VG-Wort Pixel

Beziehung 6 Ideen, für einen Neustart

Beziehungsneustart: Streitendes Paar
© Goksi / Shutterstock
Ausgangssituation: Viel Streit, lauter schwelende Konflikte. Weil Freundschaften auf der Kippe stehen. Oder weil jede Zusammenkunft mit der Familie in Diskussionen und Beleidigtsein endet.

Durch viele Beziehungen gehen derzeit Risse. Man saß zu lange zusammen auf engem Raum oder hat sich zu lange gar nicht gesehen. Es gab Unzufriedenheiten bis hin zum offenen Zwist über Impffragen und den Umgang mit der Corona-Situation. Lange verdeckte Konflikte kochten in diesem Klima oft zu richtigen Streits hoch.

Doch irgendwann wird einem klar: So kann es nicht weitergehen. Es gibt für viele Konflikte keinen Konsens. Aber deshalb gleich die Beziehungen beenden? Oder lieber einen Neustart wagen?

Sechs Ideen für einen Beziehungsneustart (wenn man ihn will):

Silke Weinig ist Psychologin und Coach (aktuelles Buch: "Mit schwierigen Menschen klarkommen", Humboldt Verlag). Sie erlebt natürlich derzeit auch selbst viele Konflikte im Kreise naher Menschen und gibt folgende Tipps, wie man damit umgehen kann:

Verhakung anerkennen

Wenn Konflikte hochgekocht sind und keine Lösung dafür in Sicht ist, tendieren wir dazu, uns zu verhaken. Wir reduzieren die andere Person dann ausschließlich auf das Konfliktthema und kreisen ständig darum. Nicht selten verhärten sich dabei beide Fronten: Weil man recht haben möchte. Weil man gehört werden möchte. Weil man nicht bevormundet werden möchte. Am Ende wird die beste Freundin oder die wichtige Tante dann beispielsweise nur noch zu "der Impfgegnerin" und ist nichts anderes mehr. Doch das wird den Personen nicht gerecht.

Innere Offenheit trotz Konflikt

Fragen Sie sich, was Sie sich von der anderen Person wünschen: Welche Art des Miteinanderredens fände ich gut? Häufig landet man dann bei dem Wunsch, einen echten Austausch zu haben. Dass man nicht als blöd oder Spinnerin abgestempelt werden möchte. Fragen Sie sich dann ehrlich: Biete ich auch selbst eigentlich diese Offenheit, Zugewandtheit oder Toleranz?

Ein Stück zurücktreten

Wenn Konflikte nicht lösbar sind, wir den Konsens aber für unerlässlich erklären, zerbricht die Freundschaft zwangsläufig. So weit soll es doch nicht gehen? "Manchmal muss man die verschiedenen Haltungen auch einfach stehen lassen", erklärt Weinig. Und wenn man miteinander spricht, sollte man versuchen, nicht sofort Antworten im Kopf zu haben, sondern wirklich zuzuhören.

Das Verbindende suchen

Statt immer weiter die Konflikte zu befeuern, könnten wir uns stattdessen fragen: Was verbindet mich sonst noch mit dieser Person? "Die Frage, was ich an der anderen Person mag und schätze, hat große verbindende Kraft", erklärt Weinig. Und wenn man weiß, was einen verbindet, kann man auch leichter für einen Nachmittag oder Abend die vielen konfliktreichen Themen einfach mal zur Seite zu schieben.

Vorsichtige Kontaktaufnahme

Gerade nach einem Streit, der zu einer längeren Funkstille geführt hat, kann man nicht mit der Tür ins Haus fallen. Lieber eine Nachricht oder E-Mail schreiben und sagen, dass man gerne wieder Kontakt aufnehmen möchte. Wenn die andere Person reagiert, nicht lange fackeln: anrufen oder persönlich sprechen.

Dranbleiben

Wenn die (Wieder-)Begegnung schön war: Statt einfach nur "Das sollten wir wiederholen" sagen, direkt ein konkretes nächstes Date verabreden. Lieber etwas Schönes zusammen unternehmen, als sich nur zum Reden treffen. Wenn wieder Verbindung da ist, kann man vielleicht irgendwann auch wieder über die Konfliktthemen sprechen, ohne dass es zu einem Zerwürfnis kommt – mit etwas mehr Distanz und innerlichem Wohlwollen.

Brigitte

Mehr zum Thema