Wie sage ich meinem Kind, dass ich seinen Vater nicht mehr sehen will?

Kinder sind konservativ. Am liebsten möchten sie, dass alles so bleibt, dass Mama und Papa zusammenbleiben. Deshalb wird man es oft wiederholen müssen: Mama und Papa sind nicht glücklich miteinander, sie werden nicht mehr zusammenleben. Aber beide haben dich lieb und werden immer für dich da sein. Es geht darum, dem Kind Ängste zu nehmen. Und ihm klar zu machen: Du bist nicht schuld an der Trennung deiner Eltern. Wir haben 150 Scheidungsfamilien im Abstand von zwölf Jahren befragt. Das Ergebnis war klar: Wer schnell wieder heiratet und "Normalfamilie" spielt, tut dem Kind meist keinen Gefallen. Wenn der Vater ganz aus dem Leben seiner Kinder verschwindet, leiden fast alle Kinder noch nach vielen Jahren, werden krank, verhaltensauffällig oder versagen in der Schule. Auch für die Väter ist dies oft katastrophal. Deshalb sieht das Gesetz inzwischen vor, dass Eltern nach der Scheidung ein gemeinsames Sorgerecht ausüben. Auch wenn es den Erwachsenen, die oft total zerstritten sind, schwer fällt - sie sollten dabei ihrem Kind zuliebe einige Regeln beachten:

Vermitteln Sie Ihrem Kind die Sicherheit, dass es den Vater nicht verliert. Gehen Sie auf seine Besuchswünsche ein. Lassen Sie es Papa anrufen, ohne dass Sit mithören, lassen Sie es Briefe schreiben.

Wenn Sie es selber nicht schaffen, Kontakt zum Vater herzustellen, bitten Sie Großeltern oder Freunde, im Zweifelsfall den Kinderschutzbund. Dort können auch Treffen zwischen Vater und Kindern stattfinden.

Reden Sie nie schlecht über Ihren Ex-Partner. Das Kind gerät sonst in Loyalitätskonflikte.

Bieten Sie Ihren neuen Partner nicht als Ersatzvater an. Das Kind wird das ohnehin nicht mitmachen. Er soll Freund und Kumpel sein, mehr nicht.

Wenn Sie es schaffen, feiern Sie Kindergeburtstage und Weihnachten gemeinsam.

Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Ex-Mann. Vereinbaren Sie feste Besuchs- und Urlaubsregelungen. Setzen Sie sich nach ein paar Jahren zusammen und tauschen sich aus, ob die Regelungen noch sinnvoll sind.

Anneke Napp-Peters, Soziologin, Hamburg ("Familien nach der Scheidung", Verlag Kunstmann) Ein Artikel aus der BRIGITTE