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Tipps von der Expertin Toxische Beziehung – gehen oder bleiben?

Toxische Beziehung: Junges Paar hält Händchen
© theshots.co / Shutterstock
Eine toxische Beziehung ist nicht leicht zu erkennen. Welche 12 Anzeichen dafür sprechen und ob es sich lohnt, zu kämpfen. 

Was ist eine toxische Beziehung?

Eben war noch alles in Ordnung und nun ist von einer Sekunde auf die andere alles nur noch Drama? Und du bist schuld? Wie immer? Vielleicht bist du ja gar nicht schuld, sondern steckst in einer toxischen Beziehung .... 

I'm addicted to you
Don't you know that you're toxic?
And I love what you do
Don't you know that you're toxic?

Diese Zeilen stammen aus einem Song von Britney Spears aus dem Jahre 2003 und bedeuten auf deutsch etwa: "Ich bin süchtig nach dir, weißt du nicht, dass du giftig bist? Und ich liebe was du tust, weißt du nicht, dass du giftig bist?"

Was in einem Song vielleicht nach leidenschaftlicher Liebe klingt, kann im wahren Leben wirkliches Gift sein. Denn eine toxische Beziehung ist geprägt von Machtspielen und emotionaler Abhängigkeit – das ist nicht nur Gift für die Beziehung selber, sondern vor allem für den Partner, der solchen Bedingungen ausgesetzt wird und früher oder später darunter leidet.

Anzeichen einer giftigen Beziehung

Ist die Partnerschaft anfangs noch wie aus dem Bilderbuch, der Partner ist äußerst aufmerksam und bietet Sicherheit, verändert sie sich mit der Zeit, die rosarote Brille weicht Vorwürfen, Demütigungen und Streitigkeiten. Zweifelsfrei gehören Streits zu einer Beziehung – das macht sie nicht sofort giftig.

Wenn du die folgenden Anzeichen aus deiner eigenen Beziehung wieder erkennst, solltest du jedoch aufmerksam werden. Menschen, die in toxischen Partnerschaften gelebt, geliebt und gelitten haben, nennen solche Merkmale:

  1. Schlagartiger Wechsel der Gefühlslage – war eben noch alles gut, ändert sich die Laune des Partners schlagartig und grundlos und man weiß nicht, wie einem geschieht.
  2. Du bist allein verantwortlich für das Gelingen der Beziehung und sowieso bist du immer an allem schuld. Das geht soweit, dass ...
  3. ... der Partner dir die Worte im Mund umdreht und alles verzerrt.
  4. Streitigkeiten eskalieren schnell.
  5. Kaum scheinst du glücklich oder zufrieden, schon ist dein Partner zur Stelle, um dich herunter zu ziehen.
  6. Dein Partner kennt deine Schwächen und nutzt diese aus, setzt sie gegen dich ein und/oder hält sie dir vor.
  7. Derjenige hat dich (z. B. finanziell) in der Hand und lässt dich das spüren.
  8. Andere Kontakte (Freunde, Familie) werden schlecht gemacht, am besten du verbringst nur noch mit deinem Partner Zeit.
  9. Auch du wirst vor anderen gedemütigt.
  10. Du und was du tust sind nie genug.
  11. Alles dreht sich um ihn.
  12. Du fühlst dich irgendwann ausgesaugt und energielos.

Das können alles Anzeichen für Narzissmus in der Beziehung sein – dann hast du dich wohl oder übel in einen Narzissten verliebt. 

In einer Beziehung mit einem Narzissten

Narzissten finden auf dieser Welt eins besonders gut, nämlich sich selbst. Sie wirken häufig selbstbewusst, charismatisch, charmant und anziehend auf andere – diese Art nennt man auch grandiose Narzissten, zu denen eher Männer neigen. Mehr als eine Außenwirkung steckt jedoch nicht dahinter, viel mehr braucht ein Narzisst ständige Bestätigung von außen, um sich wertvoll zu fühlen, lässt auf der anderen Seite Empathie für andere missen und verhält sich egoistisch.  

Eine weitere Art des Narzissmus zeigt sich im depressiven Narzissten – jemand, der versucht die Erwartungen anderer zu erfüllen, zu diesem Typ neigen eher Frauen. Und es ist gar nicht so selten, dass diese beiden Typen in einer Beziehung landen. Mehr dazu und wie man mit Narzissten umgehen kann, erfährst du hier. 

Tipps, um eine toxische Beziehung zu verarbeiten

Erkennst du dich bzw. deine Partnerschaft wieder, mag das der erste Schritt sein. "Trenn dich!", ist von anderen leicht gesagt, doch nicht unbedingt genauso leicht umzusetzen. Schließlich hat man in die Beziehung investiert und liebt trotz allem seinen Partner. Häufig gelingt es dem verletzenden Partner auch, den anderen mit Liebesbekundungen & Co. einzulullen und zurück in die Beziehung zu bewegen. Oder derjenige trennt sich und kommt dann doch nochmal zurück, aber nach kurzer Zeit ist alles wie vorher. 

Lässt sich so eine Beziehung retten? Sollte sie überhaupt gerettet werden und wie können Betroffene eine solche Partnerschaft verarbeiten? Das und mehr haben wir Elena Sohn von "Die Liebeskümmerer" gefragt, eine Agentur, die professionelle Hilfe und Beratung in Sachen Liebe anbietet.

Das sagt die Expertin

BRIGITTE.de: Gibt es eindeutige Anzeichen für eine toxische Beziehung?

Elena Sohn: Meiner Erfahrung nach ist ein verbindendes Anzeichen, dass alle Menschen kennen, die in einer toxischen Beziehung leben, dass sie sich neben ihrem Partner klein und permanent kritisiert bzw. in Frage gestellt und verletzt fühlen. Doch anstatt diesem Menschen, der sie ab- und nicht aufwertet, den Rücken zuzukehren, sehnen sie sich so sehr nach "Heilung" durch genau ihn, dass sie in eine Abhängigkeit geraten.

Verhalten sich Männer und Frauen dabei unterschiedlich?

Frauen neigen meiner Erfahrung nach noch stärker als Männer dazu, in eine Opferrolle zu schlüpfen und sich mit dieser zu identifizieren. Sie werden dann eher passiv und leiden. Männer reagieren häufiger mit Aggression und verharren meist  auch nicht so lang wie eine Frau in so einer Konstellation.

Warum fällt es Menschen schwer, sich daraus zu befreien?

Weil sie emotional abhängig sind. Es kann zum Beispiel sein, dass jemand sich schon vor dieser Partnerschaft einsam fühlte und ganz dringend eine Beziehung suchte – so jemand ist gefundenes Fressen für eine toxische Verbindung. Denn diese Person wird aus lauter Angst, den anderen wieder zu verlieren, kaum Grenzen setzen. Aber auch grundsätzlich starke und zufriedene Personen können in so eine Partnerschaft geraten und dann vom anderen so abgewertet und verletzt werden, dass sie auf Wiedergutmachung hoffen und dadurch abhängig werden. 

Was kann ich tun, wenn ich weiß, dass ich in einer toxischen Beziehung lebe? 

Häufig ist es extrem schwierig, aus so einer Beziehung herauszukommen. Das macht ja einen Großteil des toxischen aus. Wenn jemand feststellt, dass er in so einer Beziehung lebt, empfehle ich vor allem, sich mit dem Thema anderen Menschen zu öffnen. Sei es Freunden, Familie, einem Therapeuten oder anderen betroffenen in Foren. Erst, wenn man sich selbst aus der Heimlichkeit herausholt, hat man eine Chance. 

Einige fragen sich, ob es sich lohnt eine solche Partnerschaft zu retten – stellt sich die Frage überhaupt oder sollte das Ziel immer die Trennung sein?

Die Frage stellt sich nur dann, wenn es auf beiden Seiten eine Einsicht über die Negativ-Spirale gibt. Wenn beide bereit sind, Verantwortung zu tragen und sich selbst ggf. zu verändern und professionelle Hilfe in Frage kommt. Dann ist es noch immer ein harter Weg, aber nicht undenkbar.

Wenn ich es schaffe aus so einer ungesunden Beziehung zu kommen, wie kann ich sie am besten verarbeiten?

Oft dauert es Jahre, so eine Beziehung psychisch aufzuarbeiten. Ich sollte also Geduld mit mir haben und ggf. auf professionelle Hilfe zurückgreifen. So kann ich alles auf einer ganz anderen Ebene begreifen und analysieren, als wenn ich es allein versuche. 

Angenommen eine Freundin erlebt emotionalen Missbrauch, wie kann ich ihr helfen?

Indem ich ihr offen mein Erschrecken über das Geschehene spiegele und im Gespräch immer und ohne zu urteilen für sie da bin. Toll ist, wenn ich ihr das Gefühl geben kann, dass ich jederzeit bereit bin, sie aufzufangen.

Tipp: In der BRIGITTE-Community kannst du dich mit anderen über die Liebe und ihre Probleme austauschen. 


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