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Echte Vorbilder 3 Liebes-Lektionen, die ich von meinen Eltern gelernt habe

Was ich von meinen Eltern über die Liebe weiß: Ein älteres Paar hält Händchen
© Dragon Images / Shutterstock
Was Liebe für uns im einzelnen bedeutet, bestimmen hauptsächlich unsere Erfahrungen und Beobachtungen. Bei unserer Autorin hat etwa die Beziehung ihrer Eltern ihr Bild von Liebe maßgeblich geprägt.

Als Kind habe ich mir so gut wie nie Gedanken über die Beziehung meiner Eltern gemacht oder hinterfragt, was sie verbindet und wie sie zueinander stehen. Auch für ihre Geschichte, z. B. ihr Kennenlernen und wie sie zusammengekommen sind, habe ich mich nicht besonders interessiert. Mittlerweile bin ich reifer und reflektierter (glaube ich!) und mir ist klar, dass meine Eltern meine Vorstellung von Liebe in hohem Maße geprägt haben – und dafür verantwortlich sind, dass ich aus tiefstem Herzen daran glaube, dass wahre Liebe existiert.

3 Liebes-Lektionen, die ich von meinen Eltern gelernt habe

1. Liebe kennt keine Regeln

Bei meinen Eltern kam so gut wie alles zusammen, was laut Experten nicht zusammenkommen sollte, wenn man eine lange, glückliche Beziehung führen möchte:

  • Meine Mutter war die erste Frau, in die mein Vater wirklich verliebt war – und es heißt ja, man müsse zwei Mal lieben, ehe man bereit für die lebenslange Liebe ist.
  • Meine Eltern sind sehr unterschiedlich in Bezug z. B. auf ihren Bildungsgrad, ihren Glauben, ihre Interessen, ihre Strategien im Umgang mit Konflikten etc. – und es heißt ja, je ähnlicher man sich in diesen Punkten sei, umso besser und vielversprechender für die Beziehung.
  • Die Beziehung meiner Eltern ist aus einer anfangs geheimen Affäre entstanden – und es heißt ja, Affären seien in der Regel nur Affären.

Laut Statistik hätten sich meine Eltern also nach maximal ein paar gemeinsamen Jahren trennen müssen, doch tatsächlich waren sie fast 40 Jahre zusammen und unzertrennlich – bis mein Papa 2017 starb. Was ich daraus lerne: Wenn dein Gefühl sagt, es ist richtig und passt, ist alles andere egal.

2. Es ist egal, wie es aussieht, solange es funktioniert

Bevor ich auf der Welt war, hatten meiner Eltern sicherlich eine sehr romantische Zeit – das belegen zumindest alte Briefe und Fotos von damals. Doch der weitaus größere Teil ihrer Beziehung, die knapp 30 Jahre, die ich mitbekommen habe, wirkte – naja – nicht gerade instagramable, könnte man sagen. Z. B. gingen meine Eltern so gut wie nie auf Dates oder brachten uns Kinder irgendwo unter, damit sie Zeit für sich hatten. Mein Vater fuhr im Sommer oft alleine an den Strand und wir flogen gelegentlich ohne ihn in den Urlaub, während er arbeitete. Rosen? Romantik? Leidenschaft? Bekam ich als Kind nicht viel von mit. Meine Eltern trugen nicht einmal Eheringe. Dafür hatten sie ihre Rituale, z. B. spielten sie immer zusammen, sahen gewisse Sendungen im Fernsehen o. Ä.. Zu besonderen Anlässen wie Geburtstag und Muttertag brachte mein Vater meiner Mutter selbstgepflückte Blumen mit – vorzugsweise Margeriten, ihre Lieblingsblumen. Und meine Mutter kochte ihm sein Lieblingsessen. Es waren Kleinigkeiten, die den beiden etwas bedeuteten, mit denen sie sich gegenseitig eine Freude machten und ihre Liebe zeigten. Große, romantische Gesten oder Geschenke, wie man sie aus Filmen und Serien kennt, brauchten meine Eltern offenbar nicht. 

3. Wer sich liebt, geht lieber zu zweit durch die Hölle als alleine durchs Paradies

Der Ruhestand lief für meine Eltern leider anders als geplant: Unmittelbar nachdem mein Vater seine Arztpraxis verkauft hatte, um sein Rentnerdasein zu genießen, wurde er krank. Dadurch wurden all ihre Träume und Vorhaben – zusammen reisen, vielleicht halbjährlich irgendwo leben, wo's schön ist – zunichte gemacht. Stattdessen machten sie einige sehr schwere Zeiten durch, doch die schweißten sie nur noch mehr zusammen. Ganz ehrlich: Ich hielt es zunächst für selbstverständlich, dass meine Mutter bei meinem Vater blieb und sich um ihn kümmerte. Doch wenn ich mich umschaue, wird mir klar, dass es das nicht ist. Ich kenne so viele Paare, die auseinandergegangen sind, als es für einen der Partner schwer wurde und der andere deshalb zurückstecken musste. Der Mann sitzt durch einen Unfall plötzlich im Rollstuhl, also überlässt seine Partnerin ihn dem Pflegeheim und lebt alleine im gemeinsamen Haus. Ein anderer muss sich um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern, also packt seine Freundin ihre Sachen und sucht sich einen anderen. Meine Eltern hätten sich niemals im Stich gelassen, sie hielten immer zusammen. Und spätestens als ich erlebte, wie meine Mutter weinte, als mein Vater gestorben war, verstand ich auch, warum.


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