Geldstress in der Beziehung? Es geht immer um Macht!

Müssen wir eigentlich immer so teuer essen gehen? Und wieso soll immer ich zahlen? 7 Fragen an den Experten zum Reizthema Geld in der Beziehung.

Worum geht's hier eigentlch?

Warum streiten wir in der Beziehung so häufig ums Geld? Und worum geht es dabei eigentlich wirklich? Der Psychologe Rolf Haubl vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main hat Antworten.

BRIGITTE: Geld ist der Zündstoff Nummer eins in Partnerschaften. Sind Männer und Frauen im Umgang mit Geld so verschieden?

Rolf Haubl: Unsere Studien zeigen, dass Männer und Frauen tatsächlich unterschiedliche Geldstile haben. Für Männer ist Geld eine externe Messlatte für beruflichen Erfolg und ihren persönlichen Selbstwert. Sie verbinden damit Einflussnahme und Macht, Frauen Sicherheit und Selbständigkeit.

BRIGITTE: Ist das nicht ein Klischee?

Rolf Haubl: Wir alle neigen dazu, in Klischees zu leben. Frauen leben gern das Klischee, Beziehung sei wichtiger als alles andere. Geld und Ökonomie erscheinen ihnen manchmal als etwas, was die Beziehung gefährden kann. Deshalb blenden Frauen Finanzen in der Liebe oft aus. Bei Männern ist es umgekehrt. Geld ist für sie das Beziehungsthema. Sie wollen damit einen Rahmen schaffen, in dem sich die Liebe entfalten kann. Wenn diese Einstellungen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte. Was er in seinen Augen tut, um die Beziehung zu erhalten, erscheint ihr als etwas, was sie gefährdet.

BRIGITTE: Ziehen sich unterschiedliche Geldstile an?

Rolf Haubl: Es ist eher selten, dass zwei gleich ticken. Der Klassiker ist, dass sich Verschwender und Geizhals finden. Die meisten Paare machen sich jedoch nicht klar, dass das keine realen Eigenschaften sind. Sie nehmen sich nur so wahr und drängen sich gegenseitig in diese Rollen. Der Geizhals braucht den Verschwender, um beim Schimpfen darüber auch an der Verschwendung teilzuhaben. Der Verschwender braucht den Geizhals, um sich in den Diskussionen zu erden. Dadurch entsteht eine Dynamik, die beide zusammenbringt.

BRIGITTE: Gibt es keinen konstruktiveren Weg?

Rolf Haubl: Ja, wenn der Geizige sich und seinem Partner eingestehen kann, dass er ihn auch bewundert und bei sich einen Mangel spürt, nämlich den, sich nichts gönnen zu können. Und der, der das Geld zum Fenster hinauswirft, muss sich und dem Partner eingestehen, dass im Geiz ein Moment von Ordnungs- und Sicherheitsdenken steckt, das wertvoll und wichtig ist. Frauen, die mehr verdienen als ihr Mann, berichten häufig von Abwertungen und Sticheleien durch ihren Partner.

BRIGITTE: Warum ist eine besser verdienende Frau offensichtlich eine Provokation?

Rolf Haubl: Selbst aufgeklärte, moderne Paare, die ein neues Rollenmodell ausprobieren, geraten oft in eine Krise, weil alte Klischees in ihnen mächtiger sind, als ihnen bewusst ist. Plötzlich merken sie, dass sie zwar emanzipiert denken, aber antiquiert fühlen. In unserer materialistischen Kultur liegt es nahe, Geld zu einem Maßstab für den eigenen Wert zu machen. Menschen, für die Geldwert gleich Selbstwert ist, haben ein besonderes Problem damit, wenn der Partner mehr verdient. Und traditionell sind das die Männer.

BRIGITTE: Könnte es für den Mann nicht entspannend sein, wenn er nicht mehr die Rolle des Versorgers spielen muss?

Rolf Haubl: Das geht gut, solange die Frau in ihrem Job zufrieden ist. Wird der Arbeitsstress größer oder kommt sie beruflich nicht weiter, ändert sich ihr Blick auf den Partner, der zu Hause sitzt, sich vielleicht um Haushalt, Kinder und Freizeit kümmert und sich in ihren Augen einen lauen Lenz macht. Er lebt genau das, was sie vermisst. Hinzu kommt: Frauen, die sehr viel mehr verdienen, haben Geld ihrerseits zu einem wichtigen Wertmaßstab gemacht. Die Achtung für einen Mann, der wenig oder nichts verdient, geht dann in den Keller.

BRIGITTE: Warum können so wenig Paare sachlich und entspannt über Geld reden?

Rolf Haubl: Weil es in Wirklichkeit nie ums Geld geht. Es geht um Macht, Kontrolle, Ängste und um Anerkennung. Im Streit, wie das Haushaltseinkommen verteilt wird und wofür man Geld ausgibt, wird ein Kampf um Anerkennung ausgetragen. Und da jeder seine Lebensgeschichte und seine Gelderfahrungen aus der Kindheit mitbringt, setzen sich Paare unbewusst auch mit den Finanzkonflikten ihrer Herkunftsfamilien auseinander. Deshalb ist die Vorstellung, dass sich beide wie zwei Kaufleute an den Tisch setzen und kühl planen, naiv. Das klappt nicht mal bei den Buddenbrocks.

INFO: Dr. Rolf Haubl ist Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt und Direktor des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main. Er hat über viele Jahre die psychodynamischen Prozesse um das Thema Geld und Besitz erforscht.

Text: Birgit Schönberger
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