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Ambivalenzkonflikt: Wie wir ambivalente Gefühle am besten aushalten

Ambivalenzkonflikt: Ambivalente Gefühle aushalten: Frau steht am Bahnsteig
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Wir leben in einer Zeit voller Widersprüche, in der wir uns nach Antworten sehnen. Deshalb halten wir mehrdeutige Gefühle und offene Fragen kaum noch aus. Doch genau das sollten wir lernen.

Paula trocknet ihre Tränen. Sie denkt an ihren Papa. Er hat sie nach der Scheidung von Paulas Mutter im Stich gelassen, als sie noch ein Kind war. Nun hat sie sich, als erwachsene Frau, den Schmerz erlaubt, den sie aus jener Zeit in sich trägt. Und ihr ist klar geworden, wieso sie solche Angst vor Beziehungen hat. Dass sie immer Angst hat, diesem Schmerz wieder zu begegnen. Deshalb vermeidet sie Gefühle und versucht Beziehungen zu kontrollieren.

Sie blickt auf und fragt: "Und was mache ich jetzt?" Ihre Frage kommt schnell und unerwartet. Als würde sie nicht gerade mit ihrer Innenwelt in Kontakt kommen, sondern müsste diese Erfahrung dringend in die richtige, erlösende Handlung umsetzen. "Das wirst du erleben. Du musst doch jetzt gar nichts tun. Es geschieht doch gerade genug", antworte ich. Paula wendet die Augen ab. Dann nickt sie still.

"Was mache ich jetzt?"

Paula ist nicht die einzige Klient*in, die diese Frage stellt: "Was mache ich jetzt?" Viele tun das. Denn ihre grauen Zellen tun, wofür die Evolution sie ausgewählt hat: Sie suchen Lösungen. Wer Lösungen gefunden hatte, der überlebte. Das von Nachfahr zu Nachfahr weitergegebene Problemlösegehirn speichert die Vergangenheit im Gedächtnis, um mit der Zukunft besser klarkommen zu können. "Das Kerngeschäft unseres Gehirns ist es vorauszusagen", wie der Neurowissenschaftler David Eagleman schreibt. Wir fragen uns immer wieder "Was kann ich machen?", um die Zukunft zu bewältigen. Dass unser Gehirn auf Lösung drängt, ist großartig. Doch nicht alle Fragen unseres Lebens lassen sich lösen wie ein Rätsel. Es scheint aber, als würden wir genau das anstreben. Schnell wissen wollen, was die richtige Handlung ist. Lösung als Erlösung.

Zwischen all den Mehrdeutigkeiten suchen wir nach Authentizität 

Der Islamwissenschaftler und Arabist Prof. Thomas Bauer vergleicht Kulturen und hat festgestellt, dass wir in unserer Gesellschaft ungelöste, offene und damit mehrdeutige Zustände kaum noch ertragen können. Wir müssen, so Bauer, nur einen Blick darauf werfen, womit wir uns unterhalten. Krimis, Quizsendungen, Talkshows und Superstar-Wettbewerbe dominieren die Mattscheibe. Krimis haben immer eine Lösung. Quizfragen haben immer eine Antwort. Dieter Bohlens Daumen geht rauf oder runter. Und in Talkshows stellt man sich als Sieger da, als jemand, der sein Leben gelöst hat. Unklare Verhältnisse werden immer aufgelöst.

Um der Mehrdeutigkeit, der Ambiguität, zu entgehen, suchen wir nach Authentizität. Denn was authentisch ist, ist eindeutig wahr und gut. Und statt uns an Qualität zu orientieren, fahren wir auf Innovationen ab. Denn über Qualität lässt sich bekanntlich streiten. Aber es ist immer eindeutig, was neu ist. Auch unser zwielichtiger Freund, der Computer, „denkt“ immer eindeutig und spricht in klaren Zahlen zu uns. Demnach gehen 36,87 % der Frauen mit Universitätsabschluss fremd. Das ist natürlich blanker Unsinn. Keine Wirklichkeit lässt sich annähernd so präzise berechnen, wie die Zahlen es vorgaukeln. Aber das vergessen wir.

Auch mal "verloren gehen"

Das Ja-oder-Nein-Prinzip der Datenverarbeitung überträgt sich auf unser Leben. Like it oder lass es. Die mehrdeutigen, ungelösten Zustände sterben dank der künstlichen Intelligenz in unserem Leben aus wie die letzten Insekten in unseren Gärten. Verirren? Mit Google Maps? Vergessen? Wenn uns das Handy im 30-Minuten-Takt erinnert? Verdrängen? Wenn mein Körperfettanteil doch eindeutig auf der Waage erscheint? Und wo die künstliche Intelligenz noch nicht hinreicht, greifen wir auf die menschliche zurück. Offene Fragen? Unsere Beratergesellschaft hat für alles einen Experten. Zweifel? Such dir einen Coach! Wie völlig anders klingt da der Rat des Rabbi Nachman: "Frage nie jemanden nach dem Weg, der ihn kennt. Du könntest versäumen, verloren zu gehen."

Die technologischen Errungenschaften, die für uns selbstverständlich sind, wirken sich auf unser Verständnis vom Leben aus. Ständig erhalten wir neue Lösungen für unsere Probleme. Sogar für Probleme, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie hatten. Das Smartphone, das auf alles eine Antwort weiß. Streaming-Dienste, die uns mit Serien über jeden Alltagsblues hinweg- trösten. Apps, die uns verraten, wo der nächste sexhungrige Nachbar wartet. Und da wir ständig irgendwie besser werden wollen, steigt der Lösungsdruck. Schlanker, achtsamer, selbstbewusster.

Selbstoptimierung und Leistungsdruck

Wie erreichen wir das? Was ist die Lösung? Die Bestmögliche aus uns zu machen ist für uns Gesetz. Der Druck beginnt spätestens mit dem Lernziel- Gespräch in der ersten Klasse. Und endet – nie. Eine effiziente Welt erlaubt keine Ratlosigkeit, ein weltweiter Wettbewerb kein Zögern, in einer hoch beschleunigten Welt ist keine Zeit, um abzuwarten und etwas sich entwickeln zu lassen. Ambivalente Gefühle aushalten zu können ist für Psychologen ein Zeichen von Reife. Wir sind ambivalent, wenn keines unserer Gefühle eindeutig dominiert, wenn wir zum Beispiel Anziehung und Befremdung gleichzeitig erleben. Doch diese Fähigkeit scheint uns verloren zu gehen.

Sie scheint uns auf bedrohliche Weise verloren zu gehen, wenn auch in gesellschaftspolitischen Fragen auf ein- fache, eindeutige Lösungen zurückgegriffen wird. Spannungsreiche Gefühle und ungelöste Fragen werden abgewehrt und durch Fundamentalismus ersetzt. Dann gibt es nur eine Wahrheit, es wird geleugnet, dass die Geschichte uneindeutig und wechselhaft war, und man tritt für die Reinheit, zum Beispiel eines "Volkes" oder der Sitten ein. Daraus entsteht Erschreckendes, denn für vieles gibt es keine einfache Lösung, und für das meiste einfach gar keine Lösung. Es gibt und es wird auch in den uns nachfolgenden Generationen Ströme von Geflüchteten auf der Welt geben, die unzumutbaren, lebensbedrohenden Umständen entkommen wollen. Niemand wird es verhindern können.

Die Suche nach "Mr. Perfekt"

Doch weil wir Mehrdeutigkeit nicht aushalten, lösen wir sie schnell auf. Wir vermeiden sie. Und weil wir sie vermeiden, können wir sie immer weniger aushalten und greifen deshalb immer schneller zu einer Lösung, die uns aus dem unerträglichen Zustand emotionaler Ambivalenz herauskatapultiert. Willkommen beim Ghosting, "dem Lösungsmittel im technologischen Zeitalter", wie die Journalistin Tina Soliman schreibt, die sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Jemand verschwindet aus einem Kontakt und reagiert nicht mehr. Als habe es ihn nie gegeben, er wird zum unsichtbaren "Gespenst". Auf den Partnerschaftsplattformen ist es ein Massenphänomen. Die Zuschriften der "Ghosts", die Soliman bekam, verraten, worum es geht: "Ich suche nach dem Passenden. Dem Besten. Der andere sollte so und so sein, erfüllte aber meine Ansprüche nicht. Also brach ich ab."

Wer keinen Menschen sucht, den er lieben kann, sondern die perfekte Lösung für seine Wünsche, kreiert ein unlösbares Problem. Mr. Perfect existiert nun einmal nicht. Um einen Lieblingsmenschen zu finden, müssen wir auch annehmen, was uns befremdet. Wie der Psychotherapeut Leslie Greenberg schreibt: „Erfolgreiche Ehen basieren vermutlich auf der Fähigkeit, dem anderen sein Anderssein verzeihen zu können.“ Doch so weit kommen viele nie. Sie tilgen den anderen, sobald die schwierige Phase widerstreitender Gefühle beginnt. Der radikale Drang, die richtige Lösung zu finden, macht die Liebe unlösbar. Lösungen, so scheint es uns immer wieder, sind stets vorhanden. Wir müssen nur finden, was das Richtige zu tun ist. Doch ist das wirklich so? Lassen sich immer Lösungen finden? Und finden wir die Lösung wirklich im Handeln?

Es ist wichtig anzuerkennen, dass es nicht das Ziel ist, diese Probleme zu lösen. Sie werden nie aufzulösen sein.

Jens war ein häufig kränkelndes Kind. Die Mutter wollte ihn daher schonen, der Vater ihn lieber fordern. Jens versuchte vor allem zu vermeiden, dass sich seine Eltern seinetwegen stritten. Er wurde ein sehr höflicher Mensch, der gelernt hat, sich so stark zurückzunehmen, dass er selbst nicht bemerkt, was er braucht. Was seine Frau furchtbar nervt, weil sie nie weiß, wie es ihm wirklich geht, und sie ihn als Gegenüber vermisst. Sobald sie es einfordert, wird Jens nur wieder vorsichtig, was sie wiederum gereizter macht. Das Problem ist: Sie wird immer der emotionalere Mensch sein als der vorsichtig abwägende Jens. Und kann es dafür eine Lösung geben?

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Der Paarforscher John Gottman sagt es seit Jahren: Nein. Rund zwei Drittel aller Konflikte zwischen Paaren sind unlösbar, weil sexuelle Vor- lieben, unser Sinn für Ordnung, der Grad unserer Geselligkeit oder Großzügigkeit Aspekte unserer Persönlichkeiten sind, die wir nun mal nicht per Entscheidung verändern können. "Es ist wichtig anzuerkennen, dass es nicht das Ziel ist, diese Probleme zu lösen. Sie werden nie aufzulösen sein. Das Ziel ist es, sich in diesen Bereichen von festgefahrenen Konflikten zum Dialog zu bewegen." Dann können Partner zu einem Kompromiss gelangen oder einen Weg finden, mit dem ungelösten Konflikt zu leben. Was der Paarforscher im Grunde vorschlägt, ist die Idee loszulassen, dass es eine Lösung gibt. Und dadurch zu einer Lösung zu finden.

Alte Lösungen für neue Probleme?

Oft versuchen wir, unser Problem immer weiter auf die gleiche Art zu lösen, auf die wir ganz offensichtlich scheitern. Wir ziehen uns zurück, wenn es uns nicht gut geht, weil Rückzug das Beste in unserer Familie war, in der niemand verstand, Trost zu spenden. Und wenn es uns davon nicht besser geht, dann bleiben wir erst recht für uns und werden darüber allmählich depressiv. Wir benutzen Lösungen, mit denen wir als Kinder erfolgreich waren. Wir halten an Verhalten fest wie die Affen in einem bekannten Experiment: In eine Kokosnuss werden ein paar Affen-Leckerli getan. In der Kokosnuss ist eine Öffnung, gerade groß genug, dass die Pfote des Affen hindurchpasst. Der Affe greift sich die Beute – und fängt sich selbst. Denn seine geschlossene Faust passt nicht mehr durch die Öffnung, aber seine Beute will er auch nicht loslassen. 

Wenn wir unsere vergeblichen Lösungs- versuche einfach loslassen könnten, dann würde es keine Psychotherapie geben. Wir würden uns einen Rat holen, was zu tun sei, und würden es machen. Wir können uns auf Youtube anschauen, wie wir einen Router installieren. Aber wir können uns dort nicht anschauen, wie wir entscheiden, ob wir ein Kind bekommen möchten oder mit dem Mann zusammenbleiben wollen, der keine Kinder haben möchte.

Immer gilt, was bereits der griechische Philosoph Epiktet wusste: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.“ Es ist nicht so, dass Lösungen für unser Seelenleben irgendwo existieren und wir nur die richtigen finden müssen. Lösungen finden wir, indem wir uns von den Vorstellungen lösen, in denen wir gefangen sind. Indem sich unser Erleben verändert, weil wir uns auf unser Erleben einlassen. Indem wir uns neu hingeben. Indem wir loslassen.

Ratlosigkeit ist schwer zu ertragen

Das ist keine neue Erkenntnis. Wir ignorieren sie nur, weil wir der Illusion der richtigen Lösung nachjagen. Und nicht ertragen, ratlos zu sein. Die buddhistische Meditationslehrerin Marie Mannschatz leitet ihre Schülerinnen genau dazu an. Wahrzunehmen, dass sie keine Lösung wissen. Lernen auszuhalten, wenn es keine Antwort gibt. Schwierige Gefühle nicht zu vermeiden, sondern auch gerade annehmen, was unangenehm ist. Mannschatz sucht nach dem Augenblick, in dem sie fragen kann: "Kann das so erst mal stehen bleiben?" Der Augenblick, in dem wir beginnen, mit dem zu sein, was ist, und unsere Vorstellungen, was zu sein hat, loslassen. Wo die Komplexität der Situation anerkannt wird, die keine eindeutige Lösung erlaubt, und der Druck nachlässt, dass jetzt unbedingt eine gefunden werden muss.

Ob sie sich trennen solle, wurde Marie Mannschaft mal von einer Frau gefragt. Sie habe sich aber schon so oft getrennt, sie wisse, das sei letztlich auch keine Lösung. Doch nun stehe sie wieder zwischen ihrer Angst, alleine zu sein, und ihrem Wunsch nach Frei­heit. Bleiben oder gehen. Diese Frau war darin gefangen, Beziehung und Freiheit als absolute Gegenpole zu sehen. Sie begann, bewusst damit zu bleiben, dass sie sich nicht entscheiden kann. Als sie sich erlaubte, den Schmerz zu spüren, der sich hinter ihrer Entscheidungsunfähigkeit versteckt, entdeckte sie den Raum, in dem Freiheit auch in einer Beziehung möglich erschien. Sie ver­stand, dass Freiheit und Beziehung kein Gegensatz sind.

Neue Wege gehen

"Der Verzicht auf vertraute Denkge­wohnheiten ist die zentrale Herausfor­derung", sagt die Meditationslehrerin. In ihrem Buch "Vollkommen unvollkom­men" beschreibt sie die Geistesqualitä­ten, die sich durch jahrelange Medi­tation entwickeln. Loslassen ist dabei das zentrale Element. Ja sagen zur Ver­gänglichkeit und zum steten Wandel und nicht am Vertrauten und einmal Erreichten festhalten. Doch wie geht das: loslassen?

Indem wir erleben und bemerken, ohne es festzuhalten. Indem wir im Augenblick bleiben und uns dem zuwenden, was gerade präsent ist – und es wieder ziehen lassen, weil schon der nächste Augenblick da ist, in dem etwas Neues geschieht. Indem wir unsere Gedanken beachten lernen und sie lie­bevoll ausrichten. Indem wir uns auf etwas fokussieren, wie unseren Atem oder unsere Körperempfindungen, und alles andere, was auftaucht, immer wie­ der loslassen. "Nimm einen Stein in die Hand und dann lass ihn los und lass ihn in die andere Hand fallen. Lass den Stein so von deiner einen Hand in die andere wandern. Wieder und wieder, immer wieder ..." Meditation ist ein gutes Grundtraining, um Loslassen zu erlernen.

Es ist ein inneres Zulassen, kein äußeres Handeln

Unser Geist verbeißt sich in das, was er für die Wirklichkeit hält. Wie der Affe in der Affenfalle halten wir an unseren Vorstellungen fest. Wir identi­fizieren uns mit unseren Problemen. Wir halten uns für jemanden, der nicht gut denken kann, schnell erschöpft oder ohne Begabung für Humor ist. Eine Lösung daraus zu finden ist aber eben nicht, als lösten wir ein Rätsel. Es ist her, als lösten wir etwas auf, wie Salz im Wasser. Das heißt: Es ist nichts, was wir tun können. Wir müssen es gesche­hen lassen. Ganz wie im körperlichen Loslassen, in der Entspannung, wie im Sex, beim Orgasmus, in den wir uns fal­len lassen. Es ist ein inneres Zulassen, kein äußeres Handeln.

Loslassen ist eine Basisfähigkeit gerade für unsere Zeit. Wir leben im Zeitalter einer immensen Beschleu­nigung. Das Internet brauchte immerhin noch 50 Jahre, bevor es alle erreichte. Bis der Großteil der Menschheit glaubte, nicht mehr ohne Smartphone leben zu können, vergingen nicht einmal zehn Jahre. Wir leben länger, gehen durch viele Lebensphasen, leben in vielen aufeinanderfolgenden Beziehungen, an vielen unterschiedlichen Orten, in vielen verschiedenen Jobs und Teams. In jedem Wechsel müssen wir loslassen, um wieder beginnen zu können. Stän­dige Veränderung ist die einzige Konstante in unserem Leben. Kaum habe ich mich an mein E-­Mail-­Pro­gramm gewöhnt, muss ich für das Update umlernen.

Eben schienen noch die Geschlechtergrenzen eindeutig, jetzt lerne ich, dass es eine Illusion war. Eben dachten wir noch, unsere Gesellschaft sei demokratisch und sicher, da kom­men undemokratische Parteien auf. Eben waren Avocados noch das Super­food, jetzt sind sie eine Umweltsünde. Und haben wir endlich mal Jeans gefun­den, die uns gut passen, gibt es sie in der neuen Kollektion nicht mehr. Und vor allem müssen wir loslassen können, um verzichten zu können. Denn uns bedroht das Zuviel. Zu viel Essen, bis zur Fettsucht. Zu viel News, Infos, Spiele und Serien, bis zur Aufmerksam­keitsstörung. Und um das Raumschi zu retten, auf dem wir unterwegs sind, werden wir wohl noch auf vieles verzichten müssen. Flugreisen, das eigene Auto, Steaks und Einwegpackun­gen sind erst der Anfang.

Loslassen ist schwer und trotzdem die einfache Lösung

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt. Aber es wird fordernd sein. Loslassen ist die Chance auf einen Neubeginn und ein Schritt ins Unbekannte, von dem wir noch nicht wissen, wohin er führen wird. Loslassen ist deshalb verwirrend und beängstigend, gleichzeitig befreiend und erleichternd. Auch Loslassen ist keine einfache Lösung. Aber erst durch Loszulassen kann sich für uns eine ein­fache Lösung ergeben.

Die Welt der Lösungen ist para­dox. Der Autor und Filmemacher Jean­-Claude Carrière überliefert eine Geschichte dazu. Ein Schüler begibt sich zu einem alten Rabbi und sagt: "Ich habe nachge­dacht und eine Entscheidung gefällt. Ich habe beschlossen zu sterben." "Das ist keine Lösung", sagt der Rabbi zu ihm. Der junge Mann geht fort, kommt eine Woche später wieder und sagt: "Du hattest recht. Ich habe nachgedacht und beschlossen zu leben." "Das ist keine Lösung", sagt der Rabbi zu ihm. "Aber du hast mir doch gesagt, dass Sterben keine Lösung sei! Und jetzt sagst du, Leben sei keine Lösung! Was ist denn die Lösung?" "Du glaubst also, es gibt eine Lösung?" sagt der Rabbi zu ihm.

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