Heiraten und Namen behalten: Neue Namen für alle!

Warum geben immer noch so viele Frauen nach der Heirat einen Teil ihrer Identität auf, fragt sich Felicitas Wilke. Und wünscht sich auch für uns norwegisches Recht. 

Es gibt diesen kurzen Moment auf Hochzeiten, den ich nicht ganz so liebe wie die Freudentränen, das Kuchenbuffet und die Party mit Freunden. Es ist der Moment, in dem auf dem Standesamt verkündet wird, dass als Ehename fortan der Nachname des Mannes geführt werde. Ich seufze jedes Mal in mich hinein. Schon wieder eine Frau, die weggibt, was zu ihr gehört.

Drei Viertel aller Frauen nehmen nach der Hochzeit den Nachnamen ihres Angetrauten an. Dabei ist das Namensrecht in Deutschland längst liberalisiert: Schon seit 1957 dürfen Frauen einen Doppelnamen führen, seit 1977 können sich beide so nennen wie die Frau, und seit 1991 ist gar kein gemeinsamer Nachname mehr notwendig. Wenn es um ihren Namen geht, verharren viele Frauen in den frühen Fünfzigern.

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Der Mädchenname als Makel 

Einige zelebrieren es in den Wochen vor der Hochzeit regelrecht, bald anders zu heißen. Da werden Fotos vom Junggesellinnenabschied geteilt und mit Hashtags wie #soontobemrsmüller oder #byebyeschneider versehen. Der Mädchenname als Makel, dabei haben wir so viel mit ihm erlebt: Er stand auf dem Abi- oder Meisterzeugnis, wir unterschrieben damit unsere Matheklausuren und später den ersten Arbeitsvertrag. Irgendwann, es muss mit Anfang 20 gewesen sein, war ich nicht mehr automatisch Felicitas oder die kleine Fee. Sondern Frau Wilke. Erst da habe ich eine Beziehung zu meinem Nachnamen aufgebaut – und beschlossen, ihn zu mögen.

Natürlich gibt es gute Gründe, den eigenen Namen loswerden zu wollen: zum Beispiel, wenn er eine ganze Kindheit lang zu Hänseleien verleitet hat oder er zu einer Familie gehört, von der man sich längst entfernt hat. Doch warum scheinen vor allem Frauen diese Gründe zu haben? Ich glaube: Die meisten Paare sind nicht pragmatisch, wenn es um die Namenswahl geht, sondern nostalgisch. Höflich ausgedrückt. Immer wieder sagen mir Frauen, dass sie eigentlich an ihrem Namen hängen. Aber dann geben sie ihn doch auf – aus teils ziemlich abstrusen Gründen. "Er müsste sich dann vielleicht dumme Sprüche von seinen Kumpels anhören, wenn er plötzlich einen anderen Namen trägt", heißt es dann. Also trennt sie sich von ihrem Namen, "aus Liebe". Wenn Frauen sich bei der Aufteilung von Elternzeit oder der Hausarbeit genauso erfolgreich für ihre Interessen einsetzen, dann gute Nacht, Feminismus.

Namen verschmelzen: Aus zwei wird eins 

Doch was ist die Lösung aus dem Namensdilemma? Es ist kompliziert. Heißt er wie sie, ist er es, der einen Teil seiner Identität aufgibt. Doppelnamen sind ein netter Versuch, aber klingen leider wie eine Mischung aus Loriot und strenger Studienrätin aus den Siebzigern. Außerdem sind es meist doch wieder die Frauen, die den Bindestrich mit sich herumtragen. Getrennte Namen? Maximal emanzipiert, aber leider auch maximal unromantisch. Gemeinsam ist hier nur die Steuerveranlagung. Und als Tochter einer Frau mit anderem Namen kenne ich den Terz, den so eine Konstellation verursacht. Ob das "denn wirklich" meine Mama sei, wurde ich als Kind häufig gefragt.

Also brauchen wir eine andere Lösung, für die wir bloß nach Norwegen blicken müssen. Das Land hat sein Namensrecht komplett liberalisiert und die rechtlichen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Namen geschaffen, der diese Bezeichnung auch verdient. Denn zwei Verliebte können dort ihre Namen bei der Heirat nach Belieben zu einem verschmelzen. Aus zwei wird eins – ohne dass jemand einen Teil der eigenen Identität ganz aufgeben muss. Romantischer geht es nicht. Frau Berg und Herr Olsen können sich dann gemeinsam Olsberg nennen. Auf Deutschland übertragen würde aus Frau Schröder und Herrn Müller also das Ehepaar Schüller. Und aus Frau Fuhrmann und Herrn Wurz die Eheleute Fu- ... – okay, schlechtes Beispiel – Wurzmann. Klingt doch gar nicht so schlecht! 

Felicitas Wilke ist frisch verheiratet  und hat ihren Nachnamen behalten. Denn zwei Namen zu einem neuen zu verschmelzen ist in Deutschland ja leider nicht möglich.

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BRIGITTE 23/2019

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Felicitas Wilke
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