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Heiraten in Corona-Zeiten? Wie ein dummer Plan plötzlich genial wurde

Brautpaar schaut sich verliebt an
© Pavlo Melnyk / Shutterstock
Heiraten während der Corona-Pandemie – man könnte sich kein schlechteres Timing aussuchen. Dass aus der Not dann aber die größte Freude entstehen kann, daran hätte Anfang des Jahres noch keiner geglaubt – auch unsere Mode-Redakteurin Ilka nicht. 

Bereits in Kindheitstagen habe ich von meiner eigenen Hochzeit geträumt. Gleich viermal wollte ich damals heiraten. Ist doch ganz klar – die Entscheidung, ob ich lieber am Meer, als Boho-Braut, elegant auf einem Schloss oder in Las Vegas heiraten möchte, konnte ich damals einfach nicht treffen. Der Mann durfte in meinen Vorstellungen allerdings der gleiche bleiben. Der Glückliche!

Der Heiratsantrag und die Planung ging los – fast!

Als es dann endlich so weit war, kam doch alles anders. Anstatt nach dem Antrag sofort zum Telefonhörer zu greifen und meiner Familie Bescheid zu geben, hatten wir uns als Paar einen Moment Zeit gelassen, das schöne Geheimnis nur für uns zu behalten. Auch über die Hochzeit selbst hatten wir die ersten Tage nicht gesprochen, erst als wir unsere Familien einweihten, mussten wir uns so einigen Fragen stellen. "Wo werdet ihr heiraten?", "wann werdet ihr heiraten?", "was, ihr wollt gleich zwei Mal heiraten?" – viele Menschen bedeuten viele Meinungen, das ist am Anfang einer Hochzeitsplanung gar nicht so einfach. Zum Glück waren mein Mann und ich uns schnell einig: Wir wollen erst im kleinen Kreis heiraten und uns für das große Fest viel Zeit lassen, schon allein deshalb, weil um uns herum ein schlimmer Virus wütete. 

Voller Euphorie und Vorfreude machte ich mich im Oktober 2020 an die Planung der standesamtlichen Trauung. Alles sollte klein und familiär sein, da die Corona-Impfung damals noch in weiter Ferne lag und man niemanden unnötig gefährden wollte. Kein Hygiene-Konzept der Welt konnte uns aber vor den strengen Corona-Bestimmungen Anfang diesen Jahres retten. 

Corona-Notbremse, was jetzt? 

Eigentlich hätte uns das klar sein müssen. Wer plant denn auch eine Hochzeit während einer Pandemie? Bereits die Unterlagen für die Anmeldung der Eheschließung rechtzeitig zusammenzubekommen, glich einer Odyssee – was soll man auch machen, wenn der Zukünftige Portugiese ist und das Konsulat einfach keine Termine vergibt? Eine Hochzeit, die für ungefähr 35 Gäste angedacht war, musste jeden Tag neu geplant werden. "Laut der aktuellen Bestimmungen sind fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubt", "die Zahlen gehen runter. Es dürfen sich fünf Menschen aus drei Haushalten treffen" – jede Woche gab es gefühlt eine neue Regel. Als nicht einmal klar war, ob unsere Eltern überhaupt bei der Trauung anwesend sein dürften, war bei mir der Tiefpunkt erreicht. So wollte ich nicht den Bund fürs Leben eingehen.

Ob es am Ende ein Happy End gab? Ich sag's mal so: Ich war mehr als happy. Zum Schluss waren die Inzidenzen in meinem Geburtsort, in dem wir heiraten wollten, so niedrig, dass zehn Personen im Standesamt mit dabei sein durften. Location und Catering konnten wir ebenfalls kostenfrei stornieren und einer kleinen Familienfeier bei meiner Mutter stand auch nichts mehr im Wege. Obwohl eine Hochzeit möglich war, konnte ich zunächst das Gefühl nicht abschütteln, dass es nur eine "Ersatzhochzeit" sei – wie falsch ich da lag. 

Zu Tränen gerührt

Was ich nicht bedacht hatte, war die Intimität, die so eine kleine Feier innehat. Bereits im Standesamt, als ich auf meinen Mann zuging, kullerten mir die Tränen über die Wangen. Vor meiner Familie konnte ich mich ganz meinen Emotionen hingeben, ohne mich dafür schämen zu müssen. Emotional ging es dann auch weiter, als meine Schwester Pachelbels Canon am Klavier anstimmte, einen Wunsch, den ich ihr gegenüber vor Jahren geäußert hatte, oder meine Eltern ein umgedichtetes Liebeslied zum Besten gaben. Voller Rührung denke ich auch heute noch an den Tag zurück und kann mit voller Überzeugung sagen: Das war kein Ersatzfest, sondern das schönste Fest, das ich mir hätte vorstellen können.

Brigitte

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