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Anstarr-Effekt Warum habe ich das Gefühl, beobachtet zu werden?

Frau schaut hinter sich: Anstarr-Effekt: Warum habe ich das Gefühl, beobachtet zu werden?
© fotofabrika / Adobe Stock
Die meisten von uns kennen das: Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass jemand uns beobachtet. Heißt das nun, dass wir paranoid sind?

Auf der Straße, im Bus oder im Wartezimmer bei der Ärztin: Es gibt Situationen, die sind prädestiniert dafür, Menschen zu beobachten. Was aber, wenn du das Gefühl hast, dass jemand andersherum dich genauer unter die Lupe nimmt – und das ständig? Du kannst die Person zwar nicht sehen, spürst aber einfach, dass du angeschaut wirst. 

Psycholog:innen sprechen hier vom sogenannten Anstarr-Effekt. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen schon lange bekannt. In einer Studie aus dem Jahr 1913 etwa hat der Psychologe John E. Coover untersucht, inwieweit wir wirklich spüren können, ob uns jemand anschaut. Das Ergebnis zeigte jedoch, dass es in den meisten Fällen purer Zufall war, dass jemand korrekt bemerkt hat, ob eine Person ihn:sie beobachtet oder ob er:sie nur das Gefühl hatte. 

Die große Frage beim Anstarr-Effekt ist also: Wirst du wirklich gerade beobachtet, oder handelt es sich um eine subjektive Fehlwahrnehmung, sprich: Hast du nur das Gefühl, dass jemand dich eindringlich anguckt – es ist aber in Wahrheit gar nicht so? Diese Optionen können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Mögliche Gründe für den Anstarr-Effekt

1. Du fällst optisch auf

Der nächstliegende Grund dafür, dass Menschen dich häufig anschauen, ist der simpelste: Du bist ein attraktiver Mensch, der eine positive Ausstrahlung hat. Das zieht nun mal Blicke auf sich. Aber auch ein auffälliges Äußeres in anderen Bereichen – du bist etwa sehr groß oder klein, hast ein sehr markantes Gesicht, bunt gefärbte Haare oder knallige Kleidung – kann dafür sorgen, dass andere häufig in deine Richtung schauen.

2. Guckt mich bloß nicht an!

Das subjektive Gefühl, beobachtet zu werden, kann aber auch auf das Gegenteil zurückzuführen sein. Wenn du sehr schüchtern bist oder sogar unter Sozialphobie leidest, ist es dir vermutlich ein Graus, angeschaut zu werden. Am liebsten würdest du im Hintergrund verschwinden, deine Angst vor Ablehnung und Spott ist groß. Und weil die Vorstellung, im Mittelpunkt zu stehen, dir so stark zuwider ist, fällst du der Fehlwahrnehmung zum Opfer, dass es tatsächlich so ist.

3. Du leidest unter paranoiden Zügen

Im schlimmsten Fall kann auch eine psychische Erkrankung dem Anstarr-Effekt zugrunde liegen, etwa eine paranoide Persönlichkeitsstörung. Wer darunter leidet, ist oft extrem misstrauisch und geht beispielsweise davon aus, dass andere immer nur sein:ihr Schlechtestes wollen. Das kann auch dazu führen, dass eine Person glaubt, ständig beobachtet zu werden. Wenn dich das selbst betrifft oder jemanden aus deinem Umfeld, wäre es ratsam, professionelle Hilfe zu suchen.

Was hilft gegen das Gefühl, sich beobachtet zu fühlen?

Im Fall Nummer eins, also: Du wirst wirklich beobachtet, weil du anderen auffällst, lässt sich nicht viel dagegen tun. Wenn es dein persönliches Styling ist, das die Blicke auf sich zieht – etwa deine Kleidung oder deine Frisur –, hättest du natürlich die Option, daran etwas zu ändern, wenn die Aufmerksamkeit dir unangenehm ist.

Und in den Fällen zwei und drei kann es durchaus helfen, mit einem:einer Psycholog:in oder Ärzt:in über das Thema zu sprechen. So könnt ihr gemeinsam evaluieren, welche Strategien und Maßnahmen sich am besten eignen, um deinen Leidensdruck zu mindern und dir in konkreten Situationen zu helfen.

Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Besuch bei einem:einer Ärzt:in oder einem:einer Psycholog:in nicht ersetzen, weshalb wir dir dringend ans Herz legen, dir professionelle Hilfe zu suchen.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, gedankenwelt.de

mbl Brigitte

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