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Geld in der Beziehung: Was passiert, wenn einer wohlhabender ist?

Geld in der Beziehung: Frau und Mann im Cabrio
© GaudiLab / Shutterstock
Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle.

Kurz gesagt: Es dreht sich noch mehr ums Geld. Und die Liebe wird noch ungewisser.

Jetzt mal ausführlich: "Letztlich ist es ja doch nicht egal, was für ein Auto jemand fährt", sagte eine liebe Freundin von mir, die gerade einen Mann geheiratet hatte, der sehr viel mehr Geld besaß als sie. Ich sah sie an und sagte etwas gedehnt: "Okaaay!" Innerlich seufzte ich. Weil ich wusste, dass sie recht hat – was sie mir ja auch gerade mit diesem Spruch bewies.

Das schöne "Can't Buy Me Love!" der Beatles als Wahrheit aufgeben zu müssen, ist schrecklich. Ist es doch wie eine letzte romantische Hoffnung auf Gerechtigkeit und die Illusion, dass Kapital nicht jeden Bereich unseres Lebens beherrscht. Unseren Liebesmythen zufolge wächst die Liebe eben dort, wo sie hinfällt, und benötigt keinerlei finanziellen Dünger, um aufzublühen. Unsere Vorstellung von der Liebe sagt auch, dass sie keine Gleichheit braucht, weil sie alle Grenzen von Alter, Schönheit, Rang und Status bedeutungslos macht. Ja, manchmal tut sie das auch. Aber meistens lässt sie gleich und gleich sich gesellen. Denn in der Liebesbeziehung, wie wir sie heute verstehen, tun sich zwei gleichwertige Menschen gleichberechtigt zusammen. Niemand ist weniger wert. Keiner hat Macht über den anderen. Niemand bestimmt die Beziehung. Und falls doch, dann runzeln wir missbilligend die Stirn über diese Zweisamkeit. Wir lehnen es ab, zu heiraten, um Königreiche oder Besitztümer zu vereinigen.

Aber eine feste Liebesbeziehung oder Ehe ist immer auch eine Wirtschafts­gemeinschaft. Und Geld verändert Beziehungen, schafft Machtverhältnisse. Deshalb war die Botschaft leidgeprüfter Mütter an ihre Töchter eindeutig: Erlerne einen Beruf, um nicht finanziell abhängig von einem Mann zu sein. Wenn die Trennung nicht nur schmerzt, sondern zum sozialen Abstieg führt, bleibt mancher in einer Beziehung, aus der die Liebe schon lange ausgezogen ist. Als Abhängiger passt er sich gedemütigt an. Wer dagegen die ökonomische Macht hat, setzt seine Vorstellungen in der Zweisamkeit leichter durch.

Niemand möchte wegen seines Geldes geliebt werden. Und niemand möchte die Person sein, die einen anderen nur wegen seiner irdischen Güter begehrt. Unterschiedliche Vermögen oder eklatante Verdienstunterschiede verteilen aber Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Selbstbestimmung. Ein großer Vermögensunterschied zwischen zwei Partnern macht es noch unsicherer, den ohnehin wankelmütigen Liebesgefühlen zu trauen. Würde sie mich auch ohne meinen Reichtum lieben? Würde ich ihn wirklich auch als armen Schlucker begehren? Bislang hat noch niemand einen Weg gefunden, Liebe und Besitz fein säuberlich auseinander zu halten. Trotz Eheverträgen, Gütertrennung, Versorgungsausgleich und Zugewinnregelung.

Oskar Holzberg, 67, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und ist seit über 30 Jahren verheiratet. Sein aktuelles Buch heißt "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (240 S., 11 Euro, DuMont).
Oskar Holzberg, 67, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und ist seit über 30 Jahren verheiratet. Sein aktuelles Buch heißt "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (240 S., 11 Euro, DuMont).
© Ilona Habben / Shutterstock

Wenn es um Geld geht, dann ist die Freiheit des einen allzu schnell die Unfreiheit des anderen. Wenn es um Liebe und viel Geld geht, dann ist niemand mehr unbelastet in seinen Gefühlen. Dann reicht es nicht, direkt über das Finanzielle zu sprechen. Viel wichtiger – aber auch viel schwerer – ist es, darüber zu sprechen, welche Rolle unsere ungleiche Vermögensverteilung in unserer Beziehung spielt. Und was das mit uns macht.

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BRIGITTE 12/2020

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