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Auch ohne Neujahrsvorsatz! Mit assoziativem Lernen Gewohnheiten ändern

Assoziatives Lernen - Frau greift in Schale mit Süßigkeiten
© Boiarkina Marina / Shutterstock
Was sich hinter dem Begriff assoziatives Lernen verbirgt und wie du es für dich nutzen kannst. 

Assoziatives Lernen - Definition

Assoziatives Lernen bezeichnet die neuronale Verknüpfung zwischen einem neutralen und einem zweiten Reiz. Es bildet die Grundlage unseres Gedächtnisses und hilft auch dabei, Neues besser zu erlernen.

Assoziatives Lernen in der Psychologie

Beim assoziativen Lernen wird in der Psychologie zwischen der klassischen und der operanten Konditionierung unterschieden. In der klassischen Konditionierung ist der Pawlowsche Hund das wohl bekannteste Beispiel.

Klassische Konditionierung und der Pawlowsche Hund

Der russische Physiologe Iwan Pawlow entdeckte das Signallernen eher zufällig bei Hunden. Vor dem Füttern läutete er mit einer Glocke, dann bekamen sie ihr Futter. Das führte dazu, dass die Hunde nach einiger Zeit schon beim Glockenläuten Speichel produzierten, obwohl sie noch gar kein Futter vor sich hatten – sie haben das Läuten der Glocke mit der Futtergabe verknüpft. 

Ein ursprünglich neutraler Reiz (Glocke), hier wurde anfangs also keine Reaktion ausgelöst, wurde zu einem konditioniertem Reiz, der eine erlernte Reaktion auslöst. 

Während bei der klassischen Konditionierung die Kombination festgelegt ist, werden bei der operanten durch positive oder negative Verstärkungen bestimmte Handlungsweisen erlernt. 

Operante Konditionierung und die Skinnerboxen

Der US-amerikanische Psychologe Burrhus Skinner hat das in Experimenten mit Ratten gezeigt. In einer präparierten Box (Skinnerbox genannt) wurde ein Hebel installiert, der eine Futterpille freigab, wenn er runter gedrückt wurde, es gab also eine Belohnung, ergo: die Ratte wiederholte ihr Verhalten. Erhielt eine Ratte statt Futter einen Stromschlag, unterließen sie es nach kurzer Zeit.

Die Tiere hatten gelernt, ihr Verhalten mit positiven Konsequenzen zu wiederholen bzw. mit negativen Konsequenzen zu vermeiden.

Beispiele:

  • Du bereitest dich akribisch auf eine Präsentation vor und wirst dann von deiner Chefin dafür gelobt – beim nächsten Mal wirst du dich wieder so gut vorbereiten.
  • Du lächelst auf der Straße fremde Menschen an und sie lächeln zurück, aufgrund der positiven Konsequenzen wirst du weiter Menschen anlächeln.

Genauso kann eine negative Verstärkung eintreten, in dem Fall bleibt eine schlechte Konsequenz aus, sprich wir vermeiden durch ein bestimmtes Verhalten diese Konsequenzen. Beispiel: Du hast Höhenangst, also vermeidest du Orte mit Höhe, z. B. Türme oder Leitern. Da keine negativen Folgen der Fall sind, wirst du weiterhin die Orte vermeiden. 

Auch eine Löschung (Extinktion) solcher Verstärkungen sind möglich, nämlich wenn diese für ein bestimmtes Verhalten wegfällt – was unter Umständen auch als Strafe verstanden werden kann, wenn bspw. auf einmal das Lob des Chefs ausbleibt. 

Was können wir daraus lernen? 4 Beispiele für den Alltag

Was so trocken klingt, können wir jedoch für uns und unseren Alltag nutzen! Und das auf eine ganz simple Art: ungeliebten Gewohnheiten zu Leibe rücken, indem wir uns belohnen – also einen positiven Verstärker nutzen

  1. Du willst mehr Sport treiben? Setze dir feste Termine, am besten suchst du dir noch einen Trainingspartner für mehr Motivation und jedes Mal nach dem erfolgreichen Training belohnst du dich, mit einen gesunden Snack, einer neuen Zeitschrift oder was auch immer dir Freude macht.
  2. So oft hast du dir schon vorgenommen, früher mit dem Lernen für Prüfungen anzufangen oder dich auf deine Präsentation vorzubereiten – und jedes Mal war es wieder kurz vor knapp. In dem Fall kannst du dir deinen Stoff in Teilziele einteilen, z. B. jeden Tag 90 Minuten lernen und dich danach belohnen.
  3. Wenn du gesünder essen möchtest, bringen Verbote häufig gar nichts – außer vielleicht noch mehr Heißhunger! Verbinde also gesunde Ernährung mit etwas Positivem, statt dich über den vernaschten Schokoriegel zu ärgern.
  4. Die Wohnung verliert sich im Chaos, Zeit mal wieder aufzuräumen? Klar, das gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der meisten Menschen. Auch hier kannst du den positiven Verstärker für dich nutzen und dich nach getaner Arbeit belohnen. Der perfekte Putzplan hilft dir, dich noch besser zu organisieren. 

Es braucht keinen Neujahrsvorsatz, um alten Gewohnheiten den Kampf anzusagen bzw. sich neue, positive anzugewöhnen, du kannst jederzeit starten! Bedenke dabei: Die ganzen Belohnungen nützen einfach nichts, wenn du die Veränderung nicht wirklich willst ... Hier erfährst du mehr darüber, wie du deine Gewohnheiten ändern kannst. 

Die Konditionierung spielt auch bei Ängsten, z. B. Lampenfieber, eine Rolle. Wie du Ängste überwinden kannst, erklären wir hier. 

Tipp: In der BRIGITTE Community kannst du dich mit anderen rund um Themen der Persönlichkeitsentwicklung austauschen. 


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