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Vertrauen aufbauen Betrogen worden? 6 Tipps, um wieder vertrauen zu können

Vertrauen aufbauen: Pärchen liegt sich in den Armen
© Mikhail_Kayl / Shutterstock
Was es für Vertrauen braucht und wie du nach einer Enttäuschung wieder Vertrauen aufbauen kannst, erklären wir hier. 

Was ist eigentlich Vertrauen?

Um Vertrauen wird in verschiedenen Lebensbereichen geworben, ob vom Arbeitgeber, Bankberatern oder Politikern. Vertrauen wir einer Partei und ihren Versprechungen, sind die Finanzprodukte wirklich ertragreich und meint es der Arbeitgeber gut mit uns?! Auch in Partnerschaften und Freundschaften spielt Vertrauen eine große Rolle, ohne sie wären diese Beziehungen wohl schwer möglich. Vertrauen gehört laut einer Studie der kanadischen Western University zu den Top 10 der wichtigsten Faktoren in einer gelungenen Beziehung.

Doch was macht Vertrauen aus? Es existieren verschiedene Definitionen zum Begriff, z. B.:

  • Vertrauen wird nach Eric H. Erikson in der Kindheit geprägt ("Urvertrauen") und hängt von der Qualität der Mutter-Kind-Beziehung ab.
  • Nach Jackson geht es bei Vertrauen um Reziprozität: Man hofft, dass der andere irgendwann etwas für einen tut, was man für ihn getan hat.
  • Vertrauen ist nach Rotter die Erwartungshaltung, sich auf ein Versprechen verlassen zu können.

Unser Vertrauen basiert zum einen aus Erfahrungen der Vergangenheit (gab es viele Enttäuschungen, fehlt das Urvertrauen?), zum anderen bezieht es sich auf die Zukunft. Denn zu vertrauen birgt ein gewisses Risiko, enttäuscht zu werden. Die eigene Kontrolle und Handlungsmöglichkeiten sind in Bezug auf den anderen (freiwillig) eingeschränkt: "Ich vertraue dir, mich nicht absichtlich zu verletzen." Wenn wir vertrauen, haben wir das Gefühl uns auf den anderen verlassen zu können.  

Eifersüchteleien, Lügen und Untreue führen nicht selten zum Verlust des Vertrauens. Wie lässt sich Vertrauen aufbauen, generell und nach einer Verletzung?

Vertrauen aufbauen ­­– 3 Voraussetzungen

Eine How-to-Anleitung für Vertrauen gibt es nicht. Jeder Mensch und jede Beziehung ist einzigartig. Es geht auch nicht darum, allen und jedem bedingungslos zu vertrauen, das kann unter Umständen nach hinten losgehen. Doch für ein gesundes Fremdvertrauen braucht es ein paar Voraussetzungen. 

1. Selbstvertrauen

Eine Grundvoraussetzung anderen zu vertrauen, ist Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Sich zu kennen und an sich und die eigenen Fähigkeiten zu glauben, stärkt uns und fördert die eigene Resilienz, eine wichtige Eigenschaft im Umgang mit Krisen.

Wie du dein Selbstbewusstsein stärken kannst, erfährst du hier. 

2. Geduld

Vertrauen lässt sich nicht einfach anknipsen, es entsteht über die Zeit. Werden immer und immer wieder Versprechen gebrochen oder es wird viel gelogen, wird sich statt Vertrauen Misstrauen aufbauen. Merken wir, dass wir uns auf eine Person verlassen können – auch in Krisensituationen –, wird das Vertrauen gestärkt. 

3. Offen sein

Verabredungen verschweigen, wichtige Dinge für sich behalten oder ständige Geheimniskrämerei? Früher oder später fragt sich dein*e Partner*in oder Freund*in, was und warum du etwas verheimlichst. Lug und Betrug schätzt kein Mensch. Also sei lieber offen und ehrlich und frage dich, warum du bei gewissen Dinge meinst, sie nicht mit deine*m Partner*in oder Freund*in besprechen zu können. Vielleicht reagiert derjenige ganz anders, als du es dir so vorstellst. 

6 Tipps für Vertrauen nach Betrügen und Lügen

Ein Patentrezept wie sich Vertrauen nach Fremdgehen wieder aufbauen lässt, gibt es natürlich nicht. Dass der Hintergangene erstmal misstrauisch ist, ist sicherlich nicht verwunderlich und das muss der andere aushalten können. Du wurdest betrogen, wie kannst du jetzt wieder Vertrauen zu deinem Partner oder deiner Partnerin aufbauen?

1. Gefühle zulassen

Negative Gefühle langfristig zu unterdrücken kann krank machen. Friss deine Wut, deine Trauer, usw. nicht in dich hinein. Der Paartherapeut Oskar Holzberg rät dazu, verletzte Gefühle zuzulassen und sie als angemessen und unumgänglich zu akzeptieren.

2. Miteinander sprechen

Am Anfang ist das schwierig, vielleicht will man den anderen erst mal gar nicht sehen und das ist vollkommen in Ordnung. Wenn du soweit bist, solltest du mit deine*m Liebsten über den Vertrauensbruch offen und direkt sprechen. Das wird wahrscheinlich mehr als ein Gespräch ...

3. Zeit nehmen

Einmal drüber sprechen und nun soll alles vergessen sein? So schnell wird ein Vertrauensbruch wohl nicht überwunden sein. Nimm dir Zeit, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dir über deine Gefühle und die Beziehung klar zu werden. Und herauszufinden, was du brauchst und du dir wünschst. 

3 Tricks, wie du nach enttäuschtem Vertrauen doch wieder lieben kannst: Paar am Strand

4. An der Beziehung arbeiten

Hat dir oder euch etwas in der Beziehung vorher gefehlt, das einen Seitensprung oder eine Affäre begünstigt hat? Gab es genügend Wertschätzung und Aufmerksamkeit füreinander? Glaubst du deine*m Partner*in, dass es ihm*r leid tut? Versucht, Verhaltensmuster und Teufelskreise zu durchschauen und zu durchbrechen. Auch wenn du oder ihr die bisherige Beziehung nicht mehr aufrecht erhalten wollt, solltest du das für dich und die kommende Partnerschaft herausfinden, um nicht erst in eine neue Spirale zu geraten. 

5. Raus aus der Opferrolle

Du wurdest betrogen und deine Gefühle sind wichtig – wie gesagt, nimm dir Zeit. Genauso wichtig ist es auch, dass du es dir in der Opferrolle nicht "bequem" machst, denn auf der Grundlage ist weder eine Beziehung mit dem bisherigen noch mit einem neuen Partner*in möglich. Dazu kannst du an deinem Selbstwertgefühl arbeiten. Hier findest du Tipps, wie du dein Selbstwertgefühl stärken kannst. 

6. Geduld haben

Wie schon anfangs in einer Beziehung muss auch das neue Vertrauen wieder wachsen und braucht seine Zeit. Sicherheit wird es nie geben, auch in einer neuen Beziehung nicht. Hab Geduld mit dir und euch. Vertrauen und Liebe brauchen nun mal Mut. 

Liebe, Sex, Beziehungsprobleme: Das Paartherapeuten-Paar Claudia Clasen-Holzberg und Oskar Holzberg spricht in seinem Paaradox-Podcast offen über alle Themen.

Verwendete Quellen: news.westernu.ca, eric-hegmann.de, spektrum.de


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