3 Corona-Lügen, die wir schon oft genug gehört haben

Schon klar: Die Coronakrise hat uns alle durcheinandergebracht und da redet man auch mal unüberlegt drauf los. Folgende Sätze haben ihr Verfallsdatum mittlerweile jedoch überschritten ...

Die Coronakrise hat uns eiskalt erwischt. Wer hätte bitte gedacht, dass wir unsere Freunde und Angehörigen Monate lang nicht sehen können und um unsere Jobs bangen müssen, als im Januar über eine Epidemie in einer asiatischen Stadt berichtet wurde, deren Namen die meisten von uns nie zuvor gehört hatten. Im Februar haben Menschen noch Witze über Leute gemacht, die Angst vor diesem Virus haben, und Anfang März regten sich plötzlich dieselben Menschen darüber auf, dass noch keine Ausgangssperre verhängt wurde. In so einer Situation kann man Meinungsumschwünge wirklich niemandem vorwerfen, im Gegenteil: Wer jetzt so denkt wie vor zwei Monaten, macht sich schon eher verdächtig.

Auch folgende Annahmen erschienen anfangs noch schlüssig, sind mittlerweile aber längst überholt.

3 Corona-Lügen, die wir jetzt oft genug gehört haben

1. "Wir müssen die geschenkte Zeit unbedingt nutzen"

Also zunächst mal: Das Coronavirus hat uns keine Zeit geschenkt. Die Tage haben immer noch 24 Stunden und das Jahr ist nur so lang, weil sich 2020 durch 4 teilen lässt. Ein paar Menschen haben momentan vielleicht weniger um die Ohren, weil sie in Kurzarbeit sind, nicht so viel hin- und herfahren oder ihr Tanzkurs am Donnerstag und Dienstag ausfällt. Aber kann man es als gewonnene Zeit bezeichnen, wenn Leute zu Hause sitzen und rechnen müssen, wie sie finanziell über die Runden kommen? Fällt nicht für Menschen, die im Homeoffice arbeiten, auch viel mehr Haushalt und Selbstversorgung an? Und was ist mit all den Personen, die weiterarbeiten wie immer, wegen Corona Überstunden schieben oder Job und Kinder wuppen müssen?

Natürlich dürfen und sollten alle, die durch Corona tatsächlich gerade mehr freie Zeit zur Verfügung haben, das Beste daraus machen – allerdings kann das auch bedeuten, einfach mal nichts zu tun. Ansonsten gilt: Nur weil wir uns jetzt mehr zu Hause als in Kinos, Restaurants und Großraumbüros aufhalten, müssen wir keine bahnbrechenden, persönlichen Leistungen vollbringen.

2. "Nach der Krise wird nichts mehr, wie es einmal war"

Sicherlich wird die Coronakrise unsere Welt ein bisschen verändern – für manche mehr, für andere weniger. Viele Menschen werden um ihre Angehörigen trauern, andere müssen von vorne anfangen und die meisten werden sicherlich ihren ersten Urlaub oder Restaurantbesuch mit Freunden nach der Krise besonders schätzen und genießen. Aber genau wie Abstand halten für uns innerhalb weniger Wochen selbstverständlich wurde, wird auch in den Urlaub fahren und Freunde treffen innerhalb weniger Wochen wieder selbstverständlich für uns werden. Die bestehenden Machtverhältnisse werden weitgehend erhalten oder sogar gestärkt werden und die Regeln und Prinzipien, nach denen unsere Gesellschaft funktioniert, bleiben auch größtenteils unverändert. Es wäre schön, wenn unsere Welt durch diese Krise gerechter würde und Menschen rücksichts- und respektvoller miteinander umgingen. Aber davon ausgehen sollten wir vielleicht nicht ...

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3. "Wir sitzen alle im selben Boot"

Man könnte meinen, wir machen jetzt alle das Gleiche durch, weil wir alle von der Krise betroffen sind. Aber tatsächlich bedeutet diese Krise für jeden Menschen etwas anderes. Die einen kämpfen mit Einsamkeit, andere mit Nähe, wieder andere mit Ängsten und Existenzsorgen. Manche posten Videos aus der Quarantäne in ihrer Luxusvilla und einigen geht's gerade einfach nur gut, weil der Winter vorbei ist. Vielleicht fühlen wir uns zurzeit mehr miteinander verbunden, weil wir endlich mal merken, dass wir es sind und dass wir von anderen abhängen. Trotzdem sitzen wir dabei nach wie vor in unseren eigenen Booten – doch das hindert uns ja nicht daran, aufeinander aufzupassen.

sus
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