5 Dinge, die wir selbstverständlich finden, obwohl sie umweltschädlich sind

Dass Plastik und Autos keine umweltfreundlichen Produkte sind, wissen wir alle. Doch manches umweltschädliche Verhalten und Denken ist uns schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir es gar nicht mehr als solches erkennen. Beispiele gefällig?

Keine Plastiktüten benutzen, das Auto öfter stehen lassen und beim Online-Shopping zwei Mal überlegen, ob wir wirklich auf "jetzt bestellen" klicken oder nicht. An die Umwelt zu denken, wird für viele Menschen immer mehr zur Gewohnheit – und das ist super! Allerdings sollte Umweltbewusstsein nach Möglichkeit schleunigst noch viel präsenter in unserem Denken werden, denn die Zeit drängt und nach wie vor sind für uns gewisse Dinge und Prioritäten selbstverständlich, die es eigentlich nicht sein sollten ...

5 Dinge, die wir selbstverständlich finden, obwohl sie umweltschädlich sind

1. Wenn wir etwas kaufen, achten wir auf Preis und Qualität

Mit Sicherheit gibt es Ausnahmen – doch die meisten Menschen achten bei Investitionen in erster Linie darauf, wie teuer etwas ist und ob es qualitativ überzeugt. Ob es umweltfreundlich ist und nachhaltig produziert wurde, kommt allerfrühestens an dritter Stelle. Stimmt nicht? Hm!

  • Warum bieten die meisten Geschäfte dann nach wie vor mehr und viel deutlicher gekennzeichnete Schnäppchen und reduzierte Ware als umweltfreundliche Produkte an?
  • Warum gibt es jede Woche Schnäppchen-Kataloge, aber keine "Nachhaltigkeits-Knaller"?
  • Warum kauft überhaupt noch irgendjemand billiges Fleisch aus Massentierhaltung und Brot im Discounter?

Klar kann es sich niemand leisten, jeden Tag beim Bio-Metzger Schinken für 5,49 Euro pro 100 Gramm zu kaufen. Aber dann müsste eine Scheibe Schinken pro Woche eben reichen. Richtig wäre es angesichts unserer derzeitigen Lage, die Umweltfrage bei jeder Kaufentscheidung an erste Stelle zu stellen. Dass sie dort aber nur bei den wenigsten steht, müsste uns eigentlich alle nachdenklich machen.

2. Wir schützen die Umwelt, weil uns das nützt

"Hilfe, wir müssen die Bienen retten! Wer bestäubt sonst unsere Apfelbäume?" In den meisten Diskussionen zum Thema Umweltschutz werden wir mit den schrecklichen Folgen bombardiert, die die Zerstörung der Natur für uns hat. Dass das überhaupt als nötig erachtet wird, ist merkwürdig. Wir sollten keine Argumente brauchen, um uns nicht wie komplette Vollidioten auf dieser Erde zu benehmen. Außerdem: Ist es wirklich so einfach – "Schädlinge" großflächig ausrotten und nur die "Nützlinge" schützen? Was, wenn wir in zehn Jahren feststellen, dass die vermeintlichen Schädlinge auch eine Funktion für die Natur erfüllt haben? Dann müssen wir schon wieder das nächste Loch stopfen.

3. Wir passen die Natur an unser Leben an

"Neeeein, wir rotten keine Arten mehr aus, wie es unsere bösen, unaufgeklärten Vorfahren getan haben! Damit sind wir durch!" Nur wenn sich ein Eisbär zu nah an eine Touristengruppe verirrt, knallen wir ihn natürlich eiskalt ab. Wir benehmen uns manchmal (bzw. oft ...), als wäre die Erde und alles, was sie zu bieten hat, in erster Linie für uns da und als könnten wir damit anstellen, was wir wollen. Doch vielleicht sollten wir ab sofort lieber mal damit anfangen, Grenzen zu akzeptieren, und uns angewöhnen, uns wieder ein bisschen mehr der Natur anzupassen? Nach dem Motto: Der "Klügere" gibt nach ...?

4. Wirtschaftlichkeit steht über der Natur 

Es ist offensichtlich: Unser Wirtschaftssystem ist (jedenfalls für die Mächtigen) wichtiger als unser Ökosystem. Wieso können Politiker wohl E-Scooter innerhalb von drei Wochen einführen, müssen aber Entscheidungen, die konventionelle Landwirte oder die Automobilindustrie verärgern und "nur" der Umwelt dienen würden, immer wieder auf die nächste Regierungsperiode verschieben? Richtig: Weil sich mit E-Scootern Geld verdienen lässt, Sanktionen gegen industrielle Öko-Sünder der Wirtschaft (und dem Wahlergebnis) schaden würde. Aber so denken nicht nur Politiker: Man erinnere sich nur mal an den Shitstorm gegen die Grünen, als sie vor einigen Jahren einen Veggie-Day in Kantinen vorgeschlagen haben. Niemand verzichtet gerne freiwillig wieder auf den Luxus, den wir unserer starken Wirtschaft verdanken. Nur unsere Erde hat dadurch das Nachsehen ... 

"Plogging": Dieser Fitness-Trend kämpft gegen Plastikmüll

5. Um die Natur zu schützen, streben wir nach Fortschritt und Innovation

Wir alle wissen zwar, dass es nicht stimmt – aber angeblich wurden E-Roller ja entwickelt und zugelassen, damit weniger Menschen kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen. Dabei wäre zu Fuß gehen so viel umweltfreundlicher! Vor ein paar Jahrzehnten war die Belastung, die wir der Erde zugemutet haben, nicht ansatzweise so hoch, wie sie heute ist. Aber statt einmal zurückzublicken und uns zu fragen, was wir da (in Bezug auf die Umweltfrage) besser gemacht haben, suchen wir lieber nach neuen, innovativen Lösungen, die sich möglichst gut verkaufen lassen. Einziges Problem: Wir haben gar nicht mal so viel Zeit zum Experimentieren. 

Wir müssen ja nicht auf den Stand der 50er Jahre zurückschalten (!), doch einiges können wir aus der Vergangenheit sicher lernen. Als es vor 20 Jahren z. B. noch drei Mal so viele Knicks gab wie heute, wurden auch alle satt. Vielleicht haben die großen landwirtschaftlichen Unternehmen damals nicht so gut verdient und das Brot war nicht so billig, aber es haben nicht mehr Leute gehungert als heute. Andererseits könnten wir Technologien, die wir jetzt schon nutzen, besser im Sinne der Umwelt einsetzen – wenn wir nicht so an bestimmten Regeln festhalten würden. Z. B. hätten wir viel weniger Verkehr, wenn mehr Leute öfter im Home Office arbeiten dürften, anstatt mit dem Auto ins Büro fahren zu müssen. Aber dafür müssten Arbeitgeber natürlich ziemlich viel Macht und Kontrolle abgeben …

sus
Themen in diesem Artikel