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Royal-Skandal Besteht jetzt noch Hoffnung auf Versöhnung? Das sagt der Psychologe

Britisches Königshaus: Harry und Meghan in Auckland
© Shaun Jeffers / Shutterstock
Nach dem Oprah-Interview von Meghan und Harry scheint die Kluft bei den britischen Royals größer denn je und womöglich unüberwindbar. Doch besteht wirklich gar keine Chance mehr, dass die Familie wieder zusammenfindet? Wir haben einen Psychologen um seine Einschätzung gebeten. 

Der Prinz, der sich wie sein Vater in eine Nicht-Adlige verliebt. Die Traumhochzeit mit strahlendem Brautpaar vor den Augen von Millionen von Menschen – und einer royalen Familie. Was 2018 noch wie ein wunderschönes, wahr gewordenes Märchen aussah, erscheint spätestens seit dem Auftritt und den Enthüllungen von Meghan und Harry bei Oprah Winfrey wie eine Illusion. Und die Einigkeit der britischen Königsfamilie, die bereits durch den Austritt und Umzug des Paars in die USA aufgebrochen wurde, scheint unwiderruflich zerstört. 

Mehr als ein medialer Skandal

Auf der einen Seite erleben wir gerade einen historischen Skandal. Doch auf der anderen Seite bröckeln da vor unseren Augen Beziehungen, mit denen wir uns alle identifizieren können: Die Verbindung zweier Brüder, eine Vater-Sohn-Beziehung, das Verhältnis zweier Schwägerinnen und Freundinnen – eine Familie, die für Einigkeit und Zusammenhalt steht, ist plötzlich zerrüttet und zerklüftet. Das dürfte nicht nur Menschen betroffen machen, die sich für die britische Königsfamilie interessieren, sondern in den meisten von uns die Frage aufwerfen: Wie geht es jetzt weiter? Und: Können die Betroffenen je wieder zusammenfinden?

Wir haben darüber mit "Max" gesprochen, einem Psychologen, der auf seiner Website unter einem Pseudonym Fragen zu Bereichen wie Beziehung, Familie und Selbstfindung beantwortet. "Grundsätzlich sind menschliche Beziehungen von Personen, die man nicht persönlich kennt, von außen schwer zu beurteilen, so auch bei den Royals", stellt der Psychologe klar. Wie es um eine Beziehung steht, wissen die darin Involvierten immer am besten – und nicht ihre Freund:innen, Friseur:innen, Köch:innen oder Bedienstete.  

Zwei Faktoren bedingen die Chance auf Versöhnung

Generell hänge aber die Chance, sich auch nach einem heftigen Streit wieder zu vertragen, dem Experten zufolge wesentlich von zwei Faktoren ab:

  • Der "Stärke" der Beziehung
  • und der Konfliktlösungskompetenz der Beteiligten. 

Die "Stärke" einer Beziehung sei zum Beispiel davon abhängig, wie lange sich zwei Personen kennen, ob sie miteinander verwandt sind, wie verbindlich beide durch eine offizielle Formalität zusammengehalten werden (z. B. Ehepartner), welche Probleme sie bereits gemeinsam gemeistert haben oder wie tief das Vertrauen zueinander ist. Allerdings wirken all diese Faktoren in unterschiedlichen Beziehungen auch unterschiedlich, betont der Psychologe. So gebe es Geschwister, die sich ein Leben lang kennen und trotzdem keine starke Bindung haben. Und andererseits könnten Freund:innen, die sich erst seit zwei Jahren kennen, schon eine krisenfeste Beziehung aufgebaut haben.

Heißt also in Bezug auf die Royals: Selbst wenn wir von außen alle meinen würden, Harry und William werden sich als Brüder, die schon so viel zusammen durchgemacht haben, sicher wieder zusammenraufen und die Familie wiedervereinen, könnte in Wahrheit eine viel größere Chance auf Versöhnung in dem Band liegen, das Meghan und Kate in den letzten Jahren miteinander geknüpft haben. Im Interview jedenfalls hat Meghan über Kate ja vergleichsweise positiv gesprochen ...

Der zweite Faktor bei der Bewältigung eines Streits, die Konfliktlösungskompetenz, ergebe sich dem Psychologen zufolge vor allem aus den eigenen Erfahrungen im Umgang mit Konflikten. "Habe ich beispielsweise in der Vergangenheit erlebt, dass sich Konflikte mit anderen nur schwer lösen lassen, so reagiere ich in der Zukunft auf einen Streit eher mit Kontaktabbruch als mit dem Versuch einer Versöhnung", erklärt der Experte. 

Wie es um die Konfliktlösungskompetenz der Royals bestellt ist, lässt sich sicherlich schwer einschätzen. Fest steht aber: Weder Austritte noch das Austragen von Konflikten in der Öffentlichkeit kamen in der Geschichte des britischen Königshauses super oft vor, zumindest nicht mit den aktuell Beteiligten Personen – was Harry und Meghan momentan tun, ist, jedenfalls in diesem Stile, etwas Neues. Und das ist ja nicht per se schlecht ...

Was bietet Anlass zur Hoffnung?

Auch wenn die Kluft zwischen Harry und Meghan und dem Rest der Familie derzeit groß und voller Lava scheint: Hoffnung auf Versöhnung gibt es laut unserem Experten auch oder sogar gerade nach längerer Zeit und Distanz zwischen den Beteiligten: "Nur weil sich zwei Personen nach einem Konflikt nicht sofort wieder annähern, heißt das nicht, dass eine Beziehung für immer abgebrochen ist", sagt er, "häufig braucht es Zeit, bis die Emotionen auf beiden Seiten etwas abgekühlt sind. Auf Verletzung reagieren Menschen typischerweise mit Wut, die eine Versöhnung verhindert. Dass sich hinter der Wut meist ganz andere Gefühle wie Trauer oder Enttäuschung verstecken, merken wir manchmal erst nach etwas Zeit. Damit ist dann ein erster Verarbeitungsschritt getan und die Möglichkeit einer Versöhnung rückt näher."

Außerdem könnten laut dem Psychologen einschneidende Veränderungen Beteiligte dazu bewegen, einen Streit hinter sich zu lassen. "Nicht ungewöhnlich ist zum Beispiel ein Vater, der mit dem Beginn der Rente und dem fehlenden beruflichen Stress merkt, dass ihm sein Sohn doch mehr fehlt, als er sich das eingestanden hätte", sagt er, "Verstärkend für den Wunsch des Vaters nach einer Versöhnung könnte hier außerdem die überschaubare, verbleibende Lebenszeit sein." Vielleicht hat ja die anstehende Geburt von Harrys und Meghans Tochter einen positiven Effekt auf die royalen Familienverhältnisse – oder  möglicherweise auch ein traurigeres Ereignis ...

Die Karten liegen auf dem Tisch – und nun?

Könnte das Oprah-Interview generell vielleicht der notwendige Schritt gewesen sein, um die Konflikte ein für alle mal zu beseitigen? Könnte es richtig gewesen sein, dass Harry und Meghan die Karten offen auf den Tisch gelegt haben? "Ob offene Aussprachen grundsätzlich gut sind, lässt sich nicht pauschal beantworten", sagt der Experte. "Es gibt Beziehungen, in denen Konflikte über Jahrzehnte verdrängt werden und in denen alle Beteiligten damit verhältnismäßig gut auskommen. Wird dann doch ein Konflikt offengelegt, kommt es zum großen Streit, in dem keine Versöhnung möglich ist – zum Beispiel wegen der gering ausgeprägten Konfliktlösungskompetenz. Gleichzeitig gibt es aber auch Beziehungen, denen es enorm hilft, wenn Konflikte offen besprochen werden. Denn das birgt die Chance der Klärung und des Neustarts."

Die besondere Bürde der Royals

Die Royal Family unterscheidet sich natürlich von allen anderen Familien darin, dass sie in der Öffentlichkeit steht und eine höchst repräsentative Funktion zu erfüllen hat und dass sie an ein enges System aus Traditionen und Etikette gebunden ist. Die Beteiligten können nicht ansatzweise so frei und intuitiv agieren wie wir es bei Verletzungen und Konflikten tun. Wenn das Königshaus melden lässt, dass es ihm Leid tut, wie sehr Harry und Meghan in England gelitten haben, kann dahinter aufrichtiges Bedauern stecken – oder die Absicht zur Schadensbegrenzung in Bezug auf das Ansehen und den Ruf der Familie. 

So wie es aussieht, kann nur die Zeit zeigen, ob Harry und William, Charles und Harry, Meghan und Kate und wer im britischen Königshaus zurzeit sonst noch alles zerstritten ist, wieder zueinander finden. Denn auch wenn die Geschichte von Harry und Meghan wie ein Märchen begonnen hat: Wie sie ausgeht, ist, da Menschen mit echten Gefühlen und Befindlichkeiten beteiligt sind, trotz Etikette, Traditionen und Hochadelstiteln völlig offen.

sus

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