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Pandemie "Wie kommst du durch den Corona-Winter?" 3 Generationen erzählen

Corona-Winter - Frau guckt aus Fenster
© Timothy Kuiper / Shutterstock
Einsamkeit im Dauergrau oder Homeschooling-Stress im Homeoffice: Der Corona-Winter verlangt uns Einiges ab. 3 Frauen erzählen, wie sie klarkommen. 

Unsere Serie "3 Generationen erzählen"

In der Redaktion diskutieren wir regelmäßig über Themen, die uns selbst bewegen - die Liebe, Erziehung, Job, Schönheit, das Altern oder den Sinn des Lebens. Dabei fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die verschiedenen Generationen ticken.

Daher haben wir die Serie "3 Generationen erzählen" ins Leben gerufen, in der Frauen aus dem erweiterten BRIGITTE-Kosmos zu Wort kommen. Es lohnt sich, immer wieder reinzuschauen!

Heute haben wir gefragt: "Wie kommst du durch den Corona-Winter?"

Marlene (23) wünscht sich ihr Studentenleben zurück  

Ich bin ein Herdentier. Zu meinem natürlichen Lebensraum gehören die überfüllte Cafeteria meiner Hochschule, die Räume meiner Gemeinde, in denen gelacht und gesungen wird, und die Bars, in denen es so laut ist, dass man schreien muss, um einander zu verstehen. Ich lebe von Nähe und Beziehungen – entsprechend schwer fällt es mir, mich mit dem Corona-Alltag zu arrangieren.

Seit neun Monaten studiere ich nur noch digital und verbringe meinen Alltag meistens allein Zuhause. Meine Israel-Reise wurde abgesagt, genauso wie das Theaterstück, an dem ich geschrieben hatte. Und statt Ungarisch zu lernen, schreibe ich E-Mails mit dem Auslandsamt, ob oder wie ich mein Auslandssemester in Budapest verschieben kann.

Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, kann ich aber auch Schätze sehen: die Online-Spieleabende mit Freund*innen, das neue Vertrauen in Gott, der mich nie im Stich lässt, und die Ausgehabende während der Lockerungen im Sommer, die ich heute ganz neu schätzen kann. Und ich habe gelernt, dass ich, wenn ich meine Erwartungen und Vorstellungen loslasse, Schönheit entdecke in Situationen, in denen ich sie am wenigsten erwartet hätte.

Susanne (53): "Das Virus bremst mich nicht aus"

Für mich hat sich nicht irrsinnig viel geändert durch die Pandemie. Klar, ich vermisse das Ausgehen, die Treffen mit Freund*innen und Kolleg*innen, das Reisen. Es nervt, eine Zeitlang nicht auf Konzerte, Partys, ins Kino oder ins Restaurant gehen zu können, aber es ist nicht wirklich entscheidend für mich. Mein Erlebnishunger ist nicht mehr der einer Zwanzigjährigen, mein Leben mehr oder weniger gesettelt. Corona bremst mich also nicht wirklich aus und manchmal kann ich der Entschleunigung, die das Virus mit sich bringt, sogar etwas abgewinnen: Mein Alltag ist weniger vollgestopft als früher.

Neben den Opfern der Pandemie tun mir vor allem die Jungen leid. Sie wollen aufbrechen, experimentieren, sich ausprobieren, die Welt entdecken – und laufen jetzt überall gegen Wände. Ich fürchte, nicht alles ist später nachzuholen. 

Karin (69): "Der Lockdown ist vergleichsweise harmlos"   

Wenn ich bedenke, was unsere Eltern und Großeltern durchmachen mussten (oder auch Menschen heute, die zum Beispiel auf der Flucht sind oder in Diktaturen leben), so finde ich: Jeglicher Corona-Lockdown ist vergleichsweise harmlos.

Als Pensionärin habe ich allerdings auch keine Existenzängste, daher komme ich gut klar. Außerdem kann ich mich hier auf dem Land bewegen, wie ich will, mich mit Freund*innen zum Spaziergang treffen und nach Herzenslust telefonieren.

Vieles, was ich liebe, kann ich in abgewandelter Form fortführen: zwar nicht am Italienischkurs teilnehmen, dafür mithilfe des Internets im eigenen Tempo lernen; nicht im Orchester musizieren, dafür Violinsonaten üben. Wie früher kann ich malen, schreiben, lesen und in der Mediathek etwas Schönes aussuchen. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn Sport, Konzert- oder Museumsbesuche und spontane Treffen hoffentlich wieder möglich sind.

Obwohl ich auch jetzt ziemlich aktiv bin, habe ich mehr Zeit, darüber nachzudenken, was wichtig ist und wie ich mein Leben gestalten muss, damit es in vielerlei Hinsicht gut ist. Ich hoffe, dass dies viele andere genauso machen – vor allem die Entscheidungsträger*innen in der Politik. 

Möchtest du dich mit anderen über Corona austauschen? Dann schau doch mal in unserer BRIGITTE-Community vorbei!

sar

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