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Veraltet? Darum bringt es kein Pech, wenn dein Schatz dich im Brautkleid sieht

Frau und Mann in Hochzeitskleidung
© pha88 / Adobe Stock
"Nein. Auf keinen Fall darf mein künftiger Gatte mich sehen. Das bringt doch Pech!", sagt jedenfalls die alte Tradition. Wir erklären, wie dieser Brauch entstanden ist und warum er heute eigentlich nicht mehr aussagekräftig ist.

Das Hochzeitskleid ist für viele Menschen etwas ganz Besonderes. Und die Überraschung will man dem:der Partner:in natürlich auf keinen Fall nehmen, bevor es an die Trauung geht und sich beide Personen das Ja-Wort geben. Doch dass es Pech bringt, wenn die künftigen Eheleute sich vorher sehen, ist schlichtweg Quatsch – und hat anscheinend mit einem veralteten Brauch zu tun, der in Deutschland heute eher selten Anwendung findet.

Als die Heirat noch Pflicht war...

Früher waren die Männer nun einmal diejenigen, die für das Hab und Gut zuständig waren und auch das Eigentum der einheiratenden Frau lag nach der Eheschließung in den Händen des Mannes. Gerade die reichen Herren waren bei wohlhabenden Familien heiß begehrt und oft war es gang und gäbe, dass sich gut gestellte Gesellschaften untereinander arrangierten. Geplante Ehen waren deshalb also keine Seltenheit. Problematisch konnte es aber werden, wenn dem werdenden Ehemann die künftige Gemahlin nicht gefiel und diese mit weniger Geld in den Bund der Ehe eintreten wollte – das war durchaus ein Grund, weshalb es ursprünglich hieß, dass die beiden sich nicht vorher sehen sollten. 

Eheauflösung durch Oberflächlichkeit

Wenn dem Bräutigam-to-be die Ehefrau kurz vor der Ehe schon präsentiert worden wäre, dann liefe das Bündnis also Gefahr, aufgelöst zu werden. In der Kirche, noch vor der Zeit des Standesamtes, war es aber natürlich unangenehm, dem Pastor diese Meinung vor dem Altar kundzutun, deshalb blieb das baldige Ehepaar bis zu diesem Moment oft getrennt. So jedenfalls eine der Theorien. Denn die Ehe war früher letztlich ein Vertrag, der zwischen zwei Familien zur Erhaltung ihres Wohlstandes geschlossen wurde. Mit Liebe hatte das Bündnis eher selten etwas zu tun. Die weniger reichen Eltern der Braut konnten daher Bedenken haben, dass die bessergestellte Familie beziehungsweise ihr Sohnemann bei einem vorherigen Kennenlernen eher ein Nein- als ein Ja-Wort sprechen würde. Das wäre natürlich nicht in ihrem Interesse und hätte sich womöglich auch noch herumgesprochen und so ihren Ruf geschädigt. Der Brautschleier ist übrigens eine weitere Vorsichtsmaßnahme, die so entstand... mit dem Stoff vorm Gesicht wurde dem Mann nicht die Möglichkeit gegeben, vor dem finalen Kuss einen Rückzieher zu machen.

Der dämonische Blick

Eine weitere Vermutung besagt, dass ein alter Aberglauben zu der auch heute noch oft gelebten Tradition gehört. Demnach gebe es Dämonen, die in Anwesenheit des Mannes ihre bösen Blicke auf die werdende Gattin richten. Die Brautjungfern hatten, um das zu verhindern, außerdem oft ähnliche Kleider an, um die bösen Kräfte zu verwirren.

Und wie ist es jetzt?

Heute setzen manche Paare nach wie vor auf den alten Brauch. Anderen ist es egal, ob sie sich bereits schick gemacht vor der Feier sehen. Für einige ist die Überraschung eben etwas ganz Besonderes, während andere sich entscheiden, die Hochzeitsfotos vielleicht sogar schon vor der Trauung zu schießen. So sehen wenigstens noch alle frisch und unverbraucht aus. Beide Varianten haben ihre guten Seiten, was wer wählt, liegt an dem jeweiligen Hochzeitspaar.

Verwendete Quelle: merkur.de, gofeminin.de, briddalguide.com

Brigitte

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