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Corona und Single Die Angst vor der chronischen Einsamkeit

Corona und Single : Die Angst vor der chronischen Einsamkeit
© evrymmnt / Shutterstock
Einsamkeit kann jeden treffen. In der Coronapandemie sind besonders Singles gefährdet, denn: Social Distancing, Homeoffice und Lockdown – über Monate hinweg – bringen dieses Gefühl auf ein völlig neues Level.

Einsamkeit ist ein Signal des Körpers wie Hunger. Davon geht unter anderem der US-Einsamkeitsforscher John Cacioppo aus. Das Gefühl weist dich darauf hin, dass du dich um deine sozialen Kontakte kümmern musst. Sie sind wichtig für dein Wohlbefinden und schützen dich.

Doch wie soll das in der Coronapandemie gehen? In einer Zeit, in der Social Distancing, Homeoffice und Lockdown-Wochen soziale Kontakte – besonders für Singles – fast unmöglich machen? Und plötzlich klopft sie an die Tür: die Angst vor der Einsamkeit.

Corona: Immer mehr Singles fühlen sich einsam

Es ist kein unerheblicher Teil an Single-Haushalten, denen die Einsamkeit während der Coronakrise besonders zu schaffen macht. Laut "Statistischem Bundesamt" lebten 2019 rund 17,6 Millionen Menschen alleine – Tendenz steigend.

Trotz digitaler Vernetzung und Bevölkerungszuwachs in Städten: Das Gefühl von Einsamkeit wächst. Laut "ARD-DeutschlandTrend" sieht mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung bereits 2018 Einsamkeit als großes Problem. Laut einer Studie der Online-Partnervermittlung "Parship" soll im Frühjahr 2020 jeder dritte Single unter Einsamkeit in der Coronakrise gelitten haben.

Man kann zwar nur mutmaßen, bei wie viel Prozent der Singles es sich im Januar 2021 handelt. Was sich aber beobachten lässt: Auf Instagram äußern sich immer mehr Betroffene dazu – und auch im privaten Umfeld kennen sicherlich viele mindestens eine Person, die von Einsamkeit betroffen ist. Doch was macht das mit einem?

Aus allein wird einsam: Singles und das Bedürfnis nach Nähe

Vor Tausenden von Jahren bedeutete Gemeinschaft noch Überleben, Alleinsein hingegen den Tod. So schlimm ist es heute natürlich nicht mehr. Doch seit fast einem Jahr steht das Leben Kopf: Singles leben in sozialer Isolation. Homeoffice? Bei vielen Alltag. Physischer Kontakt zu Freund*innen und Familie? Mangelware. Verabredung mit einem Date? Erschwert. Überhaupt gibt es aktuell kaum Möglichkeiten andere zu treffen, kennenzulernen oder zu daten. Dabei sind Menschen auf Beziehungen angewiesen.

Mann am Fenster mit Mundschutz

Das grundlegende biologische Bedürfnis nach menschlicher Nähe kann nicht gestillt werden. So kann sich aus dem Gefühl des freiwilligen Alleinseins schnell das Gefühl von unfreiwilliger Einsamkeit entwickeln. Dabei sind Alleinsein und Einsamkeit nicht dasselbe. Man kann alleine glücklich sein, sich aber unter vielen Menschen einsam fühlen. Einsamkeit gilt als subjektives Negativ-Gefühl. 

Chronische Einsamkeit: Was ist das eigentlich?

Fühlen sich Menschen einsam, ziehen sie sich immer mehr zurück. Anrufe, Nachrichten und Treffen werden immer weniger, infolgedessen schrumpfen ihre sozialen Kontakte. Die Einsamkeit breitet sich immer weiter im Leben aus. Die Corona-Maßnahmen verschärfen das Gefühl zusätzlich. Hinzu kommen missmutige Gedanken wie: "Die anderen wollen eh nichts von mir". Daraus kann sich ein dauerhaftes Einsamkeitsgefühl entwickeln, das schädlich werden kann.

Wichtiger Hinweis für Betroffene:
Leidest du unter Depressionen, hast du Selbstmordgedanken oder kennst du jemanden, der solche schon einmal geäußert hat? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar.
Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Corona-Lockdown-Guide für Singles

Doch dazu muss es nicht kommen. Es gibt viele Maßnahmen, mit denen Singles der Gefahr der chronischen Einsamkeit während des Corona-Lockdowns entgegenwirken können.

  • Auf Grundbedürfnisse achten: Ob Single oder nicht: Damit du ausreichend Energie für den Alltag besitzt, solltest du genügend schlafen, essen, trinken, dich pflegen und deine sozialen Kontakte aufrecht erhalten.
  • Alltag strukturieren: Das oben erwähnte schaffst du besser, wenn du jeden Tag durchstrukturierst und dir dafür eine To-do-Liste schreibst.
  • Kontakte pflegen:Auch wenn es dir schwerfällt: Pflege regelmäßig den Kontakt zu deinen Liebsten. Rufe sie an, verabredet euch zu Spaziergängen oder einem digitalen Treffen über eine Videoplattform.
  • Selfcare-Routinen schaffen: Verwandle dein Bad regelmäßig in eine Wellness-Oase, schaue den ganzen Abend deine Lieblingsserie oder verausgabe dich so richtig beim Joggen. Mach all das, was dir guttut.
  • Nachrichtenkonsum kontrollieren: Konsumiere lediglich bis zu 15 Minuten täglich vertrauenswürdige Nachrichten, mehr nicht.
  • Vitamin D checken: Viele leiden an einem Mangel, der besonders im Winter bei wenig Sonnenlicht zu depressiven Verstimmungen führen kann.
  • Erlaube dir, schwach zu sein: Du fühlst dich ausgelaugt, weniger produktiv und müde? Das ist ok! Sei nicht zu streng mit dir, achte aber auch auf dich, dass du zum Beispiel nicht zu viel arbeitest.
  • Wenn all das oben erwähnte nicht hilft: Such dir professionelle Hilfe in Form einer Therapie oder wenn es akut ist, wähle die kostenlose, anonyme Nummer der Telefonseelsorge: 0800/1110111 und 0800/1110222

Verwendete Quellen:Dinge erklärt - kurz gesagt: Einsamkeit, Online-Stangl-Lexikon: Einsamkeit, Tagesschau, Welt, Parship Pressemeldung, Statistisches Bundesamt


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