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Partnerschaft 3 Schritte, mit denen du gesunde Grenzen in Beziehungen setzen kannst

Liebespaar sitzt sich am Tisch gegenüber und hält Hände
© StratfordProductions / Adobe Stock
Grenzen in Beziehungen zu setzen treibt uns nicht auseinander, sondern schafft noch mehr Nähe. Wie dir das gelingt, liest du hier.

Denken wir an Grenzen, assoziieren wir den Begriff zuerst mit etwas Negativem. Es geht bis hier und nicht weiter. Setzt der:die Partner:in einen Fuß über die Grenze, wird er:sie bestraft. So denken wir. Dabei sind Grenzen in Beziehungen kein Ultimatum, was wir unserer:m Partner:in setzen, sondern ein Dialog über die Beziehung. Es geht darum, die gegenseitigen Bedürfnisse und Wünsche zu äußern.

Warum brauchen wir Grenzen in unseren Beziehungen?

Egal ob in Freund:innenschaften oder Partner:innenschaften – gesunde Grenzen sind wichtig für eine Beziehung, in der sich alle Beteiligten respektiert fühlen. Doch insbesondere in Liebesbeziehungen vernachlässigen wir dieses Auferlegen von Grenzen gerne. Denn steht Liebe nicht eigentlich für Freiheit und Grenzenlosigkeit? Nicht wirklich. Wenn wir die wahre Liebe finden wollen, darf – nein – muss es Grenzen geben. Andernfalls verlieren wir uns selbst, fühlen uns ungerecht behandelt und leiden. Es klingt widersprüchlich, doch mit Grenzen schaffen wir keine Distanz, sondern noch mehr Nähe.

Warum fällt es uns schwer, Grenzen zu setzen?

Frühkindliche Erfahrungen können unsere soziale und emotionale Entwicklung behindern. Hatten wir zum Beispiel in unserer Kindheit das Gefühl, alles dafür tun zu müssen, unseren Eltern zu gefallen, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen und von ihnen verstanden zu werden, so nehmen wir diese Verhaltensmuster oft mit in unsere Liebesbeziehungen. Wir lassen uns vielleicht auf Dinge ein, mit denen wir uns nicht wohlfühlen, bloß um unser Gegenüber nicht zu enttäuschen. Ohne Grenzen verlieren wir uns selbst. Wir glauben jeder Anklage, wir schämen uns und trauen uns nicht mehr selbst über den Weg. Klingt das nach der wahren Liebe? Nein, nicht wirklich. Das Gute aber ist: Wir haben so viel Kraft und Stärke in uns, dass wir unsere Verhaltensmuster ablegen können. Es ist wichtig zu verstehen, dass grundsätzlich nicht unser Gegenüber eine Grenze überschreitet, sondern wir selbst unsere Grenze überschreiten lassen. Dafür brauchen wir manchmal etwas Hilfe und neue Perspektiven – und es ist völlig legitim, sich diese Unterstützung zu nehmen. Wenn unser Auto kaputt ist und wir nicht die genaue Ursache kennen, lassen wir es schließlich auch von Menschen begutachten und reparieren, die wissen, wie es geht.

3 Schritte zur Schaffung gesunder Grenzen

1. Bedürfnisse und Gefühle erkennen

Wie fühlst du dich, wenn du keine Grenzen setzt? Bist du verletzt, traurig oder verärgert, wenn jemand deine Grenzen missachtet? Schreibe diese Gefühle auf und überlege: Werden sie dadurch ausgelöst, dass ähnliche Grenzen in der Vergangenheit ignoriert oder nicht respektiert wurden? Vielleicht wirst du ein Muster erkennen, dass sich wiederholt. Denke dabei immer daran, dass es keinen Grund dafür gibt, dir selbst oder anderen Personen die Schuld zu geben. Wir alle sind Menschen, die Fehler machen, weil wir es in den meisten Fällen nicht besser wissen. Umso wichtiger ist es, uns selbst zu reflektieren und anderen mit Respekt gegenüberzutreten.

2. Grenzen schaffen

Wenn du eine neue Grenze schaffen könntest – wie würde diese aussehen? Wie würdest du dich fühlen, wenn diese neue Grenze gesetzt werden könnte? Du kannst immer klein anfangen, indem du an eine einzige Sache denkst, die geändert werden könnte und beginnst, diese umzusetzen.

3. Mit anderen über Grenzen sprechen

Spreche mit anderen über diese Grenze und warum sie so wichtig für dich ist. Sei ehrlich und direkt und mache deinem Gegenüber keine Vorwürfe, wenn du über eine Grenze sprichst. Es geht darum, Vertrauen zu einer anderen Person aufzubauen. Anhand dieser Grenze kannst du auch deine Geschichte erklären. Das schafft Nähe und Vertrauen. Beachte, dass nicht jede Person auf dein Bedürfnis, diese Grenze zu setzen, reagieren wird. Manche Menschen sind noch nicht so weit wie du. Respektiere das, gib ihnen Zeit und lass los, wenn du merkst, dass deine Grenzen nicht auf Verständnis stoßen.

Gesunde Grenzen zu setzen benötigt Zeit

Es ist immer mit sehr viel Arbeit verbunden, sich mit sich selbst zu beschäftigen, Verhaltensmuster zu erkennen und einzusehen, dass manche Menschen nicht die richtigen Begleiter:innen in diesem Stadium unseres Lebens sind. Manchmal wirst du vielleicht auch an einen Punkt gelangen, an dem es einfacher ist, aufzugeben. Doch all diese Arbeit wird sich auszahlen. Je mehr du zu dir selbst findest und Zeit mit dir und deinen Bedürfnissen verbringst, desto eher ziehst du Menschen an, die dich lieben. So wie du bist. Nicht trotz deiner Grenzen, sondern wegen ihnen. Am Ende sind es nicht unsere Grenzen, die uns die Freiheit rauben, weil sie uns einmauern. Es sind die Grenzen, die uns befreien. Befreien aus allen Zwängen, die uns unser Umfeld so oft aufbürden will.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

Brigitte

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