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Selbsterfahrung Seit ich eines verstanden habe, stehen mir meine Gefühle seltener im Weg

Besser mit Gefühlen umgehen: Eine Frau liegt auf einer Wiese
© nednapa / Shutterstock
Du bist manchmal von deinen Gefühlen leicht überfordert? Unsere Autorin kennt das Problem – und hat endlich einen Weg gefunden, damit klarzukommen. 

Gefühle sind wie ein Navigationssystem, das uns durchs Leben leitet und den richtigen Weg weist: Was uns Angst macht, meiden wir, was uns ärgert, ändern wir, was uns freut, machen wir immer wieder und so weiter. Zumindest in der Theorie. In der Praxis stehen uns Gefühle im Weg, senden völlig unverständliche Botschaften und sind zum Teil einfach nur anstrengend. Zumindest meine.

Ob Ärger über irgendeine blöde Kleinigkeit, der mir die Stimmung verdirbt und mich stundenlang beschäftigt, oder irrationale Angst, die mich davon abhält, etwas Neues zu probieren und großartige Erfahrungen zu machen – ich habe meine Gefühle schon oft verflucht und mir gewünscht, sie irgendwie zu meinen Gunsten beeinflussen und kontrollieren zu können. Vielleicht war einmal eine gute Fee in der Nähe. Denn mittlerweile glaube ich, das kann ich. Zumindest ein bisschen.

Gefühle sind eine Folge unserer Wahrnehmung

Es heißt zwar oft, wir könnten unsere Emotionen nicht kontrollieren, doch aus meiner Sicht und Erfahrung ist das nicht die ganze Geschichte: Gefühle sind abhängig von unserer Wahrnehmung und Interpretation der Wirklichkeit. Wir nehmen etwas wahr – z. B. immer noch keine WhatsApp von der Freundin. Interpretieren – z. B. ihr ist es völlig egal, dass ich warte. Und fühlen – z. B. Enttäuschung, Trauer, Wut ... Wir können nicht kontrollieren, welche Emotion unsere Interpretation unserer Wahrnehmung in uns auslöst. Aber wir können kontrollieren, wie wir unsere Wahrnehmung interpretieren – z. B. kann ich schlussfolgern, dass meine Freundin beschäftigt ist, was mich persönlich weitaus weniger enttäuschen würde, als ihr egal zu sein.

Abgesehen von unserer Interpretation können wir zudem beeinflussen, was wir wahrnehmen. Beschäftigen wir uns beispielsweise immer mit Dingen, an denen wir nichts ändern können, fühlen wir uns frustriert. Denken wir ständig darüber nach, was wir noch alles zu tun haben oder erreichen müssen, fühlen wir uns gestresst. Richten wir dagegen den Fokus unseres Denkens und unserer Wahrnehmung auf das, was wir tun können, und konzentrieren uns dabei immer nur auf das, was gerade wichtig ist, fühlen wir uns deutlich besser. Die Welt ist, wie sie ist – doch wie wir sie sehen, ist unsere Entscheidung. Und die entscheidet, wie wir uns fühlen.

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Gefühle zu verstehen, erfordert Übung

Zugegeben, allein die Erkenntnis, dass meine Wahrnehmung und Auffassung der Dinge meine Emotionen hervorrufen, hat mein Leben nicht großartig geändert. Doch seit ich das Prinzip verstanden habe, weiß ich, wo ich ansetzen kann, wenn mein Gefühlschaos mal wieder Überhand nimmt. Wenn ich mich schlecht fühle oder emotional verwirrt bin, suche ich den Auslöser in meiner Wahrnehmung und hinterfrage, ob meine Sichtweise die einzig richtige oder notwendig ist oder ob es vielleicht eine gibt, mit der ich mich besser fühle und die mich freier agieren lässt. Natürlich gibt es die nicht immer – aber verblüffend oft. Außerdem hilft es manchmal schon zu verstehen, warum ich fühle, wie ich fühle, um damit klarzukommen und eine Handlungsanweisung aus meinen Emotionen abzuleiten. 

Ich bezweifle zwar, dass mir meine Gefühle jemals so klar den Weg weisen werden wie ein Navigationsgerät oder Google Maps. Aber ich weiß ja auch gar nicht, wohin ich will. Und wenn ich Umwege als Bereicherung wahrnehmen und mich darüber freuen kann, statt mich zu ärgern, ist mir die Route letztendlich egal.


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