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Conscious Uncoupling Paartherapeutin verrät, wie ihr nach der Trennung wirklich "Freunde bleiben" könnt

Hände die sich berühren
© vvvita / Shutterstock
"Conscious Uncoupling" – auf Deutsch "bewusste Entpaarung" – ist eine Coaching-Methode aus den USA, die eine Trennung im Guten verspricht. Nach sechs Wochen keine harten Gefühle mehr: Wie soll das gehen? Ein Gespräch mit Paartherapeutin Dorothea Behrmann.
INTERVIEW Sonja Niemann

Frau Behrmann, wie kommt eine Paartherapeutin auf die Idee, sich ausgerechnet auf Trennungen zu spezialisieren?

Dorothea Behrmann: Meine eigenen Eltern haben sich sehr böse und zerstritten getrennt, als ich sieben Jahre alt war. Das war schrecklich für mich, ich saß immer zwischen den Stühlen, meinen Vater durfte ich nur alle drei Wochen sehen, weil meine Mutter nicht wollte, dass ich ihn zwischendurch treffe. Und dann bin ich Paartherapeutin geworden, weil ich dachte: Alle Paare müssen immer gerettet werden.

Und?

Tja, wer kam zu mir in die Praxis? Paare, bei denen nichts mehr ging. Bei denen sich einer von beiden innerlich schon längst verabschiedet hatte, wo kein liebevoller Blick mehr ausgetauscht wurde. Wenn noch gestritten wird, ist ja wenigstens noch Energie da. Aber wenn da nur noch Schweigen ist, bleibt eigentlich nur die Frage: Wie gehen wir jetzt bestmöglich auseinander? Es gibt zwar ein paar Ansätze aus der Paartherapie, mit denen man den Leuten helfen kann. Aber ein ganz spezifisches Arbeiten für die emotionale Begleitung von Trennung habe ich nur in den USA gefunden, wo ein Coaching für "Conscious Uncoupling" entwickelt wurde, also für "bewusstes Entpaaren". Darin habe ich mich dann fortgebildet.

Man hörte den Begriff vor einigen Jahren, als die Schauspielerin Gwyneth Paltrow und ihr Mann, Sänger Chris Martin erklärten, sie hätten sich "bewusst entpaart". Ehrlich gesagt dachte ich damals: Ach, diese amerikanischen Promis mit ihrem Positiv-Denken-Getue, selbst nach einer Trennung darf man nicht einfach mal leiden und wütend sein...

Es ist nicht das Ziel, mit dem Ex-Partner noch unbedingt befreundet sein zu müssen. Es geht darum, die Beziehung so friedlich und wohlwollend wie möglich zu beenden und sich selbst und dem anderen zu verzeihen. Damit man wieder wirklich frei wird und in die Zukunft schauen kann. Ich finde, jeder, der sich von einer wichtigen Beziehung trennt, ob mit oder ohne Kinder, sollte das machen.

Sie arbeiten nicht mit dem Paar, sondern nur mit der oder dem Einzelnen. Warum?

Es gibt eine Trennung, aber zwei Geschichten. Es ist ja selten so, dass der eine sagt: "Weißt du, Schatz, ich denke, es ist besser, wenn wir uns trennen", und der andere sagt dann "Ja, Liebling, du hast so recht, das denke ich auch schon die ganze Zeit". Meist ist es nur einer, der gehen möchte oder schon gegangen ist. Und dem geht es meist auch etwas besser als dem anderen, der verlassen wurde. Zu mir kommen vor allem die, die verlassen wurden. Für die ist das Programm denn auch eher zugeschnitten. Es rufen bei mir aber auch die Partner an, die gegangen sind und sagen: Ich weiß, dass ich ihn oder sie sehr verletzt habe, wie kann ich denn helfen?

Wie läuft eine "bewusste Entpaarung" denn konkret ab?

Sie besteht im Wesentlichen aus fünf Schritten, die der Reihe nach durchlaufen werden. Im ersten Schritt geht es vor allem um den Umgang mit negativen Gefühlen, also diesen überwältigenden Gefühlen von Wut, Trauer, Hilflosigkeit. Gibt es etwas, das ich mache, um diese Gefühle nicht so stark spüren zu müssen, wie zu viel trinken, zu viel essen? Wie kann ich mich stattdessen ohne selbstschädigendes Verhalten beruhigen, was brauche ich? Es geht nicht darum, diese Gefühle zu negieren oder wegzumachen. Sondern im Gegenteil darum, sie zu spüren: Was fühlst du, und was fühlst du noch? Wenn man Gefühle benennt, werden sie sofort als nicht mehr ganz so überwältigend empfunden.

Wie geht es dann weiter?

Im zweiten Schritt geht es darum, aus der Opferrolle herauszukommen. Die Geschichte, die wir uns immer wieder – und meist auch anderen – erzählen, ist die, was der oder die andere einem alles angetan hat. Aber das führt zu noch mehr Ohnmacht. Und daher frage ich als Nächstes: Wie sieht die gleiche Geschichte denn aus einer sachlicheren Perspektive aus, wenn man sich auf die Fakten konzentriert? Und: Wie habe ich selbst zu der Situation beigetragen? Wenn ich meinen eigenen Anteil erkenne, ohne mich dabei abzuwerten – "Ich habe es eben versemmelt" –, dann kommen wir wirklich weiter.

Aber wenn er doch nun mal Schuld und mich immer wieder betrogen hat…?

Selbst wenn der andere zu 97 Prozent Schuld hat, sollte man sich angucken, was die eigenen drei Prozent sind. Wenn man das nicht macht, kommt man nicht wieder in die Kraft. Es gibt ja gute Gründe, den anderen zu hassen und ewig auf ihn sauer zu sein. Aber helfen tut es nicht. Hass ist genauso stark wie Liebe, es ist ein Band.

Und was ist mit dem Gegenteil von Hass: Ich liebe ihn, und ich werde nie wieder jemanden so lieben wie ihn?

Es ist normal, dass man am Anfang so denkt. In Schritt vier frage ich dann noch mal. Das sagen Sie dann nicht mehr. Sie wollen doch jemanden, mit dem Sie sein können, wie Sie sind, keine Rolle spielen müssen, sich weder über- noch unterordnen müssen. Wo Sie sich gesehen und geliebt fühlen. Und das ist nicht die Person, die sich von Ihnen getrennt hat.

Bislang ging es noch gar nicht um den Ex-Partner oder die Ex-Partnerin, sondern ausschließlich um einen selbst.

Ja, in den ersten drei Schritten geht es ausschließlich um einen selbst, um eigene Gefühle, auch eigene Muster und Überzeugungen, die man aus der Kindheit mit in die Partnerschaft gebracht hat. Es hilft sehr, die zu erkennen – auch für zukünftige Beziehungen, die Sie ja wieder eingehen wollen. Um den Ex-Partner geht es erst in den letzten beiden Schritten. Da machen Sie einen Perspektivwechsel und versetzen sich in seine Lage: Wie ist es ihm wohl ergangen? Was schätzen Sie an ihm und an der gemeinsamen Zeit? Und welche alten Paar-Vereinbarungen wie "Ich bin immer für dich da" gelten nun nicht mehr, und wie könnten neue Vereinbarungen aussehen, zum Beispiel für die gemeinsame Elternschaft?

Und dann verabschiede ich mich?

Ja, mit einem Ritual. Der Partner muss dafür nicht anwesend sein, es reicht, ihn sich vorzustellen. Man bedankt sich bei dem Partner für die guten Dinge, die in der Beziehung stattgefunden haben, und verabschiedet ihn. Das kann man ausgestalten, wie man will. Eine Klientin hat beispielsweise Schiffchen mit Sätzen an ihren Ex in einem Fluss fortschwimmen lassen. Es ist sehr heilsam, etwas zu tun, das symbolisiert, dass es wirklich vorbei ist.

Das Programm ist auf sechs Wochen angelegt. Können sechs Wochen denn wirklich ausreichen, um sich innerlich von einer langen Beziehung zu verabschieden?

Es kann sein, dass der eine oder die andere für einen Schritt etwas mehr Zeit braucht, und wir eine Pause machen müssen. Meiner Erfahrung nach oft, wenn es darum geht, dem anderen wirklich zu verzeihen. Nicht indem man negiert, was er gemacht hat, aber indem man das jetzt loslässt. Und dann am Schluss, der Abschied – das tut noch mal weh. Da sagen einige: Ich merke, ich kann das noch nicht. Aber meist reichen die sechs Wochen tatsächlich aus. Man muss dazu aber sagen, dass die meisten, die kommen, auch schon Vorarbeit geleistet haben, mit jemandem darüber gesprochen haben, und sie wollen nun wirklich aus dem Schmerz raus und weitergehen. Und wenn man sich ernsthaft der Trennung stellt, ist man ja schon ein Stück aus der kompletten Opferhaltung raus.

Ist tatsächlich jede gescheiterte Beziehung auch eine Chance?

Ich halte "Scheitern" für das völlig falsche Wort. Ich glaube, jede Trennung ist eine Chance, seinen Beziehungsmustern auf den Grund zu gehen. Und man kann sich immer gut trennen. Auch wenn man den anderen nie wieder sehen will. Auch wenn er einem übel mitgespielt hat. Dann kann man sagen: Du warst wichtig für mich. Danke, dass du mich aufgeweckt hast. Dass ich jetzt weiß, warum ich immer von Menschen angezogen werde, die mir gar nicht guttun. Danke, dass du mein Lehrmeister warst.

Die 5 Schritte des Conscious Uncoupling

  1. Umgang mit negativen Emotionen
  2. Ablegen der Opferrolle
  3. Ausbrechen aus alten Mustern
  4. Das Gute aus der Partnerschaft bewahren
  5. Abschied nehmen und nach vorn schauen

Dorothea Behrmann ist ausgebildete Gestalt- und Paartherapeutin und arbeitet als Coach von Hamburg aus bundesweit und online. Sie ist auf Conscious Uncoupling spezialisiert, ein Programm für friedliche Trennungen.

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