Warum dicke Männer glücklich machen

Toller Hintern? Gleiche Lebenseinstellung? Vergessen Sie's. Entscheidend ist, dass Ihr Traummann gern isst und eine schlechte Fettverbrennung hat, meint BRIGITTE-Redakteurin Nikola Haaks.

Ich habe neulich einen Mann kennen gelernt, den ich auf der Stelle heiraten sollte. Dieser Mann sah nicht besonders gut aus, trug keine tollen Klamotten und war nur mittelwitzig. Trotzdem habe ich gedacht, mit diesem Mann zu leben muss ein Traum sein. Denn er hat eine ordentliche Portion gegessen. Er verspeiste bei einer Abendeinladung kommentarlos vier Gänge mit zwei reellen Nachschlagportionen von der Poulardenbrust in warmer Balsamicosoße. Und das Beste daran: Er hatte eine kleine Wampe, die darauf schließen ließ, dass er regelmäßig derartige Portionen zu sich nimmt. Wenn er saß, wölbte sich ein nettes bisschen Bauchspeck über dem Hosenbund. Ich war begeistert. Sie schreien jetzt wahrscheinlich laut auf, weil Sie seit zwei Jahren versuchen, Ihrem Kerl die Plauze wegzudiäten, aber das ist mir vollkommen egal.

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Dünne Männer sind eine Gemeinheit

Ich finde, es ist an der Zeit, mal ein Plädoyer für gut genährte Männer zu schreiben. Und Sie können mir glauben: Ich tue dies aus einem gewissen Leidensdruck heraus. Die Männer, mit denen ich größere Teile meines Lebens verbracht habe, hatten vor allem eines gemeinsam: Sie waren dünn. Sehr dünn. Gut genährte Männer kamen in meinem bisherigen Männerkanon einfach nicht vor, dabei hätte ich nichts lieber als einen gut genährten Mann. Ich bin nämlich ein bisschen verfressen, das gebe ich hier ganz unumwunden zu. Ich bin nicht dick, aber verfressen. Und ich will einen Mann, der dicker ist als ich. Einen Mann, mit dem ich genussvoll essen kann, ohne mich später im Bett neben ihm wie die Alpen zu fühlen. Andere Frauen mögen dünne Männer super finden, ich finde dünne Männer schlichtweg eine Gemeinheit.

Am gemeinsten sind die dünnen Männer, die sich dreimal von dem Gorgonzola-Sahne-Gratin nachnehmen, zum Nachtisch eine Packung Double-Cheese-Chips mit Cola runterspülen und als Mitternachtssnack eine Tafel Vollmilch-Nuss verputzen, um anschließend zu bemerken, dass sie essen könnten, was sie wollten, aber einfach nicht zunähmen. Gern schieben sie dies auf eine chronisch erhöhte Fettverbrennung infolge des wahnwitzigen Leistungssports, den sie in ihren Jugendjahren betrieben haben. Wenn so ein Mann mit mir zusammen isst und genussvoll drei Nachnehmportionen in sich reinschaufelt, kann ich mich nur schwer unter Kontrolle halten. Denn das vermeintlich Tolle ist ja: Egal, wie viel ich esse, es wird immer noch weniger sein als das, was er isst. Mit dem einzigen Unterschied, dass ich bald gnadenlos in die Breite gehen werde, während er ununterbrochen an seinem Ex-Stabhochspringer-Torso runterguckt und sich wundert, wo bloß die ganzen Chips wieder hin sind.

Aber mindestens genauso deprimierend ist die zweite Gattung des dünnen Mannes: der Du-ich-kann-einfach-nicht-so-viel-auf-einmal-essen-Typ. Dieser Mann ist ein Gourmet. Er hält sich stundenlang in Feinkostläden auf, weiß, dass Culatello eine italienische Schinkensorte ist, kann vorzüglich kochen, und die tollsten Menüs kreieren - aber essen werden Sie die dann allein. Ein Sonntag mit dieser Gattung Mann fängt damit an, dass er zum Frühstück ungefähr drei Esslöffel Cornflakes zu sich nimmt und Ihnen Ihr ausgedehntes Croissant-Honigbrötchen-Milchkaffee-Frühstück im Halse stecken bleibt. Deswegen haben Sie spätestens am frühen Nachmittag einen Bärenhunger.

Der dünne ungefrühstückte Mann hat jetzt ausnahmsweise auch mal Hunger, hätte den jedoch glatt "vergessen", wenn Sie ihn nicht daran erinnern würden, dass man jetzt doch eventuell mal einen kleinen Snack zu sich nehmen könnte. (An dieser Stelle muss ich eine Frage einfügen: Wie um alles in der Welt kann man bitte Hunger vergessen?) Am Abend wird der Mann ganz reizend ein aufwändiges Nudelgericht mit Meeresfrüchten zubereiten, und Ihnen läuft in heller Vorfreude das Wasser im Munde zusammen. Aber nachdem er zehn bis fünfzehn Spaghetti auf seinem Teller drapiert und genussvoll gegessen hat, wird er sagen, er sei total satt. Da ginge jetzt absolut nichts mehr.

Und Sie? Kämpfen kurz eine innere Genuss-kontra-Disziplin-Schlacht, spachteln den Rest des verdammt leckeren Nudelgerichts allein in sich rein und tragen bald eine Jeansgröße größer als er. Aber was noch schlimmer ist: Sie fühlen sich bei jeder gemeinsamen Mahlzeit maßlos und verfressen, da selbst Ihre reduzierteste Tagesration immer größer sein wird als seine.

Ich will einen Mann, der um Nachschlag fleht.

Zu guter Letzt ist noch der Genuss-Nihilist zu erwähnen. Seine dem Essen abgeneigte Haltung entspringt entweder einem penetranten Gesundheitsgedanken oder einer studentischen Aldi-Sozialisierung. Meine Freundin hatte mal so einen. Der Mann hat sage und schreibe behauptet, ihm sei egal, was er esse, es würde doch sowieso alles gleich schmecken. Hauptsache, er nähme genügend Ballaststoffe zu sich. Mit dem Erfolg, dass es an sechs von sieben Abenden Vollkornreis mit Tomatensoße gab. Gern auch aufgewärmt vom Vortag. Abgesehen davon, dass meine Freundin eine extreme Aggressivität vor den gemeinsamen Mahlzeiten entwickelte, bohrten sich seine Hüftknochen beim Sex derartig in ihre Leiste, dass sie sich schon aus physischen Gründen trennen musste.

Also, ich habe beschlossen, nichts mehr mit dünnen Männern zu haben. Essen ist definitiv eine zu existenzielle Sache, um sich dabei jedes Mal schlecht zu fühlen. Und man macht sie in einer Beziehung ja auch vergleichsweise oft gemeinsam. Vergessen Sie das Gerede von ähnlicher sozialer Herkunft, gleicher Lebenseinstellung und übereinstimmendem Humor: Die Grundlage einer funktionierenden Liebesbeziehung ist ein identisches Essverhalten und eine ähnlich geartete Fettverbrennung. Außerdem ist unbedingt drauf zu achten, dass sich nicht nur die Geschmäcker ähneln, sondern auch die proportional zur Körpergröße aufgenommene Nahrungsmenge.

Ich möchte nur noch mit Männern am Tisch sitzen, die sich genauso freudig wie ich die Nudeln auf den Teller schaufeln und mich anschließend anflehen, ihnen doch bitte, bitte den Nachschlag zu überlassen. Männer, die bei einem ausgedehnten Frühstück ohne mit der Wimper zu zucken vier bis fünf Brötchen essen und mir das Gefühl geben, dass meine drei Schrippen eine wirklich übersichtliche Diätportion seien. Männer, die nicht nach ihrer täglichen Chips-Schokolade-Cola-Ration sagen: "Ich weiß auch nicht, warum ich nicht zunehme." Und vor allem Männer, die mindestens zwei Jeansgrößen größer tragen als ich und sich beim Umarmen nicht anfühlen wie eine Sprossenwand. Beim Körpervolumen hört für mich die Emanzipation nämlich auf.

BRIGITTE 09/05
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