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Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer An diesen drei Kriterien erkennt sie eine gute Idee

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer im Interview
© Patricia Lukas / PR
2013 hat Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer unsere Gesellschaft mit ihrer Idee revolutioniert. Als Jurymitglied des IQOS-Ideenwettbewerbs "Make tomorrow.new" beurteilt sie nun anderer Leute Ideen – und hat uns im Interview verraten, worauf sie dabei achtet.
Interview: Susanne Schumann

Lea-Sophie Cramer hat es schon einmal geschafft: 2013 gründete die damals 26-Jährige (!!!) gemeinsam mit Sebastian Pollok Amorelie. Damit trug sie mit dazu bei, Lust und Sex aus der Schmuddelecke in die offenen Regale unserer Schlafzimmer zu verfrachten – und es insbesondere Frauen zu erleichtern, ihre Sexualität und Freude daran auszuleben und zu genießen. 

Nun unterstützt die Unternehmerin neben Starkoch Tim Mälzer, Musiker und Entrepreneur Fynn Kliemann und OMR-Founder Philipp Westermeyer als Jurymitglied die Initiative "Make tomorrow.new", einen Ideenwettbewerb, den Philip Morris mit seiner Marke IQOS möglich gemacht hat. "In den letzten Monaten wurden wir auf eine harte Probe gestellt, die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Das Positive daran ist, dass wir jetzt die Chance auf einen echten Neustart haben. Denn wie nie zuvor sind wir offen für das Neue und wollen die Dinge grundlegend besser machen", so Markus Essing, Managing Director von Philip Morris Germany. Vom 1. Oktober bis zum 30. November 2020 können Ideen online unter www.maketomorrow.new eingereicht werden. Das Unternehmen unterstützt die besten Zukunftsideen Deutschlands mit einer Fördersumme von über einer Million Euro.

Anlässlich ihrer neuen Rolle als Jurymitglied haben wir mit Lea-Sophie gesprochen und ein bisschen über das Konzept der "Idee" philosophiert. Was sie braucht, um auf gute Ideen zu kommen, und worauf sie achten wird, wenn sie Ideen beurteilt, erfährst du im nachfolgenden Interview.

BRIGTTE.de: Hallo liebe Lea-Sophie! Wie entstand eigentlich die Idee zu Amorelie?

Auf einer Zugfahrt. Da habe ich plötzlich Leute gesehen, die in der Bahn ganz offen den Sex-Roman ‘50 Shades of Grey’ gelesen haben. Mir wurde klar, dass Menschen weiterhin Lust an Sexualität und Erotik haben – aber anders als früher. Die etablierten Player im Erotikmarkt (Beate Uhse und Co.) waren auf Männer als Kunden fokussiert und die Produkte wurden in dunklen Läden im Bahnhofsviertel verkauft. Mit AMORELIE haben wir auf Frauen und Paare als Kunden gesetzt und Lovetoys aus der Schmuddelecke ins Lifestylesegment geholt. 

Gab es Momente, in denen du an deiner Idee gezweifelt hast? Was hat dich motiviert, daran festzuhalten?

Niederschläge gibt es immer: Weil ein Produkt nicht funktioniert, wie geplant, weil eine Marketingkampagne floppt oder weil man merkt, ein Wettbewerber hatte eine besonders gute andere Idee. Mich haben dann zwei Sachen motiviert: Erstens, nicht alleine zu sein. Mit meinem Mitgründer Sebastian Pollok und unserem Team habe ich Zweifel an einer Idee immer offen geteilt, wir haben die Zweifel diskutiert und uns gegenseitig Mut zugesprochen. Zweitens, dass ich wusste, warum ich es mache. Mit Amorelie wollten wir die weibliche Lust enttabuisieren und Sexualität in die Mitte der Gesellschaft rücken. Dieses “Warum” habe ich mir immer und immer wieder vor Augen geführt und das hat mir neue Energie gegeben.

Was macht für dich eine richtig gute Idee aus?

Es gibt drei Kriterien für eine gute Idee: Innovation, Relevanz und Skalierbarkeit. Innovationsgrad heißt: Die Idee kann auf den ersten Blick verrückt klingen, wenn man sie im zweiten Schritt gut erklären kann. Relevanz heißt: Die Idee muss ein echtes, aktuelles Problem lösen. Skalierbarkeit heißt: Man denkt und bewegt die großen Hebel, die das Leben für viele Menschen verbessern können. 

Was brauchst du persönlich, um auf (gute) Ideen zu kommen?

Austausch und schnelles Feedback. Ich habe definitiv nicht zu wenige Ideen, sondern eher zu viele. Bei mir geht es darum, die Ideen schnell zu teilen, zu sortieren und auszumisten und mich auf die zu fokussieren, an die ich wirklich glaube. Beim Sortieren und Ausmisten hilft vor allem darüber zu sprechen. Ich muss herausfinden: Klickt die Idee mit anderen?

Welche Idee einer anderen Person hättest du gerne selbst gehabt?

Die Idee zu den Tonieboxen (& Tonies) für Kinder – eine komplett neue Produktkategorie, welche von den Kindern selbst zu bedienen ist und die Box mit der richtigen Figur erzählt die schönsten Geschichten auf so liebevolle Art – das ist echt eine Meisterleistung. 

Woran erkennst du, wann es an der Zeit ist, sich von einer Idee zu verabschieden?

Wenn sie einfach nicht fliegt (nicht genug Nutzer*innen, Verkäufe, Aufmerksamkeit), und man nur aus Sentimentalität daran festhält. Es ist nicht leicht, den Absprung zu finden, wenn schon viel Kraft und Energie in ein Projekt geflossen ist. Mein Mantra dazu ist: “Hard Decisions, soft life. Soft decisions, hard life” – also immer lieber früh und klar entscheiden, eine Idee abzubrechen, anstatt sie durchzuziehen und sich damit auf lange Sicht das Leben schwer zu machen.

Was rätst du Menschen, die glauben, eine gute Idee zu haben?

Sprecht über eure Idee! Niemand will sie klauen. Aus dem Feedback könnt ihr lernen. Wenn ihr über die Idee sprecht, startet ihr Momentum: Plötzlich ist es nicht nur in eurem Kopf, sondern andere Leute wissen davon – wer groß von Ideen erzählt, hat dann auch mehr “Druck” wirklich zu starten. 

Was hoffst du, wird im Rahmen von Make Tomorrow.New entwickelt, das unsere Welt verbessert oder revolutioniert?

Ich glaube daran, dass unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger ist, wenn sie diverser, mutiger und menschlicher wird. ‘Make Tomorrow New’ ist auch ein Hebel, um das zu erreichen: Wir fördern Zukunftsideen von diversen Macherinnen und Machern und belohnen deren unternehmerischen Mut. Mir ist wichtig, dass die Macher*innen wissen, warum sie ihre Idee machen (über den Business Case hinaus). Mich treiben vor allem die Themen Gleichberechtigung, Klimaschutz/Nachhaltigkeit und Digitalisierung um und ich bin sicher, dass wir dazu einige Ideen hören werden!

Vielen Dank, liebe Lea-Sophie, für dieses spannende Interview – und natürlich deinen Einsatz und deine Idee zu Amorelie!!


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