Das ABC der Gefühle: Neid

Was sagt man mir nicht alles nach: Ich würde Leute zerfressen oder gelb anlaufen lassen. Das dürfen Sie nicht glauben. Das ist nur die Ausnahme, die ich Ihnen später erklären werde.

Zuerst einmal bestehe ich darauf, dass ich nützlich bin. Wenn ein Kind neidisch darauf ist, dass ein anderes Kind für seine schulischen Leistungen gute Noten erhält und gelobt wird, wird es sich bemühen, mehr und besser zu lernen. Nicht immer, aber oft. Ich entstehe aus dem Vergleichen. Als Neidgefühl bin ich ein Ansporn, etwas zu erreichen, was andere schon haben. Darin bin ich nützlich.

Mein schlechter Ruf kommt nur daher, dass manche Menschen etwas neidvoll erreichen wollen, was sie gar nicht erreichen können. Einem Mann kann vielleicht gelingen, dass er das begehrte Auto der gleichen Marke wie das des Nachbarn sein Eigen nennt. Wenn er 1,60m groß ist, kann er aber nicht bewirken, dass er wie der Nachbar auf eine Größe von 1,87m wächst. Wünscht er es trotzdem, kann ich ihn zerfressen, wird er gelb vor Neid. Diese Differenzierung, was geht und was nicht geht, ist für mich lebenswichtig. Sind Menschen darin blind, schlage mein Nutzen in Zerstörung um. Je mehr man mich nicht wahrhaben will und als menschliches Gefühl verachtet, umso subversiver arbeite ich mich in die Beziehung der Menschen unter¬einander hinein — denn dann muss ich schließlich um meine Existenz kämpfen.

Also differenzieren Sie bitte. Auch meinem Ruf zuliebe!

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Was sagt man mir nicht alles nach: Ich würde Leute zerfressen oder gelb anlaufen lassen. Das dürfen Sie nicht glauben. Das ist nur die Ausnahme, die ich Ihnen später erklären werde.

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