Traummann: Der ist es!

"Das ist mein Traummann": Frauen aus China, Ungarn und Griechenland erzählen.

Ungarn: Aliz Ertler (31), Volkswirtin

Bis ich 23 war, hab ich mich um Männer überhaupt nicht gekümmert. Ich lebte im Studentenwohnheim, mit drei Mädchen auf einem Zimmer. Wir sind morgens zusammen aufgestanden, in die Vorlesungen gegangen, ins Kino und abends wieder zusammen ins Bett. Da gab es überhaupt keine Zeit zum Verlieben oder zum Träumen.

Dann hab ich vor acht Jahren ein Stipendium bekommen, um Wirtschaft zu studieren, in Århus, Dänemark. Ich war total glücklich. Als ich gerade angekommen war, guckte ich mir an der Uni die Pinnwand an, auf der Fotos von allen Neulingen hingen. Ich sah auf einem Bild so einen Blonden mit Brille. Ich liebe Brillen, und er sah so süß und knuddelig aus. Eine Woche später traf ich ihn auf einer Party und starrte ihn immer wieder an. Das hat gewirkt, seitdem sind wir zusammen.

Jeroen hat alles, wovon ich nie geträumt habe, aber was ich nie mehr hergeben möchte. Er ist ehrlich, tolerant und unkompliziert. Er ist treu, aber er erdrückt mich nicht. Wenn ich die Paare um uns herum sehe: Jeden Tag telefonieren sie, jeden Abend hocken sie zusammen. Ich muss atmen können, ich brauche meine eigenen Freunde, mein eigenes Leben.

In Ungarn wär’s schwerer gewesen, einen Traummann zu finden. Das große Ziel ist dort immer noch, möglichst schnell zu heiraten und nur noch als Paar aufzutreten. Trotzdem bin ich jetzt wieder nach Budapest gezogen. Meine Sprache, die Sonne, die lustigen, spontanen Menschen - das habe ich vermisst. Jeroen will seinen Job noch ein Jahr machen, dann kommt er nach. Bis dahin sehen wir uns jedes zweite Wochenende. Und ich hab viel Zeit, richtig durchzuatmen.

China: Wang Xiao Lin (37), Modedesignerin

Ich lebe mit meinem Freund in einem Pekinger Neubauviertel. Er ist Maler und fünf Jahre jünger als ich. Ob er mein Traummann ist? Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er der erste Mensch ist, bei dem ich mich fallen lassen kann.

Wir wohnen in zwei nebeneinander liegenden Apartments, die ich gekauft habe. Im dritten ist die Nanny untergebracht, die unseren einjährigen Sohn betreut. Über Geld muss ich mir keine Gedanken machen, denn meine Firma "Mu Zhen Liao Traditional Fashion" läuft bestens. Die Reichen reißen sich um meine Kleider. Angefangen habe ich als Bauarbeiterin in Liaoning, einer Kohle-Region im Norden. Meine Arbeitskolleginnen dort haben mir geraten, rasch zu heiraten, damit ich einen Sinn für die Realität bekomme.

Ich wollte nicht heiraten, denn ich hatte nichts übrig für diese traditionellen chinesischen Männer, die von einem erwarten, dass man ihnen den Haushalt führt und das Leben gestaltet. Für mich ist Unabhängigkeit sehr wichtig. Aber ich habe mich immer nach einem Menschen gesehnt, der mich mag, auch wenn ich anders bin. Ich glaube, das tut mein Freund. Er ist ja auch anders als die meisten chinesischen Männer. Viel extrovertierter und leidenschaftlicher.

Jetzt habe ich endlich die Zulassung für ein Kunststudium bekommen. Wenn ich wählen müsste zwischen meinem Freund und diesem Studium - ich würde mich für das Studium entscheiden. In einer Uni zu sitzen und Dinge zu erfahren, die einem eine neue Welt eröffnen, das ist für mich ein Traum.

Griechenland: Voula Loulakis (32), Lehrerin

Als ich sechs war, hieß mein Traumprinz Peterle. Er kam aus Deutschland, seine Eltern waren Nachbarn. Er hatte weiße Locken und grüne Augen und war jünger als ich. Ich liebte ihn so sehr wie alle meine Puppen zusammen. Dann wurde er mir weggenommen, weil seine Eltern nach Deutschland gingen. Und weil es so ein Peterle ohnehin nur einmal gibt, begann ich von einem schönen Griechen zu träumen.

Klug sollte er sein und mich verehren wie eine Prinzessin. So einen gab es aber nicht, jedenfalls nicht an meiner Schule in Athen. Nach dem Abitur habe ich Italienisch und Literatur studiert und an der Uni einige Männer kennen gelernt, die gut aussahen und freundlich waren. Aber nicht klug. Sie kannten als Thema nur sich, und ihre Pläne machten sie immer ohne mich. Sie sagten: "Wir heiraten in einem Jahr. Die Stadt zum Leben ist die Stadt, in der ich geboren bin. Unser erstes Kind kriegst du ein Jahr nach der Hochzeit, und dann hörst du auf, Lehrerin zu sein."

Der Mann, mit dem ich seit drei Jahren zusammen lebe, ist kein Prinz. Heißt auch nicht Peterle, sondern Stefano. Er ist Zahnarzt und zehn Jahre älter als ich. Er hat viel zu tun und kann sich nicht auch noch um mein Leben kümmern - das gefällt mir. Er will nicht heiraten, er war schon mal verheiratet. Er hört mir gern zu. Er interessiert sich für mich. Ob er mein Traummann ist? Sagen wir mal so: Ich lebe mit einem abgespeckten Traum von Mann zusammen. Und das ist ziemlich oft traumhaft schön.

Protokoll: Monika Held, Astrid Joosten, Merle Hilbk Fotos: Jan Siefke, Jörg Modrow, Kristina Jentzsch
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