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Zum Haare raufen 5 Themen, über die sich Paare in toxischen Beziehungen streiten

5 Themen, über die sich Paare in toxischen Beziehungen streiten
In einer toxischen Beziehung werden Lappalien schnell zum großen Drama
© Татьяна Ермакова / Adobe Stock
In einer toxischen Beziehung braucht es nicht viel, damit sich ein Paar streitet. Welche Themen besonders "beliebt" sind – und warum sie so toxisch sind.

In einer Beziehung, die als toxisch bezeichnet werden kann, geht es weniger um das Miteinander als vielmehr um das Gegeneinander. Mindestens eine der beiden Parteien fühlt sich oftmals missverstanden, in den eigenen Bedürfnissen ignoriert oder zurückgestellt und/oder nicht ernst genommen.

Konflikte sind nicht das Problem – es kommt darauf an, wie wir sie lösen

Konflikte sind in Beziehungen jeder Art für sich genommen keine Besonderheit – je enger Menschen miteinander leben und je länger sie gemeinsam Zeit verbringen, desto mehr Fläche ergibt sich für Reibungen. In einer Studie mit 1.000 Teilnehmer:innen hat sich "Kommunikation" als häufigste Quelle für Konflikte ergeben, zusammen mit Punkten wie Gewohnheiten, Hausarbeit und Finanzen. 

Mehr als ein Drittel der Befragten nannte zusätzlich auch gemeinsame Zeit, Sex, Bildschirmzeit und Entscheidungsfindung als eine Hauptkonfliktursache. Wenig überraschend ist ebenfalls ein Streitthema unter Eltern: Erziehungsfragen.

Konflikte ziehen sich durch jede Form von Beziehung – allerdings unterscheidet sich die Art und Weise, wie mit diesen Konflikten umgegangen wird. Grundsätzlich bieten Konflikte für alle Beteiligten die Chance auf eine Veränderung, die offenbar notwendig ist. Doch gerade in giftigen Beziehungen führen Konflikte weniger zu positiven Ergebnissen als viel mehr zu Wut, Frust, Tränen und irgendwann Resignation. Wir haben besonders "beliebte" Streitthemen in toxischen Beziehungen gesammelt und was sie so toxisch macht.

Finanzfragen: "Wie kann man denn dafür Geld ausgeben?"

Geld regiert die Welt – im Mindesten hat es einen großen Einfluss auf unseren Alltag, was sich natürlicherweise auch in unsere Beziehungen einschleicht. Die hohe gesellschaftliche Bedeutung von Geld macht es unabdingbar, dass jede:r Einzelne individuell lernen muss, einen gesunden Umgang mit der Thematik zu finden. Konfliktpotenzial entsteht vor allem dann, wenn der:die Partner:in Selbiges auch erst lernen muss – oder eben einen Umgang damit gefunden hat, der kaum vereinbar mit der eigenen Einstellung ist. 

Toxische Beziehung: Ein Satz, der endlich Klarheit schaffen kann

Toxisch wird es beispielsweise dann, wenn das Thema auf passiv-aggressive – und damit wenig konstruktive – Weise behandelt wird. "Musstest du wirklich schon wieder ein neues Handy kaufen?" ist zum Beispiel eine Frage, die mehr rhetorisch gemeint ist und eigentlich meint: "Ich kann überhaupt nicht gutheißen, wofür du dein Geld ausgibst."

Quality time: "Nie hast du Zeit für mich"

5 Themen, über die sich Paare in toxischen Beziehungen streiten: gemeinsame Zeit
Wie viel gemeinsame Zeit ist genug? Oder eben zu wenig/viel? 
© Kenstocker / Adobe Stock

In einer gesunden Beziehung haben alle Parteien nicht nur grundsätzlich Lust darauf, gemeinsam Zeit zu verbringen – sie schaffen auch den Raum dafür. Die Bedürfnisse darüber, wie viel Zeit allerdings "genug" ist, können sehr weit auseinandergehen. Was für die eine Person zu viel und einengend sein kann, ist für die andere vielleicht gerade einmal genug.

Problematisch wird es, wenn die Beziehungspartner:innen nicht versuchen, aufeinander zuzugehen und einen Kompromiss zu finden, mit dem alle zufrieden sind. Denn so fühlt sich eine Partei schnell zurückgewiesen, ungesehen und schlimmstenfalls ungeliebt. Der Streit darüber kann sehr schnell destruktiv werden. Auf ein: "Du bedrängst mich immer!" folgt dann ein: "Und du baust immer nur Mauern auf und ignorierst mich!" – und am Ende sind beide Seiten unzufrieden und fühlen sich in ihren Bedürfnissen nicht gesehen.

Das bisschen Haushalt …

Für die einen ist es lapidar, für die anderen ein Trennungsgrund: volle Mülleimer. Im Alltag gibt es immer etwas, was im Haushalt nerven kann: der Toilettensitz, der mal wieder oben ist, die Zahnpasta, die halb geöffnet herumliegt, der Staub, der sich auf dem Boden sammelt und konsequent ignoriert wird. Fakt ist: Der Haushalt gehört zum Alltag, er muss angegangen werden, vollkommen unabhängig davon, wie das Individuum dazu stehen mag.

Das Konfliktpotenzial ist enorm, aber worum es in den Streitgesprächen eigentlich geht, das können Menschen in toxischen Beziehungen oftmals kaum noch greifen. Die Wut kommt meist aus einem Gefühl des wahrgenommenen fehlenden Respekts: Die Arbeit und Zeit der einen Person wird offenkundig von der anderen Person, die sich nicht um den Haushalt kümmert, nicht wertgeschätzt. Doch anstatt darüber zu reden, wird sich auf Klobrillen, Faulheit und Nutzlosigkeit berufen und am Ende ist niemand zufrieden.

Sex: Kommen wir hier noch zusammen?

5 Themen, über die sich Paare in toxischen Beziehungen streiten: Sex
Das Bedürfnis nach Sex ist sehr individuell und manchmal schwerlich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen
© ronnarong / Adobe Stock

Mit dem Sex ist es so eine Sache: Unwahrscheinlich ist, dass er für alle Menschen eine derart hohe Stellung im Leben hat, wie manche Filme und Serien es suggerieren mögen. Fakt ist allerdings auch, dass Sex in gewisser Form für viele (nicht alle) Menschen zu einer (romantischen) Beziehung dazugehört. 

Allerdings verhält es sich beim Sex ungefähr so wie bei dem Thema Hygiene: Es ist schwer bis nahezu unmöglich, eine Person zu finden, die in dem Punkt genau dieselben Bedürfnisse hat wie man selbst. Noch unwahrscheinlicher ist es dabei, zur selben Zeit auf dasselbe Lust zu haben. Für diesen Umstand gibt es unter Sex-Therapeut:innen auch einen Begriff: "desire discrepancy" (zu Deutsch: "ungleiches Verlangen").

Bei einem so sensiblen und persönlichen Thema ist allerdings viel Fingerspitzengefühl gefragt. Toxisch wird es, wenn statt Verständnis und Kompromissen auf die eigenen Bedürfnisse bestanden wird: Schnell kann sich eine Person zu Dingen gedrängt fühlen, die sie eigentlich nicht machen möchte – oder schlimmer noch genau diese Sachen tun, weil sie sonst das Gefühl hat, die andere Person zu verlieren.

Eifersucht: Die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft

Eine gesunde Beziehung baut ihre Basis auf Vertrauen – nicht nur in die andere Person, sondern auch und vor allem in den eigenen Selbstwert. Auch in einer gesunden Beziehung kann Eifersucht selbstverständlich ein Thema sein, doch wie damit umgegangen wird, ist die entscheidende Frage. 

Dem:der Partner:in Kontakt zu Ex-Partner:innen zu verbieten, Ausgehzeiten festzulegen oder gleich ganz zu streichen, wenn man nicht selbst dabei ist "um aufzupassen", sind nicht nur toxische, sondern auch zutiefst grenzüberschreitende Verhaltensweisen. Wenn bereits ein flüchtiger Blick von dem:der Partner:in zu einer anderen Person in der Bar ausreicht, um die eigenen Emotionen zum Kochen zu bringen, sollten sich Fragen gestellt werden wie: Warum reagiere ich so emotional auf eine Kleinigkeit? Liegt es an meinem fehlenden Selbstwertgefühl oder kann ich meinem:meiner Partner:in aus anderen Gründen nicht vertrauen? 

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, zeit.de, inc.com, bustle.com, firstthings.org

cs Brigitte

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