Großer Psychotest von Stefanie Stahl: Welcher Nähe-Typ bist du?

Die einen brauchen viel Nähe, die anderen lieben ihre Freiheiten. Zu welchem Typ gehörst du? Der große Persönlichkeitstest von Psychologin Stefanie Stahl ("Jeder ist beziehungsfähig") gibt Aufschluss!

Der Persönlichkeitstest stammt aus dem neuen Magazin BRIGITTE LEBEN mit Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl (jetzt am Kiosk!).

Vielleicht kennst du den Gedanken: Eigentlich wärst du in deiner Beziehung glücklich – wenn der andere dich nur etwas mehr in sein Leben ließe. Oder hast du eher das Gefühl, dass sich im Leben deines Partners, deiner Partnerin alles um dich dreht – dabei hättest du lieber mehr Freiräume?

Die Nähe- und Distanzwünsche spielen in jeder Beziehung eine wichtige Rolle und können reichlich Stoff für Konflikte liefern.

Der folgende Test verrät dir, wie viel Nähe du wirklich brauchst – egal, ob du Single bist, in einer Partnerschaft lebst oder das Gefühl hast, immer wieder an den Falschen zu geraten. 

Kreuze bitte nur jene Aussagen an, die für dich zutreffen. Bist du gerade Single, beziehe die Fragen auf eine vergangene Beziehung, die für dich wichtig war. 

1

Ich liebe Harmonie in meiner Partnerschaft, aber wenn es drauf ankommt, kann ich meine Interessen gut vertreten.

2

Es passiert mir, dass ich in harmonischen Momenten, die ich mit meinem Partner erlebe, einen Streit vom Zaun breche.

3

Der Sex mit meinem Partner ist zwar nicht mehr so leidenschaftlich wie am Anfang der Beziehung, aber wir können ihn immer noch genießen.

4

Nach der ersten Leidenschaft verliere ich oft das sexuelle Interesse an meinem Partner.

5

Ich fühle mich in meiner Partnerschaft öfter einsam.

6

Ich denke, dass ich genüge, so wie ich bin.

7

Ich denke öfter darüber nach, meine Beziehung zu beenden.

8

Ich vertraue darauf, dass man mich mit meinen Stärken und Schwächen lieben kann.

9

Oft merke ich erst später, wenn mich eine Bemerkung verletzt hat.

10

Ich hätte in meiner Partnerschaft gern mehr Nähe und Leidenschaft.

11

Einen potenziellen Partner prüfe ich sehr genau.

12

Ich habe öfter Angst, dass mein Partner mich verlassen könnte.

13

Ich bin sehr gern in der Nähe meines Partners, kann aber auch gut verstehen, wenn er mal Dinge ohne mich unternimmt.

14

Es kommt häufiger vor, dass mein Partner unsere gemeinsamen Pläne kurzfristig über den Haufen wirft.

15

Ich bin schon seit über fünf Jahren Single.

16

Ich suche mir meist bodenständige Partner aus, die mit dem Leben klarkommen.

17

Meine Partnerschaft ist durch ein hohes Maß an Zuverlässigkeit auf beiden Seiten geprägt.

18

In einer Partnerschaft gebe ich oft meiner Arbeit und Hobbys den Vorrang.

19

Meine Eltern haben mir eine gute Ehe vorgelebt.

20

In einer Partnerschaft benötige ich viel persönlichen Freiraum.

21

Wenn mein Partner und ich uns streiten, versöhnen wir uns, ohne nachtragend oder verletzt zu sein.

22

Es ist mir schon öfter passiert, dass ich von einem schwierigen Partner nicht losgekommen bin.

23

Ich wünsche mir oft, mein Partner würde sich mehr für uns engagieren.

24

Es fällt mir leicht, mich meinem Partner zu öffnen, wenn ich ein Problem habe.

25

Ich mache mir viele Gedanken darüber, wie mein Partner zu mir und unserer Beziehung steht.

26

In meiner Beziehung komme ich öfter zu kurz.

27

Es war schon öfter so, dass mir nach der ersten Verliebtheit viele Zweifel an meinem Partner kamen.

28

Im Umgang mit meinem Partner fühle ich mich frei und authentisch.

29

In einer Partnerschaft gehe ich ungern Kompromisse ein.

30

Ich habe öfter Schuldgefühle, weil ich meinen Partner nicht so lieben kann wie er mich.

31

Meine Partnerschaft vermittelt mir ein Gefühl von Sicherheit.

32

Ich gebe mir Mühe, für meinen Partner attraktiv und verführerisch zu sein.

33

Ich fühle mich zu 50 Prozent fürs Gelingen einer Partnerschaft verantwortlich.

34

In meiner Beziehung herrscht ein ausgewogenes Geben und Nehmen.

35

Mein Partner möchte oft mehr Nähe, als mir lieb ist.

36

Die Erwartungen meines Partners schnüren mir häufig den Hals zu.

37

Ich ertappe mich öfter dabei, dass ich die Wünsche meines Partners (und anderer Menschen) wichtiger nehme als meine eigenen.

38

Es fällt mir häufig schwer, meine eigenen Interessen zu vertreten.

39

Wenn ich ehrlich bin, lasse ich mir ziemlich viel von meinem Partner bieten.

40

Manchmal bin ich von den Schwächen meines Partners richtig abgetörnt.

41

Es nervt mich, wenn mein Partner gemeinsame Pläne schmieden will, ich entscheide lieber spontan.

42

Mein Partner und ich begegnen uns auf Augenhöhe.

43

Ich würde gern noch viel mehr Zeit mit meinem Partner verbringen.

44

Wenn ich einen Urlaub mit meinem Partner verbracht habe, benötige ich erst einmal wieder etwas Abstand.

45

Ich werde schnell nervös, wenn mein Partner eine Textnachricht länger nicht beantwortet.

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Die Balance-Künstlerin

Sie sind in einer glücklichen Beziehung angekommen und können sich auf Ihren Partner einlassen, ohne an ihm zu klammern. Es fällt Ihnen leicht, sich in Ihren Partner einzufühlen und Verantwortung für ihn zu übernehmen. Diese Verantwortung erleben Sie als eine freiwillige Entscheidung und nicht als eine erdrückende Verpflichtung. Verantwortung bedeutet für Sie, dass Sie Ihren Partner mit Liebe und Wertschätzung behandeln. Was Verantwortung für Sie hingegen nicht bedeutet, ist, dass Sie Ihrem Gefährten alles recht machen müssen. Im Gegenteil, Sie finden es richtig, wenn Sie für Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse eintreten und Ihr Partner sich nicht Ihren Kopf zerbrechen muss.

Wenn Sie und Ihr Partner unterschiedliche Vorstellungen hegen, verhandeln Sie beide kompromissbereit. Weil es Ihnen leichtfällt, für Ihre Rechte einzutreten, fühlen Sie sich frei in Ihrer Beziehung und authentisch. Vermutlich haben Sie bereits in Ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht, dass Konflikte zu einer Klärung beitragen können und eine Beziehung nicht daran zerbrechen muss. Sie wissen: Nach einem Streit ist alles wieder gut – er hinterlässt keine Narben, weil Sie Ihrem Partner vertrauen können.

Zum Gelingen Ihrer Beziehung trägt auch bei, dass Sie sich selbst ganz gut reflektieren. Sie kennen Ihre Schwächen und übernehmen für diese die Verantwortung. Somit passiert es Ihnen eher selten, dass Ihr Partner für Ihre Probleme herhalten muss. Ihre Erwartungen an ihn oder sie sind realistisch. Sie lieben es, in seiner Nähe zu sein, gestehen ihm aber auch Freiräume zu. Das Gleiche beanspruchen Sie für sich.

Es liegt Ihnen fern, sich für Ihren Partner zu verstellen. Sie stehen nicht nur zu Ihren Bedürfnissen, sondern auch zu Ihren Stärken und Schwächen. Sie fühlen sich von Ihrem Partner als ganze Person angenommen. Ihre Authentiziät verleiht Ihrer Beziehung Lebendigkeit. Umgekehrt blicken auch Sie wohlwollend auf die Schwächen Ihres Partners und stellen seine Stärken in den Vordergrund.

Ihre Partnerschaft zeichnet sich auf beiden Seiten durch ein hohes Maß an Zuverlässigkeit aus. Diese stiftet Geborgenheit und Sicherheit. Der Sex ist zwar nicht mehr so leidenschaftlich wie in der verliebten Anfangszeit, aber Sie können ihn nach wie vor genießen. 

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Die Überanhängliche

Sie sehnen sich nach viel Nähe und Geborgenheit, die Sie jedoch in Ihrer Partnerschaft meistens nur für kurze Zeit finden. Vielleicht laufen Sie auch einem Partner hinterher, der sich nicht auf eine Beziehung mit Ihnen einlässt. Es passiert Ihnen leider immer wieder, dass Sie sich Partner aussuchen, die wenig geneigt sind, Verantwortung in der Beziehung zu übernehmen. Unglücklicherweise finden Sie nämlich jene, die beziehungstauglicher wären, eher langweilig. Sie stehen auf autonome Typen, die ein hohes Maß an Unabhängigkeit ausstrahlen – und das sind meist jene, die sich nicht gern eng binden. 

Der Umstand, dass Ihr Partner immer wieder Distanz herstellt beziehungsweise nicht sicher einzufangen ist, löst in Ihnen Verlustangst aus und den starken Wunsch, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Vielleicht haben Sie aber auch einen Partner, der sich zwar auf die Beziehung mit Ihnen einlässt, aber ansonsten ein "Problemfall" ist, weil er finanziell am Abgrund steht, psychische Probleme aufweist oder sich in einer desolaten Lebenssituation befindet. Ihre Sehnsucht nach Bindung lässt Sie immer wieder Verständnis aufbringen, und Sie helfen ihm bis zur Selbstausbeutung. 

Sollte sich Ihr Partner hingegen immer wieder der Zweisamkeit entziehen, sind Sie wahrscheinlich bemüht, ihn von sich zu überzeugen und können hierbei einen ziemlich langen Atem entwickeln. Sie versuchen, sein widersprüchliches Verhalten zu verstehen und zu entschuldigen. Vielleicht feilen Sie auch an Ihrer äußeren Erscheinung, oder das ambivalente Verhalten Ihres Partners verleitet Sie dazu, ihm nachzuspionieren. Ihre Gedanken kreisen um die Fragen, warum er oder sie sich so sprunghaft verhält, was Sie tun können, um dies zu ändern, und in späteren Phasen der Beziehung, warum Sie nicht loslassen können.

Gerade weil Sie sich Ihres Partners nicht ganz sicher fühlen, steigert dies Ihre Verliebtheit und Leidenschaft, und Sie geben die Hoffnung nicht auf, dass am Ende noch alles gut wird. Diese Hoffnung ernährt Ihre Leidensfähigkeit – Sie lassen sich recht viel von Ihrem Partner gefallen. Ihr Partner ist der Alleinherrscher über Nähe und Distanz, Sie sind in einer unterlegenen Position und schauen zwangsläufig zu ihm auf. Sie idealisieren Ihren Partner und blenden die Realität weitgehend aus.

Der Kontrollverlust ist ein Grund, weshalb Sie an der Beziehung festhalten. Ein weiterer ist, dass Sie im tiefsten Inneren überzeugt sind, es läge an Ihnen, dass Ihr Partner sich der Zweisamkeit entzieht. Die Abfuhren, die Sie hinnehmen, nagen an Ihrem Selbstwertgefühl und lassen Sie an Ihrer Attraktivität und Liebenswürdigkeit zweifeln.

Und das können Sie tun: 

Sie stecken in einer Gefühlsfalle – gerade, weil Ihr Partner so ambivalent ist, sind Sie unheimlich verliebt in ihn. Nichts steigert die Gefühle nämlich so sehr wie Verlustangst. Wenn Ihr Partner Ihnen hingegen zu Füßen läge, wäre er vermutlich gar nicht mehr so attraktiv für Sie. Vielleicht haben Sie in einer anderen Partnerschaft auch schon die Erfahrung gemacht, dass Sie einen zuverlässigen und beständigen Menschen etwas langweilig fanden beziehungsweise einen durchaus beziehungsfähigen Kandidaten nicht erhört haben.

Das Problem ist, dass Sie aufgrund der vielen Zurückweisungen, die Sie erleiden, sehr gekränkt sind. Nun soll jedoch gerade der Mensch, der Ihnen die Wunden zugefügt hat, Ihnen diese heilen, indem er sich voll und ganz zu Ihnen und der Beziehung bekennt. Und mit diesem Lösungsversuch hängen Sie an der Angel.

Sie stecken in einem Mechanismus fest, der in der Psychologie als das "gespiegelte Selbstwertempfinden" bezeichnet wird. Das heißt, Ihr Partner spiegelt Ihnen immer wider, dass er Sie nicht haben will – oder mal haben will und dann auch wieder nicht. Die Folge ist, dass Sie den Fehler bei sich selbst suchen und fälschlicherweise denken, Sie müssten noch attraktiver werden, damit er sich voll auf Sie einlässt.

Durch diese Sichtweise verlieren Sie dramatisch an Augenhöhe, und Ihre Versuche, ihn von sich zu überzeugen, machen Sie in seinen Augen leider nicht attraktiver. In Ihrer Lage ist es wahrscheinlich, dass Sie häufig das Beziehungsgespräch suchen, mehr Aufmerksamkeit einfordern, klammern und auch die eine oder andere Szene hinlegen. Dies ist sehr verständlich, schließlich löst sein Verhalten bei Ihnen eine hochgradige Verunsicherung und auch viel Kummer aus. Nur sind es genau jene Verhaltensweisen, die ihn die Flucht ergreifen lassen. Er oder sie kann mit Ihren Erwartungen nicht umgehen, Sie bringen ihn in die emotionale Klemme. Es wird also höchste Zeit, dass Sie wieder mehr Autonomie erlangen und Ihr Selbstwertgefühl stabilisieren.

Im ersten Schritt empfehle ich Ihnen, eine nüchterne Bestandsaufnahme Ihrer Beziehung zu machen. Hierfür schalten Sie bitte Ihren Verstand ein und betrachten sich und Ihren Partner aus der Distanz. Am besten ziehen Sie eine Glaswand zwischen sich und ihn und analysieren, mit welchen Verhaltensweisen er dazu beiträgt, dass die Beziehung so schwierig ist, und mit welchen Verhaltensweisen Sie selbst dazu beitragen. Wenn die Analyse abgeschlossen ist, übergeben Sie ihm bitte die volle Verantwortung für seinen Anteil und übernehmen die Verantwortung für jenen Anteil, der zu Ihnen gehört. Nun fragen Sie sich bitte: Was sagt das Verhalten meines Partners über meinen Wert aus? (Hierauf kann es nur eine sinnvolle Antwort geben, nämlich: gar nichts!)

Nun erstellen Sie eine realistische Prognose, wie hoch die Chance ist, dass Ihr Partner sich verändern wird. Falls er bereit ist, an seinen Anteilen zu arbeiten, gibt es eine Chance, dass Sie miteinander noch glücklich werden. Verschließt er sich hingegen seiner eigenen Weiterentwicklung, dann sieht die Prognose düster aus.

Im letzten Schritt dieser Übung stellen Sie sich vor, Sie wären Ihr eigener Coach: Was würden Sie sich raten? Bitte führen Sie dieses Coaching von der Warte Ihres Verstandes aus und nicht unter Beteiligung Ihrer verletzten Gefühle.

Egal, ob Sie bei Ihrem Selbst-Coaching zu dem Ergebnis gekommen sind, dass Sie sich trennen müssen oder der Beziehung noch eine Chance geben möchten: In beiden Fällen rate ich Ihnen dringend, an Ihrer Autonomie zu arbeiten. Allein darauf zu warten, dass Ihr Partner sich verändert, ist sinnlos.

Bitte denken Sie auch daran, dass Sie für ihn umso attraktiver werden, je unabhängiger Sie sich von ihm machen. Es wird also höchste Zeit, dass Sie selbst wieder die Kontrolle über Ihr Leben bekommen. Alles ist erlaubt, was zu Ihrer guten Laune beiträgt. Treffen Sie sich mit Freunden und unternehmen Sie schöne Dinge ohne Ihren Partner. Fangen Sie ein neues Hobby an oder intensivieren Sie ein altes. Denken Sie auch darüber nach, wie Sie sich vielleicht beruflich weiterentwickeln könnten. Kurzum: Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand und sorgen Sie auf allen Ebenen für Ihr Wohlergehen und Ihre persönliche Weiterentwicklung.

Außerdem möchte ich Ihnen ans Herz legen, diese Zeit der persönlichen Krise zu nutzen, indem Sie sich um Ihr "inneres Kind" kümmern, also jenem Anteil Ihrer Persönlichkeit, der von Ihrer Kindheit geprägt ist. Versuchen Sie, den roten Faden Ihres Beziehungsmusters in Ihrer Kindheit zu ergründen. Schließen Sie die Bekanntschaft mit Ihrem inneren Kind, das sich immer wieder verlassen fühlt und der Liebe hinterherläuft. Begegnen Sie sich mit Mitgefühl und kümmern Sie sich um Ihre Selbstheilung, statt auf Ihren Partner zu warten. Sofern auch Ihr Partner an seinen Mustern arbeitet, kann dies die Grundlage für eine liebevolle und nahe Beziehung werden.

Falls Sie Ihren Weg erst einmal allein fortsetzen müssen, wird Ihre persönliche Weiterentwicklung die Tür für eine neue Partnerschaft öffnen, in der Sie endlich richtig ankommen werden.

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Die Näheflüchterin

Einerseits sehnen Sie sich nach Nähe in der Partnerschaft. Wenn Sie sie jedoch haben, wird sie Ihnen schnell zu viel. So kann es passieren, dass Sie nach intensiven Momenten wieder Distanz zu Ihrem Partner suchen, indem Sie sich beispielsweise in Aktivitäten flüchten.

Wenn Ihr Partner Ihnen zu nah kommt, fühlen Sie sich schnell eingeengt, Ihr Partner mutiert bald nach der verliebten Anfangszeit in Ihren Augen zum Freiheitsdieb. Ihre Zweifel wachsen, ob er oder sie überhaupt der oder die Richtige ist.

Mit einer Partnerschaft verbinden Sie nicht nur Liebe und Geborgenheit, sondern vor allem Freiheitsverlust und Kompromisse. Sie aber benötigen viel persönlichen Freiraum. Wahrscheinlich reagiert Ihr Partner hierauf verunsichert und pocht auf mehr Zweisamkeit. Und das setzt bei Ihnen eine Kettenreaktion in Gang:

Seine Forderungen lösen in Ihnen Widerstand aus, Sie fühlen sich unter Druck, weil Sie im Innersten nicht das Gefühl haben, mit gutem Gewissen Nein sagen zu dürfen. Und dies führt – paradoxerweise – dazu, dass Sie sich umso härter abgrenzen, gerade weil Sie nämlich meinen, alle Ansprüche erfüllen zu müssen. Vielleicht bestehen Sie auf getrennten Wohnungen. Oder Sie leben zwar mit Ihrem Partner zusammen, sorgen jedoch immer wieder dafür, dass Sie auch viel Zeit mit anderen Dingen verbringen. Eventuell brechen Sie auch mal einen Streit vom Zaun – nur, um Ihren Partner auf Abstand zu halten. Oder Sie verschanzen sich hinter Ihrer Arbeit oder flüchten sich in eine Außenbeziehung.

Je weniger Ihr Partner jedoch von Ihnen erwartet und je entspannter er auf Ihre Autonomiebestrebungen reagiert, desto lieber sind Sie mit ihm zusammen. Wenn Sie sich frei fühlen, gehen Sie gern auf ihn zu und können exklusive Momente von Nähe mit ihm genießen.

Und das können Sie tun: 

Liebe und Freiheit passen in Ihrer Vorstellung nicht gut unter einen Hut. Ihre eigenen Bedürfnisse können Sie am besten wahrnehmen und erfüllen, wenn Sie allein sind. Sobald ein anderer Mensch – insbesondere Ihr Partner – in der Nähe ist, springt Ihr inneres Programm an, es ihm irgendwie recht machen zu müssen. Sie wehren dann die Nähe ab, um Ihre Freiräume zu schützen. Auf einer tieferen Ebene verbirgt sich dahinter Verlustangst. So glauben Sie in Wahrheit nicht, dass Sie so, wie Sie wirklich sind, geliebt werden. Diese Verlustangst ist Ihnen jedoch in der Regel weniger bewusst als Ihr Widerstand, sich den Erwartungen Ihres Partners zu beugen.

Es lohnt sich ein Blick in die Kindheit: Was hat man Ihnen früher vermittelt? War die Liebe Ihrer Eltern an Bedingungen geknüpft? Mussten Sie zu viel Verantwortung für das Glück Ihrer Eltern übernehmen? Vielleicht waren Ihre Eltern lieblos, und Sie konnten als Kind nur durch Überanpassung mit ihnen klarkommen? Beschäftigen Sie sich also mit der Frage, was Ihr heutiges Beziehungsmuster geprägt hat. Wodurch haben Sie sich diese Allergie gegen Erwartungen zugezogen?

Dann machen Sie sich bitte im zweiten Schritt mithilfe Ihres Verstandes klar, dass Sie heute erwachsen sind und Ihr Partner nicht Ihre Eltern verkörpert. Lösen Sie diese alte Projektion in Ihrem Kopf auf, indem Sie sich immer wieder Ihrer heutigen Realität gewahr werden.

Konkret bedeutet dies: Immer wenn Sie sich dabei ertappen, dass Sie wieder in Ihrem Kindheitsmuster gefangen sind, schalten Sie um auf Ihren erwachsenen Verstand und stellen ein bisschen Abstand zu der aktuellen Situation her. Von dort aus können Sie klar erkennen, dass Sie sich mit Ihrem Partner auf Augenhöhe befinden und dass Sie Ihre Beziehung mitgestalten können. Mitgestalten ist das Gegenteil von mauern und flüchten. Es bedeutet, dass Sie Ihre Bedürfnisse angemessen vertreten und sich hierfür nicht in die Einsamkeit flüchten müssen.

Anstatt also innerlich und äußerlich abzutauchen, rate ich Ihnen, mit Ihrem Partner (oder zukünftigem Partner) über Ihre Probleme zu sprechen. Offenzulegen, dass Sie sehr empfindlich auf Erwartungen reagieren und sich schnell unter Druck fühlen. Wichtig ist, dass Ihr Partner nun seine (berechtigten) Erwartungen nicht immer weiter zurückschrauben muss, sondern dass Sie sich darin üben, für Ihre Wünsche innerhalb der Beziehung einzutreten. Aber Vorsicht: Wenn Sie meinen, ihm nun erklären zu müssen, dass Sie immer noch mehr Freiräume benötigten, sind Sie noch in Ihrem alten Muster gefangen. Machen Sie sich klar: Sie sind mit Ihrem Partner auf Augenhöhe. Je freier Sie sich fühlen, innerhalb der Beziehung für Ihr Wohlergehen zu sorgen, desto seltener werden Sie die Flucht antreten müssen. Das ist der Weg zu einer harmonischen Nähe, in der beide auch ihre Freiräume haben. 

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Wer hier schreibt:

Stefanie Stahl
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