Charaktertypen: Diese 16 Typen gibt es

Menschen sind kompliziert? Sicher! Aber letztendlich gibt es trotzdem nur 16 unterschiedliche Charaktertypen, sagt Psychologin und Autorin Stefanie Stahl. Und wer seinen kennt, hat es leichter in Liebe und Beruf

BRIGITTE: Es gibt eine in der Psychologie bekannte Typenlehre, die Sie weiterentwickelt haben. Demnach gibt es nur 16 Charaktertypen, in denen sich jeder Mensch wiederfindet. Das klingt für mich etwas oberflächlich.

STEFANIE STAHL: Letztlich ist es sogar noch simpler: Es reichen vier psychologische Dimensionen, um uns zu beschreiben. Weil sie in allen erdenklichen Kombinationen auftreten, kommt man auf 16 Typen.

Welche Dimensionen sind das denn?

Die meisten kennen die Eigenschaften extro- und introvertiert. Das ist die erste Dimension. Die zweite ist unsere Wahrnehmung: Sehe ich das große Ganze, bin ich also ein abstrakter Wahrnehmer, oder liegt mein Fokus eher auf den Details? Die dritte Dimension umschreibt, wie wir Entscheidungen treffen: eher aus dem Bauch heraus oder mit dem Kopf? Und die vierte Dimension steht dafür, wie wir unser Leben gestalten, ob wir eher strukturiert und ordnungsliebend sind oder das Spontane vorziehen.

Und das soll reichen, um mich als Mensch zu beschreiben?

Es ist wirklich erstaunlich, wie umfangreich man damit die einzelnen Typen beschreiben kann! Im englischsprachigen Raum ist die Typenlehre bekannter und sehr gut belegt. Hierzulande kennen viele eher die sogenannten "Big Five", aber ich finde die Typenlehre viel greifbarer. Die Studien zeigen: Fast jeder kann sich einem der 16 Typen zuordnen und fühlt sich mit seinen Eigenheiten, Stärken und auch Schwächen ziemlich gut beschrieben. Selbst Personaler setzen sie gern für die Mitarbeiterauswahl ein.

Was bringt es mir, wenn ich meinen Typen kenne?

Nehmen wir mal die Eigenschaft "extro- oder introvertiert", also unsere Interaktion mit der Umwelt. Man denkt ja oft, Extros wären geselliger und Intros sind ein bisschen gehemmt. Aber viel bezeichnender für Extros ist, dass sie im Kontakt mit anderen Menschen Energie tanken. Intros schöpfen dagegen Kraft, wenn sie allein sind. Jetzt kann man sich leicht vorstellen, was passiert, wenn in einer Partnerschaft der eine intro- und der andere extrovertiert ist, und beide abends erschöpft nach Hause kommen: Der eine will reden, der andere braucht Ruhe. Das gibt Krach. Oft denkt man dann, der Partner sei ein unsensibler Holzklotz und ist gekränkt. Aber wenn man um die Typen weiß, löst sich der Konflikt. Man kann zum Beispiel verabreden, dass man sich erst mal gegenseitig in Ruhe lässt, aber später zusammen ein Glas Wein trinken geht. Schon kommen beide zu ihrem Recht.

Sympathische Frau

An welchen Ecken kracht es noch besonders häufig, wenn man die Typen nicht kennt?

Häufig knallt es auch zwischen Denk- und Fühlentscheidern. Die Fühlentscheider sind emotional, feiern gerne – auch sich selbst und ihre Erfolge – und sehen oftmals das Schöne zuerst. Die Denkentscheider sehen das alles auch – aber sie finden es viel wichtiger, auf das hinzuweisen, was man noch besser machen könnte. Letzte Woche habe ich eine Party organisiert. Ich war megastolz, dass alles so gut geklappt hat. Und dann kommt eine Freundin nach der Party zu mir und zählt auf, was ich noch verbessern könnte. Was gut gelaufen war, erwähnte sie gar nicht. Sie hat sich bestimmt gut amüsiert, aber aufgrund ihres Charakters findet sie nur das Verbesserungswürdige erwähnenswert. Und weil ich das weiß – dass sie eine Denkentscheiderin ist –, war ich nicht gekränkt. Übrigens sind 65 Prozent der Männer Denkentscheider und 65 Prozent der Frauen Fühlentscheider. Das erklärt eine Menge der Konflikte zwischen Mann und Frau.

Das klingt so, als ob Sie sich perfekt auf Ihr Gegenüber einstellen, weil sie den Typ erkennen. Aber wo bleibt Ihr eigenes Bedürfnis nach Anerkennung?

Ich frage zum Beispiel meine Denkentscheider-Freundin einfach ganz direkt, was sie an der Party denn toll fand. Der wichtigste Punkt aber ist: Ich beziehe ihre Eigenart nicht auf mich – sondern belasse es bei ihr. Das macht das Miteinander viel einfacher.

Sie sagen, die Typenlehre bringt nicht nur in Liebe und Freundschaft, sondern auch für den Job viel.

Wenn man die Typen kennt, wird es einem leichter fallen, mit den vermeintlichen Macken des Kollegen oder der Kollegin umzugehen. Man kann dem Vorgesetzten geschickter begegnen. Man kann aber auch die Arbeiten so verteilen, dass es zum Typ passt.

Zum Beispiel?

Nehmen wir die abstrakte Wahrnehmerin, die in ihrem Team auf einen konkreten Wahrnehmer trifft. Sie interessiert sich für das große Ganze, denkt in die Zukunft und was alles möglich wäre. Er ist an Fakten interessiert. Schnell kommt bei der "Abstrakten" das Gefühl auf, dass der Kollege ganz schön die Erbsen zählt – und der Kollege stempelt die Kollegin vielleicht als oberflächlich und ungenau ab. Wenn man im Team aber den Typentest macht, wird’s für alle einfacher. Der Konkrete sieht: Ah, sie sieht die Welt einfach anders – und das hat auch seine Berechtigung. Und die Abstrakte merkt: Ach so, ohne den Konkreten kriegen wir die Projekte am Ende gar nicht gut und ordentlich durchgeführt. Mit diesem Wissen begegnen sich die Leute freundlicher, fangen an, aufeinander zuzugehen und die Eigenarten zu respektieren, statt sie ständig zu kritisieren.

Welche Typen kommen denn besonders gut mit einander klar?

In der Liebe gilt ganz klar: Gleich und gleich gesellt sich gern. Wenn ein oder zwei Gegensätze da sind, kann das interessant sein – wenn man es akzeptiert und den Partner nicht mehr ändern will. Aber wenn man zu unterschiedlich tickt, klappt es auf Dauer oft nicht.

Und im Job?

Da kann man sich ja nicht aussuchen, wer mit im Team ist. Deshalb erspart einem das Wissen um die Typen gerade im Beruf viel Stress. Man kann seine Kollegen leicht einordnen und hat immer eine kleine Gebrauchsanweisung parat. Für ein Team ist deshalb nur von Vorteil, wenn verschiedene Typen mit unterschiedlichen Stärken dabei sind. Die Extrovertierten sind gut im Kundenkontakt. Die Abstrakten haben ein Händchen für Konzepte. Die Denkentscheider merzen Fehler beherzt aus. Die Organisierten können super realistische Timelines entwickeln. Dieser Schatz wird bisher noch zu selten gehoben, weil uns das Verständnis für die Eigenheiten des Einzelnen fehlt.

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Stefanie Stahls Persönlichkeitstest basiert auf der Typenlehre von C. G. Jung und Myers/Briggs, und man findet ihn – plus "Gebrauchsanweisungen" für jeden Typ – in ihrem Buch "So bin ich eben!" (288 S., 14,95 Euro, Ellert & Richter). Eine kurze Version gibt es auch auf ihrer Website: www.stefaniestahl.de

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BRIGITTE 17/2019

Wer hier schreibt:

Carola Kleinschmidt
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