Alice im Wunderland: Die Akte

Name: Alice Adresse: Ländliches England Nächster Angehöriger: Die Eltern Diagnose: Keine Störung Eine Leseprobe aus "Tigger auf der Couch" von Laura James

Auftreten und Verhalten

Alice wirkt gesund, es sind keinerlei Hinweise auf eine Störung erkennbar.

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Ernährung

Es gibt kein Anzeichen dafür, dass Alice zu Hause irgendetwas Ungewöhnliches zu sich nimmt. Im Wunderland konsumiert sie allerdings einige bizarre Nahrungsmittel, die sowohl bewusstseinsverändernde Auswirkungen haben wie auch ihre Körpergröße beeinflussen. Sie sollte jede Art von Nahrung im Wunderland meiden und dort nur Wasser trinken.

Familiärer Hintergrund

Alices Verhalten ihrer Familie gegenüber ist augenscheinlich normal. Sie pflegt eine liebevolle Beziehung zu ihrer älteren Schwester, die auf sie aufpasst und sie daran erinnert, rechtzeitig zum Tee hineinzugehen. Auch die Beziehung zu ihrem Bruder ist eng, sodass sie Einzelheiten über seine bevorstehende Lateinprüfung kennt.

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Anmerkungen über die Patientin

Alices frühe Lebensjahre scheinen unauffällig verlaufen zu sein. Ihre Familie wirkt geordnet und es liegen keinerlei Hinweise vor, die auf Misshandlung oder Vernachlässigung schließen ließen. Alle scheinen gut miteinander auszukommen und sich gegenseitig zu unterstützen. Alices geistige Entwicklung und ihre sozialen Fähigkeiten entsprechen ihrer Altersstufe. Ihr stabiler Familienhintergrund, ihr Selbstvertrauen und feste Werte ermöglichen es ihr, auch eine höchst ungewöhnliche und herausfordernde Situation zu meistern. Ihr Wunsch, dem weißen Kaninchen in seinen Bau zu folgen, ist nichts anderes als normale kindliche Neugier, vielleicht zusätzlich etwas angestachelt durch einen guten Schuss Impulsivität. Hierauf lässt auch ihr fehlendes Verständnis für die möglichen Konsequenzen ihrer Tat schließen, als sie dem Kaninchen kopfüber in seinen Bau folgt. Dieses Verhalten bewegt sich aber nach wie vor innerhalb der "normalen" Parameter ihrer Altersgruppe. Während ihres Aufenthaltes im Wunderland trifft Alice auf eine ganze Reihe gestörter Personen. Sie nimmt Substanzen zu sich, die ihre Wahrnehmung und ihre Größe verändern. Selbst im Angesicht dieser Widrigkeiten bewahrt sie Ruhe. Um sich zu vergewissern, dass alle ihre Sinne noch intakt sind, löst sie ein paar Rechenaufgaben im Kopf oder sagt ein Gedicht auf, das sie in der Schule gelernt hat.

Sie zeigt gesunden Optimismus und versucht, in jeder Situation etwas Positives zu sehen. Als sie in den Kaninchenbau fällt, tröstet sie sich damit, dass ein zukünftiger Treppensturz ihr viel weniger Angst einflößen wird. Alice zeigt das rechte Maß an Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein. Sie macht sich Sorgen darüber, wer während ihres Aufenthaltes im Wunderland wohl ihre Katze füttert. Und obwohl das Baby der Herzogin mehr und mehr einem Schweinchen ähnelt, möchte sie es retten, da sie fürchtet, zu Hause würden die Herzogin oder ihre Köchin es schlachten. Alices psychologische Mauern halten auch ihrer dysfunktionalen Umgebung stand. So weist sie den Hutmacher zurecht, er solle persönliche Angriffe unterlassen, als er ihre Aufmachung kritisiert. Als die Königin verlangt, ihr solle der Kopf abgeschlagen werden, erklärt Alice: "Papperlapapp!" Als die Umstände Alice zum Weinen bringen, tröstet sie sich erfolgreich, indem sie fordert: "Reiß dich zusammen!" Und als sie im Verfahren gegen den Herzbuben als Zeugin aufgerufen wird, bleibt sie standhaft und erklärt den Einschüchterungsversuchen des Richters zum Trotz, dass sie nichts über das Geschehen wisse. Da sie über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit verfügt, besteht sie zudem darauf, dass ein Angeklagter ohne Schuldspruch nicht verurteilt werden darf.

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Prognose

Da Alice im Wunderland gut zurechtkam, kann davon ausgegangen werden, dass sie sich auch in Zukunft guter geistiger Gesundheit erfreuen wird. Dennoch durchlebte sie einige ungewöhnliche, beängstigende und schwierige Situationen. Daher wäre empfehlenswert, sie eine Weile zu beobachten, um sicherzustellen, dass sie kein posttraumatisches Stress-Syndrom entwickelt.

In dieser Hinsicht ist es wichtig, dass die Familie von Alice ihr anstrengendes Abenteuer nicht herabsetzt, sondern sie darin bestärkt, über ihre Erlebnisse zu berichten, wann immer sie den Wunsch dazu verspürt. Sollte sie feststellen, dass man ihr hinsichtlich ihrer Erfahrungen im Wunderland keinen Glauben schenkt, könnte sie Probleme bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse bekommen.

Behandlung

Eine Behandlung ist unnötig.

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