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Was ist Freundschaft? Merkmale und Definition

Was ist Freundschaft? Zwei Frauen fahren nebeneinander Rad und halten sich an den Händen
© Jacob Lund / Shutterstock
Jeder Mensch braucht Freunde, aber was ist Freundschaft im Kern und woran können wir sie erkennen? Hier findest du Antworten.

Freundschaft ist individuell

Freunde sind in unserem Leben kein Luxus, sondern unverzichtbar – denn ohne Freunde ist es schwer bis unmöglich, Selbstbewusstsein zu entwickeln, Krisenzu überstehen und glücklich zu werden (s. unten). Auf jeden Fall sollte Freundschaft deshalb auf unserer Prioritätenliste ganz weit oben stehen!

Genauso individuell und unterschiedlich wie Menschen sind aber auch Freunde einzigartig sowie das, was sie verbindet – aka Freundschaft. Insofern kann eine Definition dieses Begriffs niemals so klar, einfach und vollständig ausfallen wie die von "Thermo-Mix" oder "Aubergine". Macht aber nichts, denn auch wenn wir uns mit Merkmalen, Fakten und Definitionsansätzen auseinandersetzen, bekommen wir ein besseres Gefühl und eine konkretere Vorstellung davon, was Freundschaft ist und wie wir wahre Freunde erkennen. Also tun wir genau das jetzt. 

Was ist Freundschaft? Eine Definition

Der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb Freundschaft als "eine Seele in zwei Körpern" und im Deutschen wurden die Begriffe "Freundschaft" und "Verwandtschaft" bis ins 17. Jahrhundert synonym verwendet. Das zeigt, wie eng freundschaftliche Beziehungen traditionell empfunden werden

Die aktuell gängige Definition von Freundschaft lautet:

  • "Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. [...] Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften."

Man könnte auch sagen, Freundschaft ist eine besondere (Anziehungs-)Kraft zwischen Menschen, die sich vor allem aus folgenden Quellen speist:

  • Gefühle
  • Das Bekenntnis zueinander bzw. die Entscheidung, befreundet zu sein
  • Gemeinsamkeiten und gegenseitiges Verständnis
  • Zeit, Erfahrung und Erinnerungen

Was ist Freundschaft? Daten und Fakten

1. Tiefe Freundschaft braucht Zeit

Welche Rolle der Faktor Zeit für eine Freundschaft tatsächlich spielt, hat unter anderem eine Gruppe von Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Soziologie und Psychologie unter der Leitung des Nobelpreisträgers Jeffrey A. Hall untersucht.  Laut dieser Studie mit gut 350 Teilnehmern müssen Menschen mindestens 140 Stunden zusammen verbringen, um sich als "gute Freunde" zu empfinden, "beste Freundschaften" brauchen mindestens 300 Stunden. Hier die Übersicht über alle in der Untersuchung unterschiedenen Freund- oder Bekanntschaftsformen in Relation zur Zeit. 

  • Bekanntschaft, "Freunde von Freunden": Weniger als zehn Stunden
  • Unverbindliche Freundschaft: Ab 30 Stunden
  • Freundschaft: Ab 50 Stunden
  • Gute Freundschaft: Ab 140 Stunden
  • Beste Freundschaft: Ab 300 Stunden

Wie man sieht, werden mit zunehmender Intensität der Beziehung auch die zeitlichen Abstände größer, das heißt, die Schwelle von einer Bekanntschaft zur Freundschaft scheint niedriger zu sein als die von einer guten zur besten Freundin. Auf jeden Fall zeigt die Studie jedoch: Bis eine tiefe Freundschaft entsteht, braucht es Zeit.

2. Freunde machen glücklich und gesund

Eine Studie von Psycholog*innen der US-amerikanischen Brigham Young Universität kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit stabilen Freundschaften gesünder seien und sogar eine um 50 Prozent höhere Lebenserwartung hätten als Personen ohne starkes soziales Netzwerk. Außerdem habe ein echter Freund, mit dem wir täglich Zeit verbringen, für unser Glücks- und Zufriedenheitsempfinden laut dieser Untersuchung einen genauso positiven Effekt wie 90.000 Euro Jahresgehalt.  

3. Ab gewissem Alter sinkt die Freundeszahl

In einer soziologischen Studie von Wissenschaftlern der Aalto und Oxford Universitäten um den Psychologen Robin Dunbar, stellte sich heraus, dass die Zahl unserer Freundschaften bis zu einem Alter von rund 25 Jahren zunehme, von da an jedoch zurückgehe – dafür werden aber die Beziehungen, die uns bleiben, stabiler und inniger. Übrigens: Generell liege das Maximum bekanntschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen, die ein Mensch pflegen kann, zwischen 100 und 200. Der an letztgenannter Studie beteiligte Psychologe Dunbar kam in einer seiner Untersuchungen auf die Zahl 148, die heute auch als Dunbar-Zahl bekannt ist.

4. Nur die Hälfte unserer Freundschaften beruht auf Gegenseitigkeit

Eine etwas erschreckende Nachricht zum Thema Freundschaft: Laut Untersuchungen von Wissenschaftler*innen der Universität von Tel Aviv und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) beruht nur etwa die Hälfte unserer Freundschaften auf Gegenseitigkeit, d. h. von zehn Menschen, die wir als Freundin oder Freund bezeichnen würden, würden nur fünf das Gleiche über uns sagen. Der Anteil gegenseitiger Freundschaftsbeziehungen schwanke demnach zwischen 34 und 53 Prozent, so die Forscher*innen. 

Aber ist eine einseitige Freundschaft überhaupt wahre Freundschaft? Das klären wir jetzt.

10 Merkmale wahrer Freundschaft

1. Bedingungslosigkeit

Freunde stellen keine Bedingungen, sondern sind füreinander da, wenn sie gebraucht werden. Sie akzeptieren sich, wie sie sind.

2. Ehrlichkeit

Freunde können aufrichtig und ehrlich miteinander umgehen und reden, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind oder sich gegenseitig Feedback geben.

3. Vertrauen

Um offen und ehrlich miteinander umgehen zu können, muss man sich gegenseitig vertrauen – außerdem zieht Ehrlichkeit Vertrauen nach sich. Das erklärt, warum tiefe Freundschaften Zeit brauchen.

4. Authentizität

Freunde können authentisch sein, wenn sie zusammen sind, d. h. sie brauchen sich nicht zu verstellen oder zusammenzureißen. 

5. Emotionale Nähe

Freunde fühlen sich einander nahe, auch wenn sie räumlich getrennt sind und sich länger nicht sehen. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie oft an den anderen denken, sich dafür interessieren, wie es ihm geht, und mit ihm mitempfinden.

6. Verständnis

Freunde haben Verständnis füreinander und können sich deshalb verzeihen und sich gegenseitig unterstützen sowie das geben, was sie jeweils brauchen (Freiraum, Trost, Support, Ruhe ...)

7. Gemeinsamkeit

Freunde haben typischer Weise Gemeinsamkeiten, die sie verbinden. Hobbys, Interessen, Erfahrungen, Lebenseinstellung – ganz ohne Gemeinsamkeiten ist es schwer bis unmöglich, Vertrauen und Verständnis zu entwickeln.

8. Rücksichtnahme

Freunde nehmen Rücksicht aufeinander. Wenn es dem einen schlecht geht, belastet der andere ihn nicht noch zusätzlich mit seinen Problemen. Wenn der eine gerade viel um die Ohren hat, macht ihm der andere keine Vorwürfe, dass er zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

9. Treue

Freunde halten zusammen, stehen füreinander ein und sind sich treu. Sie verteidigen sich gegenseitig und können sich aufeinander verlassen.

10. Gegenseitigkeit

Wahre Freundschaft geht immer in beide Richtungen. Sei es Treue, Ehrlichkeit oder Bedingungslosigkeit – in einer echten Freundschaft beruhen diese Merkmale auf Gegenseitigkeit.

Was ist Freundschaft? Die schönsten Zitate

  • "Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt." (Otto von Bismarck)
  • "Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund." (Heinrich von Kleist)
  • "Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde zu unserem Unglück." (Marie von Ebner-Eschenbach)
  • "Einen sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache." (Marcus Tullius Cicero)
  • "Echte Freunde erkennst du nicht daran, wie sie dich loben, sondern daran, wie sie dich kritisieren." (chinesisches Sprichwort)
  • "Ein wahrer Freund ist ein Mensch, der dein Lächeln sieht, und trotzdem spürt, dass deine Seele weint." (Quelle unbekannt)
  • "Das erste Gesetz der Freundschaft lautet, dass sie gepflegt werden muss. Das zweite lautet: Sei nachsichtig, wenn das erste verletzt wird." (Voltaire)
  • "Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze." (George Washington)
  • "Ältere Freundschaften haben vor neuen hauptsächlich voraus, dass man sich schon viel verziehen hat." (Johann Wolfgang von Goethe)

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