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"Krasse Abstürze": Von peinlichen Erlebnissen und heftigen Filmrissen

Hund mit Sombrero
© Javier Brosch / Shutterstock
Im Buch "Krasse Abstürze" hat Natascha Sagorski die verrücktesten Totalausfälle von Freunden und Bekannten gesammelt - und dabei auch ihre eigenen nicht ausgelassen. Im Gespräch mit BRIGITTE.de erklärt die Autorin, dass sich ein Absturz vor allem dann lohnt, wenn man hinterher eine lustige Story zum Erzählen hat. 

BRIGITTE.de: Was ist denn das Faszinierende am Absturz?

Natascha Sagorski: Dass er zeigt, dass niemand perfekt ist. Jedem passiert doch mal etwas total Peinliches. Perfekte Menschen sind ja auch langweilig. Wer sich immer unter Kontrolle hat, verpasst viel. Es gibt Geschichten, die werde ich bestimmt noch in dreißig Jahren erzählen.

BRIGITTE.de: Können Sie sich noch an Ihren letzten Ausfall erinnern?
 

Natascha Sagorski: Ja, das war ein sehr schöner, eigentlich. Ich bin große "Sex and the City"-Anhängerin und damit auch ein großer Manolo-Blahnik-Fan. Als mein Freund mir neulich als Überraschung verkündet hat, dass er einen Spontan-Trip nach London gebucht habe, um mit mir in den Manolo-Original-Store zu gehen, habe ich vor lauter Aufregung einen Asthma-Anfall bekommen. Er musste mich mit seinem SUV in die Notaufnahme des Krankenhauses fahren. Aber am Ende habe ich meine pinken Manolos bekommen.

BRIGITTE.de: In über der Hälfte der 33 Geschichten ist Alkohol der Grund für den peinlichen Fehltritt. Ziemlich klassisch.

Natascha Sagorski: Ja, klar. Wenn man ein, zwei Prosecco zuviel getrunken hat, neigt man dazu, Sachen zu machen, die man stocknüchtern nicht machen würde. Ich habe aber auch leider erfahren müssen, dass man nichts trinken muss, um abzustürzen. Zum Beispiel bei der Sache in meinem Tunesien-Urlaub, als ich beim nächtlichen Nacktbaden mit meinem Strandparty-Flirt plötzlich statt ihm eine Feuerqualle zwischen den Beinen hatte und daraufhin nackt und laut schreiend in die Hotellobby gerannt bin. Da war es dann egal, ob ich Prosecco oder Orangensaft getrunken hatte, die Situation war einfach schlimm.

BRIGITTE.de: Ist das Erzählen solcher Erlebnisse auch ein Mittel, um die Peinlichkeit zu verarbeiten oder harmloser zu machen?

Natascha Sagorski: Ja, auf jeden Fall. Um bei besagtem Urlaub zu bleiben: Meine beste Freundin und ich hatten vor der Reise total große Erwartungen, wollten die große Liebe kennen lernen - und das ist voll nach hinten losgegangen. Das ist ja erstmal nicht so toll, aber weil wir jetzt immer so eine Super-Story erzählen können, ist es doch wieder ganz schön.

BRIGITTE.de: Nach so einem Absturz schämt man sich normalerweise erst einmal. Wie lange braucht man denn, um schließlich das Erlebte als lustige Geschichte zu erzählen?
 

Natascha Sagorski: Das variiert und ist bei jedem unterschiedlich. Ich würde mal sagen, mindestens einen Monat, und wenn es ein besonders heftiger Absturz war, auch bis zu einem Jahr, bis man darüber reden und lachen kann. Bei einer Geschichte im Buch geht es um einen Absturz bei einem Betriebsfest - das ist ja sowieso immer noch mal extra peinlich. Eine Freundin hat sich da betrunken ziemlich daneben genommen und ihrem Freund auf die Füße gekotzt. Ich wollte das unbedingt im Buch haben. Da das Ganze aber erst zwei Tage her war, musste ich sie ziemlich überreden, mir die Geschichte zu erzählen, weil sie noch so nah dran war. Aber ich hab's dann schließlich doch geschafft, ihr ein Gläschen Prosecco hingestellt und wir haben uns drüber unterhalten.

BRIGITTE.de: Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen dieses offenherzige Ausbreiten der eigenen Abstürze irgendwann einmal schaden könnte? Im Berufsleben vielleicht?

Natascha Sagorski: Ich arbeite bei einem Fernsehsender, im Boulevardbereich. Da wird man mich nicht so an den Pranger stellen, hoffe ich mal. Wenn ich jetzt Anwältin oder so wäre, hätte ich das nicht schreiben können.

BRIGITTE.de: Gibt es auch Abstürze, die so schlimm oder peinlich sind, dass man nicht darüber redet?

Natascha Sagorski: Ich habe ein paar Geschichten von Freunden erzählt bekommen, über die ich nicht schreiben wollte. Die waren zu heftig und damit auch nicht mehr lustig.

BRIGITTE.de: Stellenweise wirken die Episoden ziemlich übertrieben bis unglaubwürdig. Kommt beim Erinnern an solche Erlebnisse viel Fantasie dazu, die alles noch viel krasser macht? Oder haben Sie etwas dazugedichtet?
 

Natascha Sagorski: Im Gegenteil! Ich habe das teilweise eher harmloser gemacht und Details weggelassen. Dazugedichtet ist nichts - die Leute haben erzählt, ich habe mitgeschrieben. Es ist wirklich so passiert. Ich habe nur die Namen und manchmal die Orte geändert, um es zu anonymisieren.

BRIGITTE.de: Ihre eigenen Peinlichkeiten haben Sie allerdings nicht anonymisiert.
 

Natascha Sagorski: Nein, ich stehe dazu. Die Idee zu dem Buch entstand, weil ich mit meiner besten Freundin, mit der ich viele Abstürze erlebt habe, die Geschichten in größerer Runde und zu späterer Stunde immer wieder rausgekramt habe. Wir haben uns immer totgelacht, wenn wir sie anderen Leuten erzählt haben. Ich führe ja jetzt auch kein Lotterleben, ich arbeite, studiere, habe einen netten Freund. Das sind Ausnahmesituationen, die nicht besonders oft passieren und schon gar kein bewusstes Volllaufenlassen wie bei einer Flatrate-Party oder so. Alkohol hat viel zu viele Kalorien, um das häufiger zu machen.

BRIGITTE.de: Ist eine Absturzgeschichte auch eine Trophäe?
 

Natascha Sagorski: Ja, total! Gerade meine Freundin und ich brüsten uns damit gerne in großer Runde. Auch wenn es alle schon fünfmal gehört haben und es keinen mehr interessiert. Weil wir's so lustig finden.

BRIGITTE.de: Eigentlich kennt man solche Erzählungen eher aus spätpubertären Männer-Runden: Meine krasseste Saufgeschichte...
 

Natascha Sagorski: Frauen können das auch! Und zwar mit mehr Stil und in Highheels. Das ist unser Recht, in der Zeit leben wir Gott sei Dank heute.

BRIGITTE.de: So ein Filmriss ist auch etwas Beängstigendes – manchmal kann man danach froh sein, dass nichts richtig Schlimmes passiert ist. Nehmen Sie sich manchmal vor, es nicht mehr so weit kommen zu lassen?
 

Natascha Sagorski: Einmal hatte ich morgens so Kopfschmerzen – und ich hasse es, Schmerzen zu haben. Das war so ein Punkt, an dem ich dachte: Alkohol, nein danke. Aber ich habe mich immer so weit im Griff, dass ich nicht in wirklich gefährliche Situationen komme. Man sollte aber, wenn man merkt, dass man gerade zu viel trinkt, immer eine gute Freundin dabei haben, das ist wichtig.

BRIGITTE.de: Glauben Sie, dass die peinlichen Momente weniger werden, wenn man älter und vernünftiger wird?

Natascha Sagorski: Es ist ja nicht so, dass man für Abstürze jedes Wochenende feiern gehen und Caipis trinken muss. Man kann auch einfach über die Straße gehen, der Absatz bricht ab und man fällt hin. Es gibt so viele peinliche und lustige Situationen. Ich glaube, die werden mich mein Leben lang verfolgen, ich bin ein kleiner Tollpatsch.

Das Buch "Krasse Abstürze" von Natascha Sagorski enthält 33 Berichte über heftige Filmrisse, verrückte Totalausfälle und peinliche sexuelle Ausrutscher und ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen (250 Seiten, 9,90 Euro).
 

Interview: Judith Liere

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