner erkannt:

  • Achte auf den richtigen Zeitpunkt: Nach einem stressigen Arbeitstag ist dein Gegenüber wahrscheinlich weniger empfänglich für problematische Worte.
  • Schaffe eine friedliche Atmosphäre: So stehen die Chancen besser für ein offenes Ohr.
  • Spreche von dir: Dein Gegenüber mauert weniger, wenn du Sätze mit "Ich" beginnst – dann klingen sie weniger nach Vorwürfen.

Du hast Stonewalling bei dir selbst erkannt:

  • Bitte um Bedenkzeit: Wenn du dich überfordert fühlst, kommuniziere das ruhig und bitte um eine Auszeit, bevor du auf die Kritik antwortest.
  • Nimm’s weniger persönlich: Schwierig, aber hilfreich! Dein Partner kritisiert nicht deine ganze Person, nur eine Verhaltensweise – lass dich davon nicht so stark runterziehen, dass du mauerst.
  • Sieh die Kritik als Chance an: Auch wenn du mauerst, weil du kein Interesse an einer Auseinandersetzung hast – dahinter kann sich eine große Chance verbergen. Durch die Aussprache könnt ihr ein neues Level an Verbundenheit zu erreichen. Nutze sie!

Stonewalling und Narzissmus

Stonewalling ist eine der typischen Verhaltensmuster, die sehr häufig bei Narzissten vorkommt. Eins vorweg: Nicht jeder, der Stonewalling betreibt, ist ein Narzisst. Aber fast alle Narzissten betreiben Stonewalling.

Narzissmus ist eine diagnostizierbare Persönlichkeitsstörung, bei der die Betroffenen ein extrem überzogenes Selbstbild haben. Sie können deshalb überhaupt nicht mit Kritik umgehen und mauern sofort, wenn sie konfrontiert werden. Narzissten sind oft sehr skrupellos und empfinden wenig Mitgefühl. Sie nutzen Stonewalling als eine Art der Bestrafung, um das Verhalten anderer zu manipulieren. Ob es sich beim Gegenüber aber wirklich um einen Narzissten handelt? Das kannst du erst abwägen, wenn du das weitere Verhalten analysierst. Hier haben wir dir verraten, wie du einen Narzissten erkennen kannst. Lies außerdem: Verdeckter Narzissmus: So erkennst du ihn. 

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Verwendete Quellen: gottman.com, mindsettherapyonline.com


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