Soll ich seinen Namen nach der Hochzeit annehmen?

Heiße ich nach der Hochzeit wie er? Oder umgekehrt? Kommt ein Doppelname infrage? Vier Frauen mit vier unterschiedlichen Lösungen berichten, wofür sie sich entschieden haben.

Auf die Frage, ob man seinen Nachnamen nach der Hochzeit abgeben soll oder nicht, gibt es keine allgemeingültige Antwort: Es ist nur wichtig, dass ihr euch mit eurer Lösung wohlfühlt. Und weil die Entscheidung, wer welchen Namen annimmt, sehr individuell ist, haben wir vier Frauen mit vier unterschiedlichen Modellen nach ihren Beweggründen gefragt.

Sie nimmt seinen Namen nach der Hochzeit an

Vera Greven, 39 Jahre*

"Familie sein bedeutete für mich immer: einen gemeinsamen Namen tragen. Damit wir und die Welt wissen, dass wir zusammen gehören. Und weil mir bei der Heirat klar war, dass wir Kinder wollen, war die Annahme des Namens auch eine Zusage zur Familiengründung. Obwohl ich ansonsten sehr unabhängig bin, stand es für mich überhaupt nicht zur Debatte, meinen Namen zu behalten. Da hafte ich wohl doch an der Tradition, die ich aus den Familien meiner Eltern kenne. Doppelnamen habe ich immer als furchtbar empfunden. Die meisten Kombinationen klingen einfach nicht schön.

Meinen eigenen Namen als Familiennamen zu behalten, wäre für meinen Mann wahrscheinlich nicht in Frage gekommen. Dafür ist er zu konservativ. Und sein Name ist auch deutlich schöner. Insofern habe ich auch etwas Schönes dazugewonnen. Nach fast sieben Jahre Ehe empfinde ich meinen "neuen" Nachnamen als selbstverständlich und habe ich mich daran gewöhnt. Es hat allerdings länger gebraucht, als ich dachte. Wenn ich meinen alten Namen höre, werde ich immer noch wehmütig. Ein Stück von mir, das mich so lange begleitet hat, ist weg. Und dieses Stück vermisse ich. Sehr merkwürdig finde ich auch, dass ich vom Namen her meiner Schwiegerfamilie näher bin als meiner eigenen Ursprungsfamilie. Wenn ich noch mal entscheiden würde, würde ich es vielleicht anders machen."

Sie behält ihren Namen, er trägt nach der Hochzeit einen Doppelnamen

Lena Görner, 29 Jahre

"Wer nimmt welchen Namen bei der Hochzeit an?": Schon kurz nach der Verlobung gingen mir diverse Namenskonstellationen und Fragen zu diesem Thema durch den Kopf. Soll ich einen Doppelnamen oder seinen Namen annehmen? Oder sollen wir unsere Namen behalten? Keine leichte Frage. Die Lösung wurde letztendlich von meinem Verlobten angestoßen. Sein Vorschlag: Er möchte einen Doppelnamen annehmen. Ich fand und finde die Idee noch immer gut, da sie für mich für Modernität steht.

Seit einem Jahr sind wir nun verlobt und ich habe diesen Text zum Anlass genommen, ihn nochmal nach seinem Grund hinter dem Doppelnamen-Wunsch zu fragen. Seine Antwort: 'Ich wollte nicht, dass dein Name verschwindet und finde, dass ein Doppelname gut klingt. Ich mag auch die Abkürzung der Unterschrift: G.G.. Die wirkt interessant und die Namen sind nicht gleich erkennbar. Ich mag es, wenn Leute einfach nur ein paar Buchstaben benutzen, um zu unterschreiben.'"

Jeder hat nach der Hochzeit seinen Namen behalten

Kathrin Ammon, 38 Jahre

"Dass ich meinen Namen behalte, war für mich immer klar. Denn er ist für mich eng verknüpft mit meiner Identität. Diese Namens-Chamäleon-Strategie aus lauter Liebe und Tradition ist für mich alles andere als romantisch. Außerdem empfinde ich die Kombination aus Vor- und Nachnamen image-gebend. Eine Isabella Meyer ist einfach eine andere als eine Isabella Morellini. Oder eine Isabella von Hohenstein. Alle drei Namen wecken in mir völlig unterschiedliche Assoziationen. Auch wenn's vielleicht oberflächlich klingt. Meist gewöhnt man sich in den vielen Jahren vor der Hochzeit (bei mir waren es über 30) ja auch an seinen Namen. Dass aus mir einfach eine andere werden sollte, nur weil ich heirate, fand ich unlogisch. Mein Mann glücklicherweise auch.

Und so haben wir uns beide entschieden, unsere Namen zu behalten. Bei den Wahl des Nachnamens für unsere Kinder sind wir pragmatisch vorgegangen: Wer den schöneren Nachnamen hat, gibt ihn weiter an unsere Töchter. Viele wundern sich, warum wir als Familie unterschiedliche Namen haben. Aber die sind dann lustigerweise immer beruhigt, wenn wir versichern, dass wir trotzdem verheiratet sind.“

Sie sind nicht verheiratet, aber ihr gemeinsames Kind heißt wie er

Johanna Kirchner, 33 Jahre

"Wir sind nicht verheiratet. Und selbst wenn wir es irgendwann einmal wären, würde ich meinen Nachnamen gern behalten - einfach, weil er ein Teil von mir ist. Dass unsere Tochter wie der Papa heißt, hat ganz pragmatische Gründe: Weil mir eine Kollegin, die es bei ihrem Kind genauso gehandhabt hat, erzählt hat, dass es in bestimmten Situationen einfacher sei. Zum Beispiel, wenn der Vater allein mit dem Kind verreist. Mütter mit einem anderen Nachnamen fänden Grenzbeamte wohl weniger schräg. Damit habe ich bis jetzt noch keine Erfahrungen gemacht. Aber beim Kinderarzt werde ich automatisch "Frau Schröder" genannt. Beim ersten Mal habe ich noch protestiert, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Wir sind eine Familie - und uns verbindet viel mehr als nur ein Name."

* Alle Namen von der Redaktion geändert.

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