"Machen Sie doch, was Sie wollen!" - die Leseprobe

Hier lesen Sie einen Auszug aus dem Sachbuch "Machen Sie doch, was Sie wollen" von der renommierten Psychologin Dr. Maja Storch, das jetzt bei Huber erschienen ist (136 S., 17,95 Euro).

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Maja Storch

"Es geht weniger darum, richtig zu entscheiden, sondern vielmehr klug zu entscheiden"

Die angemessene Frage lautet nicht: "Welche Entscheidung ist die richtige?" Sondern: "Welche Entscheidung wird mich zufrieden machen?" Sie spüren vielleicht selbst schon unmittelbar, dass in der zweiten Variante der Fragestellung der Wurm, ein bildhaftes Symbol für ein evolutionär sehr altes Bewertungssystem, das wir Menschen mit den Tieren gemeinsam haben und das häufig das Bauchgefühl genannt wird, die Wichtigkeit erhält, die ihm in diesen Fällen zusteht. Der Verstand kann zu solch einer Entscheidung natürlich Bedeutsames beisteuern, alle Bekannten steuern etwas bei, entscheidend ist jedoch, was dem Wurm am liebsten ist. Und auch dann haben Sie immer noch keine Garantie, sie haben lediglich ihr Möglichstes getan. Den Rest wird das Leben weisen, und ich wünsche Ihnen, dass Sie Glück haben. Das Leben birgt für jeden auch eine Dosis an Risiko, auch da beißt die Maus keinen Faden ab.

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Was die Entscheidungen in einem normalen Menschenleben betrifft, ist die Vorstellung, dass es die eine richtige Entscheidung gibt, also in vielen Fällen falsch. Wenn Sie vor einer entscheidenden Weichenstellung stehen und ein mulmiges Gefühl haben, dann schauen Sie als erstes, ob es für ihren Fall überhaupt eine einfache "richtige" Entscheidung gibt. Ist dies nicht der Fall, dann sollten Sie Ihre Idee davon, was die optimale Herangehensweise ist, ändern. Es geht dann weniger darum, richtig zu entscheiden, sondern vielmehr klug zu entscheiden. Klug zu entscheiden heißt, den Vorgang des Entscheidens optimal zu gestalten.

Eine Möglichkeit hierzu liefert die "Katastrophenfrage". Mit ihrer Hilfe sucht man nach der Entscheidung, die den wenigsten Ärger bereitet, wenn sie sich als falsch herausstellt. Aufgrund vieler Gespräche mit Menschen über wichtige Lebensentscheidungen bin ich zu einer weiteren Einsicht gelangt, die den Wurm betrifft: Im Fall, dass sich eine Entscheidung irgendwann als falsch herausstellt, können Menschen besser damit umgehen, wenn sie sich nach reiflichem Abwägen dafür entschieden haben, dem Wurmsignal zu folgen. Es hilft ihnen, sich nicht den Vorwurf machen zu müssen, die innere Stimme überhört zu haben. Stattdessen können sie dann sagen: "Damals wollte ich das unbedingt und ich bin das Risiko bewusst eingegangen, weil es damals für mich die beste Entscheidung war". Das ändert nichts daran, dass es schmerzt, die Ehe vor dem Scheidungsrichter enden zu lassen, das Haus versteigern oder die Firma insolvent gehen zu lassen. Aber die Unbilden, die mit dem Scheitern eines Lebensentwurfs verbunden sind, werden psychologisch besser verkraftet, wenn die Entscheidung im Einklang mit dem Wurm erfolgt ist. Aus psychologischer Sicht ist wesentlich schwerer, einen Misserfolg zu verkraften, wenn man sich sagen muss: "Ich habe damals gegen meine innere Stimme gehandelt, irgendwie hab ich es immer gespürt, dass das der falsche Weg ist." Ich empfehle daher Menschen, die sich in schwierigen Abwägprozessen befinden, sich die Katastrophenfrage zu stellen. "Was würde es für Dich bedeuten, wenn du jetzt auf den Wurm hörst und sich hinterher diese Entscheidung als katastrophal falsch herausstellt?" Nehmen Sie das Thema Liebe. "Das wäre mir egal, ich hätte für ein Jahr den besten Sex meines Lebens gehabt. Diese Erinnerung kann mir keiner nehmen", sagte mir eine 48-jährige Frau, die sich überlegte, ob sie eine Affäre mit einem 16 Jahre jüngeren Mann beginnen soll.

"Es würden zwar alle über mich spotten, aber ich war mein ganzes Leben lang brav und möchte einmal in meinem Leben etwas Unvernünftiges tun", erklärte mir eine 30-jährige Projektmanagerin, die sich im Afrika-Urlaub in einen Mann aus Ghana verliebt hatte und ihn nun heiraten möchte. "Alle sagen, der will nur ein Visum, lass die Finger davon. Das mag auch stimmen, dass er das will, ist ja verständlich. Aber trotzdem ist eine große Liebe da, so fühle ich zumindest. Ich will diesen Schritt jetzt wagen und ich weiß auch, dass es schiefgehen kann. Ich mach’s trotzdem. Und wenn es schiefgeht, war ich wenigstens einmal in meinem Leben nicht die Vernünftige. Das ist mir wichtig." Die Katastrophenfrage muss nicht immer dazu führen, dass man macht, was der Wurm vorschlägt. Sie kann auch zu einer Entscheidung gegen momentane Wurmwünsche führen. Carola war 23, seit zwei Jahren mit ihrem Freund zusammen, und beide steckten mitten im Studium. Carola hatte einen starken Kinderwunsch. Sie hatte sich schon immer eine große Familie gewünscht und sie war fest davon überzeugt, mit ihrem Freund den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Der Kinderwunsch war durch dieses Sicherheitsgefühl und die große Liebe, die sie empfand, in letzter Zeit so mächtig geworden, dass sie mit dem Gedanken liebäugelte, die Pille abzusetzen und "es drauf ankommen zu lassen", wie sie es ausdrückte. Nach der Katastrophenfrage änderte sie ihre Meinung. "Die größte Katastrophe wäre für mich, wenn unsere Beziehung in die Brüche ginge und ich ohne abgeschlossene Ausbildung als alleinerziehende Mutter dastünde", wurde ihr klar. "Wenn das eintreten würde, könnte ich mir nie verzeihen, dass ich nicht erst meinen Abschluss gemacht habe. Mit einem kleinen Kind würde es super schwierig werden, das nachzuholen. Ich warte mit dem Kindermachen lieber noch, bis die Uni fertig ist."

Abwarten ist sowieso eine gute Sache. Abwarten kann dem Wurm nämlich auch helfen, mehr Informationen zu sammeln und seine Bewertung auf einer sichereren Basis zu fällen. Die Überlegungen zum Thema Abwarten sind ein eigenes Kapitel wert.

Zum Weiterlesen: Maja Storch: "Machen Sie doch, was Sie wollen". Huber, 136 S., 17,95 Euro. Ab 7. September im Handel

Zur Person: Dr. Maja Storch, 51, ist Diplom-Psychologin, Psychoanalytikerin und Trainerin. Sie leitet das Institut für Selbstmanagement und Motivation, ein Spin-off der Universität Zürich und ist Autorin mehrerer Bücher.

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