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Traumhochzeit + Privatinsolvenz Warum ich mich für meine Hochzeit nicht verschulden möchte

Zwei Männer tanzen auf ihrer Hochzeit zusammen
Eine Traumhochzeit muss mich nicht in die Schuldenfalle locken.
© Syda Productions / Shutterstock
Der schönste Tag im Leben soll so eine Hochzeit ja sein. Mag stimmen. Warum ich aber trotzdem nicht daran denke, Tausende von Euro für eine Party auszugeben.

Ich persönlich sehe mich ja schon ein wenig als Disney-Prinzessin – zumindest, wenn es um Hochzeit geht. Dabei ignoriere ich gerne (und vollkommen berechtigt), dass ich als Mann vielleicht nicht unbedingt die Zielgruppe von Schneewittchen, Arielle und Co. bin. Trotzdem fände ich die Vorstellung eines weißen Pavillons mitsamt farblich abgestimmten Tauben, viel Glitzer, eine wunderschöne Kapelle mitten im Grünen einfach herrlich. Am Horizont das Meer und romantische Tänze mit meinem Liebesbeziehungsmenschen – gibt es etwas Schöneres?

Ich bin eine Disney-Prinzessin – aber eine realistische

Aber genau das ist das Problem: Das ist nur in meinem Kopf; meinem der Fantasie sehr mächtigen Hirn entsprungen, ohne jeglichen Bezug zur Realität. Ein kleiner Check besagter grauer Realität vorweg: Ein weißer Pavillon sieht ja supernett aus, wenn das Wetter nicht mitmacht, möchte man aber auch nicht darunter in der Windschneise stehen. Tauben sind so lange knuffig, wenn sie weiß und weit weg von dir sind – die meisten neigen dann doch dazu, Unaussprechliches aus ihrem Körper zu werfen, gerne zielgenau auf den Kopf. Ohnehin haben Tiere bei Großveranstaltungen wenig zu suchen, die erfreuen sich nämlich selten an all dem Trubel. Was sie übrigens nur noch mehr dazu anregt, Unaussprechliches aus ihrem Körper zu scheiden ...

Wunderschöne Kapellen verbinde ich persönlich mit katholischen Kirchen und der katholischen Kirche sollte sich eine queere Person wie ich wohl besser nicht auf 50 Meter nähern. Und so nette Dinge wie Glitzer, grüne Wiesen und Meer gibt es nur in der Theorie umsonst – die Kapelle, Tauben und Pavillons übrigens auch.

Würde ich also alle meine Vorstellungen umsetzen, müsste ich jede Menge Geld investieren. Und man muss nicht einmal tief im "Hochzeits-Game" drin sein, um zu wissen, dass sich alle Beteiligten ihre Dienste sehr gerne – und sehr umfangreich – bezahlen lassen. Aus reinem Spaß an der Freude haben mein Liebesbeziehungsmensch und ich immer mal wieder geschaut, was für Möglichkeiten wir in und um die Großstadt, in der wir leben, denn hätten. Ich habe den Verdacht, dass es schon ausreicht, "Hochzeit" zu googlen und auf einmal schießen die Preise für die letzte Hütte im Nirgendwo dermaßen in die Höhe, dass ich zweimal schauen muss, nur um sicherzugehen, dass ich die Immobilie wirklich nur für einen Tag miete und nicht gleich auf Lebenszeit erwerbe. 

Der Preis der Liebe ist hoch

Hochzeitslocation mit Stühlen, Tischen und viel Dekoraktion
Wer eine Hochzeits-Location haben möchte, die so aussieht, muss ziemlich tief in die Tasche greifen.
© Andrey Nastasenko / Shutterstock

Mehrere zehntausend Euro kommen zusammen, wenn man eine Location haben möchte, von der die Leute auch noch Jahre nach dem Ereignis sagen: "Hach, das war wirklich schön" und eben nicht: "Puh, da war aber jemand geizig." Und man möchte auch hören, dass die Leute gut bewirtet wurden und nicht acht Stunden lang mit einem kleinen Happen vom Büffet haushalten mussten, bevor der erste Gang serviert wurde. Dann soll es natürlich noch Rückzugsmöglichkeiten und Schattenplätze geben, damit die ältere Verwandtschaft keinen Sonnenstich bekommt – falls die Sonne überhaupt zu sehen ist, was in und um die Großstadt ohnehin schon eine Seltenheit ist. Besser, man bereitet sich auf Regen und Sturm vor, also entweder alles überdachen oder gleich allesamt drinnen einsperren. Ach, da ist ja noch Corona. 

Nun hat man gerade einmal für ein Dach über den Kopf gesorgt und ein wenig Nahrung, damit alle den "schönsten Tag im Leben" auch lebend überstehen. Vielleicht kann man ja an der ein oder anderen Ecke sparen? Nennt mich geizig, einen Versuch ist es aber wert! Wie wäre es denn mit einem Büffet-Tisch, bei dem jede:r etwas mitbringen kann? Schließlich haben wir hier Omnivore, Flexitarier:innen, Vegetarier:innen, Veganer:innen zu versorgen, manche trinken Alkohol, manche keinen, manche mögen aber alkoholfreien Wein, da ist es doch wirklich am einfachsten, selbst für alles zu sorgen. Privat-Catering ist allerdings selten gerne gesehen, Pech gehabt.

Vielleicht muss dann nicht unbedingt mit allen Menschen, die man mag, gefeiert werden? Besteht der beste Freund seit Schultagen wirklich darauf, dabei zu sein? Zehn Gäste kann das Budget gerade so stemmen, also fünf pro Person, wenn beide Elternteile noch leben (und man sie dabei haben möchte) und man Einzelkind ist, reicht das also immerhin noch für drei Vertreter:innen der Wahlfamilie. Aber entspricht auch nicht wirklich der Vorstellung, die man eigentlich hat.

Wir erwarten alle etwas für unser Geld

Und selbst, wenn man sich dazu entschließt, zehntausende Euro zusammenzukratzen, sich entweder selbst oder die Eltern oder sonst wen zutiefst zu verschulden, dann ist ja immer noch das Problem der Erwartungshaltung, die quasi automatisch und exponentiell mit dem ausgegebenen (oder geliehenen) Geld steigt. Ich bin jemand, der nicht einmal in einen Club geht, wenn dieser einen Eintritt verlangt. Aus dem einfachen Grund, dass ich mich dann genötigt fühle, für eine gewisse Zeit dort zu bleiben und gefälligst Spaß zu haben. Ich entscheide gerne selbst, wie lange ich wo bin und wie viel Spaß ich habe – bezahle ich dafür Geld, wird mir diese Entscheidung abgenommen.

Wie würde also eine Hochzeit für mich aussehen, für die ich so viel Geld ausgegeben habe? Wahrscheinlich könnte ich die Nacht über kaum schlafen, mir wäre den ganzen Tag unwohl und ich wäre angespannt, weil ich das Gefühl hätte, für den Spaß und das Wohlergehen jeder einzelnen Person zuständig zu sein. Ich würde mir die ganze Zeit Gedanken um die Tauben und das Wetter und das Essen machen. Gerade über die Tauben und was diese wohl als Racheakt geplant haben mögen, sobald man sie freilässt. Ich wäre genervt von jeder Kleinigkeit, die an diesem Tag schiefgehen kann – und wohl auch schiefgehen wird, denn warum sollte es an diesem Tag anders sein als sonst? 

Eine Hochzeit kann ja wirklich zum schönsten Tag des Lebens werden (zumindest vorerst, hoffentlich kommen noch weitere schönste Tage) – aber er wird sicherlich nicht schöner, nur weil Unmengen an Geld dafür bezahlt wurden. Klar, wer viel Geld ausgeben möchte, der:die kann das natürlich tun. Ich möchte es jedenfalls nicht – und geht es an diesem Tag nicht auch zur Hälfte um mich? Eigentlich und genaugenommen nicht. Für mich geht es an diesem Tag um die Liebe und das ist nicht nur die Liebe, die mein Liebesbeziehungsmensch und ich füreinander empfinden. Es ist die Liebe zum besten Schulfreund, zu engen Freund:innen, zur Familie – ob gewählt oder durch Blut vorgegeben. Und die ist für mich ohnehin nicht in Geld aufzuwiegen.

Brigitte

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