Bing-Theorie: Warum wir uns immer auf das Schlechte fokussieren

Es kann noch so viel gut gehen, die meisten Menschen reiben sich an der einen Sache auf, die schiefläuft. Mit der "Bing-Theorie" können wir dieses Phänomen erklären – und den Grundstein legen, es zu überwinden!

Kennst du das? Du wachst eigentlich ganz gut gelaunt auf, alles ist wie immer, doch dann läuft eine kleine Sache schief – zum Beispiel kriegst du für irgendwas negatives Feedback, du verpasst ganz knapp die Bahn oder beim Bäcker gibt's nur noch die Brezel mit super viel Salz – und deine Stimmung ist direkt im Keller. Typisch menschlich! Selbst wenn 397 Dinge am Tag gut gehen, ist es häufig diese eine einzige Sache, die nicht perfekt lief, der eine Fehler, die eine peinliche Äußerung, die uns – BING! – besonders auffällt und in Erinnerung bleibt. Da fragt man sich doch: Warum ist das so? Wieso genügt so ein "Bing-Moment", um uns aus einer völlig ruhig und störungsfrei fahrenden Bahn zu werfen?

"Bing-Theorie" erklärt unsere Aufmerksamkeit für Negatives

Laut Wissenschaftlern ist diese Eigenschaft ein Überbleibsel aus früherer Zeit, als der Mensch noch nicht am obersten Ende der Nahrungskette stand. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren und Risiken stärker wahrzunehmen als Positives. Schließlich hat derjenige, der den Säbelzahn-Tiger, zuerst sieht, die größten Chancen davon zu kommen, ohne gefressen zu werden. Wer also als Mensch ein Bing rechtzeitig wahrnimmt und darauf reagiert, so galt früher, hat einen evolutionären Vorteil. 

Hinzu kommt noch etwas Zweites: An Dinge, die immer nach dem gleichen Muster oder ähnlich ablaufen, gewöhnen wir uns, wir sehen sie als selbstverständlich. Zum Beispiel, nehmen wir, dass wir gesund sind und laufen können, in der Regel überhaupt nicht wahr. Deshalb springt uns Negatives besonders ins Auge (BING!), während viel viel mehr, was wahnsinnig positiv ist, in unserer Alltagswahrnehmung gnadenlos untergeht. Schließlich haben wir alle unsere Leben so eingerichtet, dass jeden Tag unzählige gute Dinge geschehen – aber nur wenige schlechte! (von einigen Unglücks-Phasen mal abgesehen ...)

Was nützt uns der Bing-Reflex heute?

Mittlerweile müssen wir aber zum Glück nicht mehr vor Säbelzahn-Tigern weglaufen und haben auch sonst im Alltag kaum noch mit bedrohlichen Situationen zu tun. Das führt dazu, dass wir unseren ursprünglich vorteilhaften Bing-Reflex leider allzu häufig gegen uns richten: Einen Fehler gemacht? Zack, zu nichts zu gebrauchen! Ein Kilo mehr auf der Waage? Gott, bin ich fett geworden! Doch im Rahmen unseres Luxus-Lebens mit beheizten Wohnungen und Vitamin-B12-Tabletten können wir ruhig ein bisschen Energie darauf verwenden, gezielt und bewusst gegenzusteuerndenn glücklich und erfolgreich macht uns ein ausgeprägter Fokus auf Negatives heute nicht mehr.

Was aber können wir einer so tief in uns verwurzelten Eigenschaft, die sich lange als Vorteil und Stärke erwiesen hat, überhaupt entgegensetzen? Ganz einfach: Bewusstsein, Achtsamkeit und Training. Wir wissen jetzt, warum wir dazu neigen, Negatives höher zu hängen als Positives, und können uns schon beim nächsten Mal, wenn unsere Stimmung von Sonnenschein auf Eisregen umschlägt, fragen, ob vielleicht der Bing-Effekt dahintersteckt. Aufmerksamer für die positiven Dinge in unserem Leben zu sein, können wir ganz leicht trainieren, z. B. indem wir uns jeden Tag an drei einfache Alltags-Regeln halten, die uns glücklicher machen, oder uns in gesunden Selbstzweifeln üben.   

Und als nächstes können wir dann ja bei Gelegenheit vielleicht mal darüber nachdenken, ob es wirklich Sinn macht, dass wir dem Grundsatz "Survival of the fittest" heute immer noch so viel Bedeutung zukommen lassen ... 

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