Die Suche nach dem richtigen Hochzeitskleid

Romantisch oder extravagant? Mit Stickerei oder schlicht? In Weiß oder Pastell? Das richtige Kleid zu suchen, kann aufregend sein - oder nervenaufreibend.

Wir haben mit Christine Sperl über den Mythos Brautkleid gesprochen und sie um praktische Tipps gebeten. Sie ist Wedding-Planerin und Chefredakteurin der Zeitschrift "Wedding Style" - der größten deutschen Hochzeitszeitschrift.

Wedding-Planerin Christine Sperl

Brigitte.de: Frau Sperl, für viele Frauen ist das Wichtigste an der Hochzeit das Kleid - warum eigentlich?

Christine Sperl: Es ist einfach etwas ganz Besonderes, viele träumen seit der Kindheit von ihrem Hochzeitskleid. Denn als Braut steht man im Mittelpunkt. Kennen Sie die Reaktion der Menschen, wenn sie zufällig eine Hochzeitsgesellschaft sehen? Die erste Frage ist immer: "Wo ist denn die Braut?" Und nachdem sie die Braut entdeckt haben: "Was für ein Kleid!" Wenn man nicht gerade als Prominente über den roten Teppich läuft, wird man wahrscheinlich zu keinem anderen Anlass ein solch aufwändiges und außergewöhnliches Kleid tragen können. Einer der Gründe, warum es DAS KLEID sein muss! Ich glaube außerdem, dass das Brautkleid alles Schöne der Liebe und die Hoffnung verkörpert - und deshalb so begehrenswert ist.

Brigitte.de: Beim Brautkleidkauf gelten andere Regeln als beim Jeans-Shopping. Wann muss ich denn anfangen, nach einem Brautkleid zu suchen?

Christine Sperl: Spätestens sechs Monate vor der Hochzeit sollte man beginnen, da die Kleider individuell angefertigt werden und lange Lieferzeiten haben. Der Kleidkauf ist also in jeder Hinsicht anders als das normale Shopping. Gerade das macht ihn ja wahnsinnig aufregend.

Brigitte.de: Ein halbes Jahr vorher ist ganz schön lang - wie verhindere ich, dass es mir kurz vor der Hochzeit nicht mehr gefällt?

Christine Sperl: Natürlich kann es vorkommen, dass die Braut vor der Hochzeit ein wenig verunsichert ist, ob es auch wirklich das richtige Kleid ist. Aber spätestens bei der ersten Anprobe zur Änderung ist das schnell wieder verflogen. Dass sich eine Braut doch anders entscheidet, habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt, in denen ich als Weddingplanner tätig bin.

Brigitte.de: Und was, wenn ich eher spontan heirate - muss ich dann nehmen, was da ist?

Christine Sperl: Sie sollten sich auf jeden Fall in einem sehr gut sortierten Brautmodengeschäft beraten lassen, das eine große Kleiderauswahl zur Verfügung hat. Allerdings muss man auch bei einer Spontan-Heirat die Änderungsarbeiten am Kleid zeitlich kalkulieren. Von heute auf morgen im Traumkleid zu heiraten, kann also sehr schwierig werden.

Brigitte.de: Warum sind Brautkleider eigentlich im Vergleich zu anderen Kleidern so teuer?

Christine Sperl: Mit einem Blick auf die Kleider, die Stoffe und deren Verarbeitung können Sie sich diese Frage selbst beantworten. Ich frage mich manchmal, wie man als Schneider überhaupt bei so vielen Einzelteilen und Nähten durchblickt. Da werden Perlen einzeln aufgenäht, hier wird noch ein wenig Tüll eingearbeitet und da noch eine weitere Raffung angebracht. Wenn man das bedenkt, wird schnell klar, dass Brautkleider nicht mit anderen Kleidern zu vergleichen sind.

Brigitte.de: Können Sie preiswertere Alternativen empfehlen? Zum Beispiel Outlets oder Ebay?

Christine Sperl: Nein. Beim Brautkleidkauf sollte man eine geschulte Fachverkäuferin an seiner Seite haben, die sich Zeit nimmt und auch gute Ideen für das Zubehör hat. Auch vom Brautkleidkauf im Internet rate ich strikt ab. Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht nur um den Verkauf, sondern auch um die professionelle Änderung geht. Denn Sie müssen sich auch in einem schulterfreien Kleid ganz frei bewegen können. Außerdem gehört zu einem Brautoutfit nicht nur das Kleid, sondern auch gesamte Styling mit Haargesteck, Schleier, Kette, Schuhen und eventuell Handschuhen.

Brigitte.de: Wenn ich mich an Ihre Sechs-Monats-Regel halte und ich bis zur Hochzeit noch abnehmen will, oder wegen des ganzen Stresses dünner werde – kann ich das Kleid dann noch mal ändern? Und was machen Schwangere - meist weiß ich beim Kauf ja nicht, wie der Bauch in ein paar Monaten aussieht....

Christine Sperl: Kleider werden aus gutem Grund erst ein paar Wochen vor der Hochzeit endgültig angepasst, um diese Gewichtsschwankungen berücksichtigen zu können. Die Schwangerschaftskleider weisen immer einen ganz flexiblen Schnitt auf, damit man das Kleid dem Babybauch anpassen kann.

Brigitte.de: Wenn wir schon bei den Rundungen sind: Viele Bräute möchten gern schulterfrei heiraten. Geht das auch bei Frauen mit sehr viel oder eher wenig Busen?

Christine Sperl: Es kommt auf den Schnitt an. Bei Frauen mit kleinem Busen sieht ein schulterfreies Empire-Kleid sehr schön aus, da es eine hohe Taillennaht direkt unter der Brust hat und nach unten streckt. Ein großer Busen sollte aber auch kein Problem sein, denn die Korsagen haben eine Form, die sich dem Oberkörper anpasst. Zur Stabilität sind wie bei einem BH kleine Stangen eingearbeitet. Übrigens ist eine Korsage nicht unbequem, sie sorgt vielmehr dafür, dass man sich auch ohne BH "angezogen" und sicher fühlt.

Brigitte.de: Haben Sie Tipps für etwas üppigere Frauen? Kann ich auch mit Größe 46 in Weiß heiraten?

Christine Sperl: Absolut! Auch in diesen Größen gibt es wahnsinnig schöne Kleider, die alle Vorzüge betonen und Stellen verdecken, die die Frau vielleicht für nicht so vorzeigbar hält. Aber das Problem haben ja nicht nur die großen Größen, sondern fast alle Frauen, glaube ich. Gibt es nicht immer etwas, was man geschickt kaschieren muss? Mit dem richtigen Kleid ist das meist möglich.

Brigitte.de: Und zum Schluss: Allein zum Brautkleid-Kauf losziehen oder mit der Freundin?

Christine Sperl: Das Brautkleidshopping ist ein Höhepunkt der Hochzeitsvorbereitung. Ich würde die Mutter mitnehmen, denn sie möchte sicher von ganzem Herzen, dass ihre Tochter toll aussieht. Oder die beste freundin, mit der man viel lachen und vorher oder danach einen Sekt nehmen kann. Alleine losziehen zum Brautkleidkauf, das ist ein bisschen trostlos.

Interview: Helene Endres
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